Steinfrucht-Sorge – Tonnenschwerer Ernteverlust bei den Schweizer Zwetschgen

Die Prognosen des Schweizer Obstverbands wurden im Laufe des Sommers immer pessimistischer: So wurden 3600 Tonnen Zwetschgen erwartet, doch effektiv geerntet wurden gerade mal 3200 Tonnen der blau-violetten Früchte.
Mathias Faehr hat noch nie eine solche Ernte erlebt. Der Obstbauer aus Allaman im Kanton Waadt bewirtschaftet zwei Parzellen mit insgesamt etwa 4.5 Hektaren. «Wir müssen die Zwetschgen wegwerfen, weil sich Schimmel auf den Früchten bildet», sagt er gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
Hier der ganze Audiobeitrag von RTS:
Die Zwetschgensorte Fellenberg, die den Schweizer Markt dominiert, muss mindestens 33 Millimeter Durchmesser aufweisen. Wegen des Wassermangels blieben viele Zwetschgen zu klein und erreichten nicht die erforderliche Grösse.
Auf einer seiner Parzellen hat Mathias Faehr im Sommer die Bewilligung erhalten, die Obstbäume einige Male mit Leitungswasser zu bewässern – die andere habe er aufgegeben. «Das ist ein Totalverlust. Es sind etwa 20 Tonnen Zwetschgen, die nicht gross genug sind und nicht verkauft werden können. Sie werden an den Bäumen oder auf dem Boden verfaulen», erklärt Faehr.
Die Abkehr von der Zwetschge
Zu den klimatischen Herausforderungen kommen aber noch weitere Bedenken hinzu – vor allem um ihre schwindende Popularität unter den Früchte-Fans.
Der Vizepräsident des Schweizer Obstverbands, Luc Magnollay, spricht von einer Abkehr von der Zwetschge und sieht den Grund dafür in einem veränderten Bedürfnis der jüngeren Generationen. «Vielleicht waren unsere Grosseltern es gewohnt, hauptsächlich Konfitüren und Kompott zu machen oder sie einzufrieren, um Vorräte für den Winter anzulegen. Heute konsumiert die junge Generation eher frische Früchte. Das sind Marktanteile, die verloren gehen», begründet Luc Magnollay.
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