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Wednesday, October 7, 2026

«Anblick macht mich traurig»: Mann klettert in Kleidercontainer

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  • Im Zürcher Kreis 4 kletterte ein junger Mann in einen Altkleider-Container der Firma Tell Tex, um Kleider zu entnehmen.
  • Die Stadt Zürich warnt vor Verletzungsgefahren wie eingeklemmten Armen, Kopfstössen oder Stürzen beim Rausklettern.
  • In der Vergangenheit kam es bereits zu tödlichen Vorfällen: 2022 starb eine Frau in einem Container in Lausanne, 2015 erstickte ein Mann in Genf.

«Der Anblick machte mich erst nachdenklich, dann traurig», sagt eine 38-jährige Frau, die im Zürcher Kreis 4 lebt. Sie beobachtete, wie am Montag am hellichten Tag ein junger Mann in einen Altkleider-Container kletterte. Der Vorfall ereignete sich an der Stauffacherstrasse.

Der junge Mann kletterte halbwegs in den Altkleider-Container hinein, um Kleidung herauszuholen.

Der junge Mann kletterte halbwegs in den Altkleider-Container hinein, um Kleidung herauszuholen.20min/News-Scout

Wie sie erzählt, habe der Mann einen ganzen schwarzen 1-Liter-Abfallsack mit Kleidern gefüllt, bevor er damit auf seinem Velo davonfuhr. «Aufgrund seiner weissen Kleidung war er vor dem weissen Container ziemlich gut getarnt, man konnte ihn erst gar nicht richtig erkennen», erinnert sie sich.

«Hat mich traurig gemacht»

Dennoch habe sie der Anblick zum Nachdenken gebracht. Die Zürcherin hinterfragt, ob es nicht genug gute Anlaufstellen für Menschen in Not gebe: «Ich habe das Gefühl, dass wir hierzulande über relativ viele und gute Hilfswerke und Unterstützungsangebote verfügen. Welche Möglichkeiten bräuchte es denn zusätzlich, damit Menschen nicht auf solch gefährliche Massnahmen zurückgreifen müssen?»

Besonders die Tatsache, dass der Mann gemäss ihrer Schilderung noch sehr jung war, habe sie traurig gemacht. «Doch eigentlich ist das nichts Neues, solche Szenen beobachte ich hier leider relativ oft», erzählt die 38-Jährige.

So erzählt eine weitere Zürcherin von einer ähnlichen Erfahrung. Sie habe am vergangenen Wochenende nach dem Flohmarkt beim Gemeinschaftszentrum in Wollishofen beobachtet, wie eine Frau Kleidung, die eine Marktausstellerin zuvor weggeworfen hatte, aus einem Container fischte. «Zu sehen, auf welche Mittel einige Menschen aus ihrer Not angewiesen sind, tut schon weh», sagt sie.

Hineinklettern birgt verschiedene Gefahren

Auf Anfrage verweist der Betriebsleiter der Tell-Tex AG, Sascha Sardella, an die Fachstelle Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ), in deren Verantwortung die Container liegen. Seitens ERZ erklärt Mediensprecherin Maria Colon, es komme vereinzelt dazu, dass Menschen Kleider aus den Textilcontainern entnehmen. Die Anzahl Meldungen dazu wird gemäss Stadt Zürich nicht erhoben.

Doch in diesem Zusammenhang warnt die Stadt: «Das Hineinklettern birgt Verletzungsgefahren wie das Einquetschen des Arms, das Anstossen des Kopfes oder das Runterfallen beim Rausklettern.» Textilcontainer seien nicht dafür gedacht, dass man hineinklettere.

«Kleiderangebote von sozialen Organisationen und Hilfswerken»

Denn es gebe genügend sichere Alternativen: «Menschen mit kleinem Geldbeutel finden in der Stadt Zürich Kleiderangebote von verschiedenen sozialen Organisationen und Hilfswerken.»

Unter anderem erwähnt die Mediensprecherin die Secondhand-Läden von Caritas, das Heilsarmee Brocki, das Brockito von AOZ (Asyl-Organisation Zürich), Kleiderspenden von Kirchen oder der Winterhilfe Schweiz.

Tödliche Vorfälle in der Vergangenheit

Um zu sehen, wie gefährlich solche Kletteraktionen werden können, reicht ein Blick in die Vergangenheit. So fiel im Jahr 2023 eine Person beim Versuch, etwas aus einem Altkleider-Container der gleichen Firma zu holen, beinahe in den Container.

Im Jahr davor, im Februar 2022, fanden Polizeibeamte in Lausanne eine leblose Frau (36) in einem Textilcontainer. In Genf starb ein Mann im Jahr 2015, weil er im Innern eines Altkleider-Containers erstickte.

Lebst du oder lebt jemand, den du kennst, in Armut?

Hier findest du Hilfe:

Lisa Arnold

Lisa Arnold (lia) arbeitet seit März 2026 bei 20 Minuten als Praktikantin im Ressort Zürich.

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