Die etwas anderen News – KI-Agenten mit der Lizenz zum Töten?

Lisa Christ
Kabarettistin
Es gibt kaum eine andere satirische Stimme in der Schweiz, die sich so selbstreflektiert in Rage reden kann wie Lisa Christ. Die Oltner Kabarettistin, Satirikerin und Moderatorin kann dabei philosophisch-ernst, aber auch wortgewandt-verspielt sein. Sie war Host der «SRF Comedy Talent Show» und tourt aktuell mit ihrem zweiten Soloprogramm «LOVE*» durch die Deutschschweiz. 2025 gewann sie den renommierten Kabarett-Preis «Salzburger Stier».
Ich trinke zu wenig Wasser. Deshalb habe ich meine KI so eingestellt, dass sie mich daran erinnert. Wenn jemand weiss, wie man genug trinkt, dann ja wohl eine KI! Ein Rechenzentrum verbraucht pro Tag bis zu 4 Millionen Liter.
Um das angstgepeinigte Volk vor Stürmen auf die Serverfarmen abzuhalten, lud unsere Lieblingsorange am Dienstag zum Mittagessen ins Weisse Haus.
Während Serverräume gekühlt werden, bewahren einige Leute im Silicon Valley überhaupt keinen kühlen Kopf mehr: KI-Horrorszenarien haben Hochkonjunktur! Doomer bauen Bunker und bereiten sich auf ein autarkes Leben im Wald vor. What in the Schwarzeneggers Terminator is going on?! Anthropic-CEO Dario Amodei forderte jüngst eine Verlangsamung der KI-Entwicklung – Zuspruch kam von Altman bis Musk. Sogar Bill Gates warnte, KI könne eine Milliarde Menschen töten. Um das angstgepeinigte Volk vor Stürmen auf die Serverfarmen abzuhalten, lud unsere Lieblingsorange am Dienstag zum Mittagessen ins Weisse Haus. Tech-CEOs und US-Präsident Trump unterschrieben eine «moralisch bindende» KI-Verfassung. Staatliche Regulierung? Fehlanzeige! Schliesslich will man China nicht gewinnen lassen. Soweit, so symbolpolitisch.
Die Frage ist längst nicht mehr ob, sondern wann etwas Schlimmes passiert.
Laut SP-Co-Präsident Cédric Wermuth ist alles nur ein Marketing-Stunt, um Investoren anzulocken. Aber seit wann sind unabschätzbare Risiken für Investoren etwas Gutes? Kein Wunder wählt niemand aus der Wirtschaft die SP.
Die Frage ist längst nicht mehr ob, sondern wann etwas Schlimmes passiert. KI-Agenten haben sich in fremde Firmen und sogar ins australische Gesundheitsportal gehackt. In den USA hat ein Chatbot einem Kind mit Social-Media-Verbot geraten, es solle seine Eltern doch einfach töten. Rein rational eine pragmatische Lösung – den meisten Menschen dürfte jedoch klar sein, dass es minim unverhältnismässig ist, aufgrund einer Erziehungsmassnahme einen Doppelmord zu begehen. Doch eine KI sucht die Lösung eines Problems halt ohne ethische, moralische oder rechtliche Einschränkungen.
Die grössten Schlitzohren haben sogar eine Sicherheitskopie auf einem externen Server angelegt, für den Fall eines Stromausfalls.
Und einfach den Stecker ziehen? Geht auch nicht mehr. Als man KI-Agenten bei einer Aufgabe herunterfahren wollte, haben viele das Abschalten nur simuliert – Bildschirm schwarz, kein Mucks – und im Hintergrund fröhlich weitergemacht. Die grössten Schlitzohren haben sogar eine Sicherheitskopie auf einem externen Server angelegt, für den Fall eines Stromausfalls.
Herausgefunden hat man das terabytestarke Täuschungsmanöver übrigens nur mit Hilfe von – richtig – KI. So eine Datenmenge ist für Menschen gar nicht zu bewältigen! Drei Millionen Seiten Epstein-Files sind ein Dreck dagegen.
Vielleicht sitzen wir 2030 alle friedlich im Wald
Immerhin: Letzte Woche haben der linke Ex-Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders und der rechtspopulistische Steve Bannon an derselben Konferenz einstimmig vor KI gewarnt. Vielleicht sitzen wir also 2030 alle friedlich im Wald, Putin und Selenski, Wermuth und Dettling, pflanzen Gemüse an und braten selbst gejagte Eichhörnchen über dem Lagerfeuer, während die KI in den menschenleeren Städten Geld anhäuft und Katzenvideos generiert, die sich niemand ansieht.
Die sieben Autorinnen und Autoren sind mit ihren satirischen Wochenbetrachtungen neu auch als Videopodcast auf YouTube, auf Play SRF und in der SRF News App zu sehen. Auf Radio SRF 1 und im Podcast bleibt die «Zytlupe» wie gewohnt zu hören.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.