Brooke eckt mit ihren Run-Club-Regeln an – würdest du mitlaufen?

Es ist kurz vor sechs Uhr am Morgen. Wer schon unterwegs ist, muss zur Arbeit, mit dem Hund raus – oder trifft sich mit Fremden, um eine Runde laufen zu gehen. Es wird gedehnt, aufgewärmt und begrüsst. Während die einen sich umarmen, fragen die anderen: «Is this your first run?» oder «Welche Pace läufst du?» – immer mehrsprachig, versteht sich. Dann geht es los: die Laufjacke bis oben hochgezogen und bei der Fitness-App Strava auf Start gedrückt. Beendet wird das Ganze dann mit einem Matcha im hippsten Café der Stadt.
Wer das allein macht, nennt es Rennen, Laufen oder Joggen. Wer das mit zehn, 30 oder 100 anderen macht, ist Teil eines Run Clubs. Und von denen gibt es in Schweizer Grossstädten mittlerweile viele.
Mix aus Matcha-Dates und Endorphin-High
Sie heissen SheRuns Zürich, Run Club Bern oder Social Run Basel. Ob gesponsert von grossen Marken oder unabhängig: Von Jahr zu Jahr kommen neue dazu. Run Clubs treffen einen Nerv. Laufen ist günstig, oft hat man die Ausrüstung bereits zu Hause und im besten Fall findet man noch Gleichgesinnte.
Auf Tiktok und Instagram versprechen Run Clubs unzählige Dating-Optionen, perfekt kuratierte Sport-Looks und ein High aus Endorphinen. In der Realität geht es meist darum, nicht allein seine Runden drehen zu müssen.
Run Clubs sind die neuen Lauftreffs – inklusive Flat White danach
Run-Club-Regeln sorgen für Kritik
Wie weit ein Club dabei gehen darf, zeigt ein Beispiel aus Australien. In einem Video bittet Brooke McIntosh, Gründerin des Run Clubs Just One More, ohne Kopfhörer zu laufen. Ausserdem solle man den Lauf nicht auf der Fitness-App Strava tracken.
Ihre Idee dahinter? Weniger auf Geschwindigkeit, Herzfrequenz und zurückgelegte Kilometer starren und sich mehr mit sich und den Menschen neben einem beschäftigen. «Wir nehmen die Kopfhörer raus, konzentrieren uns auf uns selbst und die Person neben uns und führen ein Gespräch – darum geht es bei diesem Lauf», so McIntosh. Online kam das nicht gut an. Viele fanden die Regeln bevormundend. McIntosh erklärte später gegenüber den Medien, sie wolle niemanden kontrollieren.
Aber wie läuft das in der Schweiz? Müssen hier ebenfalls die Airpods draussen bleiben?
In Basel läuft man zusammen, statt Bestzeiten zu jagen
Beim Social Run Basel lautet das Motto: «Social, not performance.» Übersetzt: Es geht nicht darum, wer am schnellsten ist, sondern darum, gemeinsam zu laufen und neue Menschen kennenzulernen. «Ein grosser Teil dessen, was unsere Läufe ausmacht, ist der Austausch untereinander», schreibt Jonas vom Organisationsteam. Mit Kopfhörern habe es bisher trotzdem nie Probleme gegeben. «Die Leute kommen nicht nur zum Laufen, sondern auch, um Gespräche zu führen und gemeinsam Zeit zu verbringen.»
Auch Strava ist beim Social Run Basel kein Reizthema. Im Gegenteil: Die App hilft dem Club dabei, die Community zu erreichen und abzuschätzen, wie viele Menschen zum Lauf kommen. Tracken müsse aber niemand. «Niemand soll das Gefühl haben, sich über Leistungswerte definieren zu müssen.»
Läufst du lieber in der Gruppe oder allein?
In Zürich geben die Pacemaker den Takt an
Auch beim The 6:ZH Club wird nicht gross reglementiert. Die meisten Mitglieder tracken ihre Runs auf Strava, sagt das Gründungsteam Agi und Vera. Schön sei das vor allem, weil man über die gemeinsamen Läufe hinaus verbunden bleibe.
Gleichzeitig sei die Philosophie des Clubs weit weg von der Jagd nach der Bestzeit. Es gibt zwei Pace-Gruppen: eine mit sechs Minuten pro Kilometer, eine mit sechseinhalb. Letztere sei auch für Anfängerinnen und Anfänger geeignet. «Leistungsdruck soll bei uns nicht entstehen.»
Kopfhörer seien zwar nicht verboten, wenns geht, solle man aber darauf verzichten. Viel wichtiger sei dem Club, dass alle freundlich und respektvoll miteinander umgehen – und die Pacemaker nicht überholen. Sie kennen schliesslich die Strecke und geben das Tempo vor.
In Bern zählt primär, dass alle mithalten können
In Bern ist der Ansatz ähnlich. «Wir haben eigentlich keine Regeln», sagt Cyrill vom Run Club Bern. Kopfhörer trage bei den Läufen praktisch niemand. «Würde es aber auch niemandem verbieten.» Die persönlichen Runs tracken die Teilnehmenden für sich.
Beim Tempo versucht Cyrill, die Gruppe bei ungefähr 6:30 bis 7:00 Minuten pro Kilometer zusammenzuhalten. Wird sie grösser, entstehen spontan zwei Pace-Gruppen. Sein Anspruch: «Alles soll so niederschwellig sein wie möglich.»
Was hältst du von Run Clubs? Hast du Erfahrung damit?
Carolina Lermann (ler) arbeitet seit Mai 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Body & Soul im Lifestyle-Ressort und schreibt über Erziehung, Sport und Psychologie.
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