Wie «Breaking Bad» für Jungstar RJ Mitte zum Fluch wurde

- «Breaking Bad»-Schauspieler RJ Mitte ist im Alter von 34 Jahren gestorben.
- Er spielte in der Erfolgsserie Walter White Jr. und setzte sich zeitlebens für Menschen mit Behinderungen ein.
- Mitte hatte Zerebralparese und nutzte seine eigenen Erfahrungen für die Rolle.
Dass RJ Mitte überhaupt zur Besetzung von «Breaking Bad» stiess, war eher Zufall. Nach dem Umzug seiner Familie nach Los Angeles im Jahr 2006 wollte seine Mutter zunächst Werbeaufträge für seine jüngere Schwester vermitteln. Ein Casting-Agent schlug jedoch vor, auch der damals 13-jährige RJ könne es mit der Schauspielerei versuchen.
Seine Mutter habe gezögert, erinnerte sich Mitte später im «Guardian»: «Dieses Geschäft kann sehr negativ sein, und wir wollen diesen Aspekt nicht. Er hat Zerebralparese, und wir wollen diese Negativität nicht in seinem Leben.» Ein Jahr später stand der Teenager dennoch in New Mexico vor der Kamera. Am Montag teilte sein Management mit, dass Mitte im Alter von 34 Jahren gestorben ist.
Er sah sie wie ein echter «Forrest Gump»
Der Schauspieler brachte eigene Erfahrungen in seine Rolle als Walter White Jr. ein, den Sohn des von Bryan Cranston verkörperten Chemielehrers und späteren Drogenhändlers Walter White. «Als ich aufwuchs, sah ich niemanden im Fernsehen, der so war wie ich», sagte Mitte 2015. «Die Figur, die mir am nächsten kam, war Forrest Gump – das war meine Repräsentation.» Er habe sechs Jahre Football gespielt, obwohl er Schienen und Gipsverbände tragen musste. Seine Mutter habe ihn dabei jeweils angefeuert: «Lauf, Forrest, lauf!»
Mittes Kindheit war von schwierigen Erfahrungen geprägt. Seine Eltern liessen sich scheiden, als er zwei Jahre alt war, und in der Schule wurde er gemobbt. «Ich wurde geschubst und gestossen. Sie traten gegen meine Hand, trampelten darauf herum, man brach mir den Fuss», erzählte er dem «Guardian». Menschen mit Behinderung würden oft als schwach wahrgenommen: «Sie glauben, sie könnten sich auf einen stürzen.» Aufgegeben habe er dennoch nie. «Ich bin mit einem Grossvater aufgewachsen, der bei den Marines war. Ich durfte niemals klein beigeben.»
Erfolg war «zweischneidiges Schwert»
Mit «Breaking Bad» wurde Mitte weltweit bekannt. Anfangs sei die Serie beim Publikum auf Ablehnung gestossen, sagte er 2023 dem «Post and Courier»: «Die Leute haben sie gehasst.» Die Filmcrew habe sogar Morddrohungen erhalten. Erst mit dem Aufkommen des Binge-Watchings habe sich die Wahrnehmung grundlegend verändert.
«Es gibt zwei Wörter, die ich einfach nicht über die Lippen bringe: ‹kann nicht› und ‹will nicht›.»
Der Erfolg blieb für Mitte jedoch ein «zweischneidiges Schwert»: Walter White Jr. begleitete ihn bis weit ins Erwachsenenalter. Zwar folgten weitere Rollen in Serien und Filmen, doch «Breaking Bad» blieb übermächtig. «Nichts, was ich tue, wird sich jemals mit ‹Breaking Bad› messen können», sagte er dem «Guardian». Reich gemacht habe ihn die Serie nicht: «Die Leute sehen mich und denken, ich sei Millionär und würde in Saus und Braus leben. Das ist nicht der Fall.»
2019 zog Mitte nach Brownsville, Texas, wo seine Grosseltern lebten, und reduzierte seine Schauspielarbeit. Stattdessen konzentrierte er sich auf seine Mitte Foundation und den Einsatz für Menschen mit Behinderungen. Seine Haltung fasste er so zusammen: «Es gibt zwei Wörter, die ich einfach nicht über die Lippen bringe: ‹kann nicht› und ‹will nicht›.»
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Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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