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Tuesday, October 27, 2026

Trotz Schlitz-Plakat: Darum wählen Balkan-Schweizer SVP

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  • 40 Prozent der Balkan-Schweizer wollen laut SRG-Wahlbarometer 2027 die SVP wählen.
  • Das überrascht, da die SVP 2011 mit dem Plakat «Kosovaren schlitzen Schweizer auf» warb.
  • Befragte nennen vor allem Migration, Sicherheit und Heimatliebe als Gründe für ihre Wahl.

Die SVP steuert bei den Wahlen voraussichtlich auf ein Rekordergebnis zu. Das jüngste SRG-Wahlbarometer zeigt: Die Unterstützung ist in keiner Gruppe grösser als bei den Balkan-Schweizern. 40 Prozent wollen nächsten Herbst die rechtsbürgerliche Partei wählen. Das überrascht: 2011 warb die SVP noch mit «Kosovaren schlitzen Schweizer auf»-Plakaten.

2011 warb die SVP mit dem Plakat «Kosovaren schlitzen Schweizer auf». Das Bundesgericht stufte den Slogan als rassendiskriminierend ein.

2011 warb die SVP mit dem Plakat «Kosovaren schlitzen Schweizer auf». Das Bundesgericht stufte den Slogan als rassendiskriminierend ein.kein Anbieter/Ausriss

Warum ist die SVP bei Balkan-Schweizern so beliebt? Das wollte 20 Minuten von der Community wissen.

«Nicht aus Hass»

Dass viele Schweizer mit Balkan-Wurzeln die SVP wählen wollen, überrascht Milka G. nicht: «Wir wissen, was es bedeutet, wenn ein Land seine Stabilität, seinen Zusammenhalt und seine Zukunft verliert. Und möchten nicht, dass unsere neue Heimat dasselbe Schicksal erlebt.» Ihre eigene Familie kommt ursprünglich aus Montenegro. Sie sei integriert und mit Werten wie Respekt, Anstand, Fleiss und Dankbarkeit erzogen worden. Diese Werte würden zunehmend an Bedeutung verlieren.

«Wir sind nicht gegen Menschen, die Schutz suchen», betont die 30-Jährige. Doch Schutz gehe mit Pflichten und der Bereitschaft zur Integration einher. Darum wähle sie die SVP: «Nicht aus Hass gegenüber anderen, sondern aus Liebe zu unserer Heimat, aus Dankbarkeit und Sorge um die Zukunft.»

Migration und Sicherheit als Argument

D. P. möchte in diesem Text anonym bleiben, um niemanden vor den Kopf zu stossen. Der Schweizer mit kroatischem Migrationshintergrund stimmt in vielen Punkten mit der SVP überein, wäre aber bei Ausschaffungen noch konsequenter: «Es gibt Menschen, die sich integrieren und einen Beitrag leisten, und solche, die das nicht wollen oder sogar kriminell werden.» Letztere würden die Gesellschaft belasten und ein schlechtes Licht auf integrierte Ausländer werfen.

Auch für den gebürtigen Kosovaren Ardeshir Brahaj geben Migration und Sicherheit den Ausschlag für seine Stimme für die SVP. Der 37-Jährige findet nicht, dass Menschen mit Migrationshintergrund eine bestimmte politische Richtung vertreten müssen. Seine kosovarischen Wurzeln und seine Verbundenheit mit der Schweiz seien kein Widerspruch: «Ich weiss zu schätzen, welche Möglichkeiten und Perspektiven mir dieses Land bietet.»

Kosovaren-Plakat

Der 44-jährige Marco Marosevic erinnert sich gut an das Plakat und kritisiert es: «Das geht einen Schritt zu weit.» Es gehe dort nicht mehr um Sachpolitik, sondern um Polarisierung. Trotzdem hat er schon im Sinne der SVP abgestimmt oder gewählt. Entscheidend sei das Thema: «Wenn die SVP gute Argumente hat, stehe ich dahinter, wenn es Blödsinn ist, dann nicht.»

Welche Reaktion auf das Plakat von 2011 trifft für dich am ehesten zu?

R. Tanasic kennt das Plakat von 2011 nicht. «Ich war zu jung, um mich damit zu befassen», so der 22-Jährige mit bosnischen Wurzeln. Er wählt die SVP, weil er das Land vor «den negativen Folgen illegaler Migration und kriminellen Flüchtlingen schützen» wolle. Es gehe ihm aber nicht um Ausgrenzung, sondern um Ordnung, Sicherheit und Respekt.

Nicht alle wählen SVP

Doch nicht alle aus der Balkan-Community wählen die SVP. Tajana Koller teilt viele Ansichten der Partei nicht, kennt aber Menschen mit Balkan-Wurzeln, die das tun. Sie hat auch eine Theorie, weshalb: Viele hätten schon von klein auf vermittelt bekommen, dass die eigene Herkunft, die eigene Kultur und die eigenen Leute an erster Stelle stehen würden. Und genau hier sieht die 36-Jährige den Zusammenhang zur SVP: «Wer selbst so aufgewachsen ist, kann sich möglicherweise besonders gut mit einer Politik identifizieren, die die eigene nationale Identität schützen, Zuwanderung begrenzen und sich gegenüber Fremden abgrenzen möchte.»

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Aira Flückiger (fla) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Politik.

Delia Bachmann

Delia Bachmann (dba), Jahrgang 1993, arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Als Redaktorin im Ressort Politik berichtet sie über das Geschehen in Bundesbern.

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