Australien verbannt KI-Musik – und die Schweiz?

- Australien hat seit Ende August eine Richtlinie, die vollständig KI-generierte Musik aus den Charts verbannt.
- Auslöser war eine KI-Version von Madonnas «Like A Prayer», die im Juli Platz vier der australischen Charts erreichte.
- In der Schweiz gibt es noch keine vergleichbare Regelung – IFPI-Chef Lorenz Haas arbeitet an einer «international tragfähigen Lösung».
Australien greift gegen KI-Musik durch. Seit Ende August ist eine Richtlinie in Kraft, die Lieder, die mittels künstlicher Intelligenz entstanden sind, aus den Charts verbannt. Damit will die Australian Recording Industry Association den «menschlichen Ursprung des künstlerischen Schaffens» schützen.
KI-Song schaffte es in Schweizer Hitparade in die Top Ten
Die Entscheidung für die Regelung fiel, nachdem eine KI-Version von Madonnas «Like A Prayer» im Juli der meistgespielte Song in den australischen Radios wurde und Platz vier in den Charts erreichte. Laut dem Produzenten waren nur Teile des Songs (Gesang und Schlagzeug) KI-generiert. Die nun geltende Regelung betrifft nur Werke, die komplett mit künstlicher Intelligenz entstanden sind.
Auch in den Schweizer Charts tauchen in jüngster Zeit immer wieder KI-Lieder auf. Das bekannteste Beispiel ist der KI-Remix von Stromaes «Papaoutai», der es im Januar bis auf Platz acht der Hitparade schaffte. Radio SRF nahm den Song zwar aus dem Tagesprogramm, eine Regelung wie in Australien gibt es aber bisher nicht.
Abgrenzungsfrage erschwert Handhabung mit KI
Andy Renggli, Chartermittler bei GfK Entertainment, bestätigte damals gegenüber 20 Minuten, dass man beabsichtige, eine Regelung einzuführen. Man stosse dabei aber auf schwierige Abgrenzungsfragen: Was gilt überhaupt als «KI-generiert»? «KI ist heute auch ein normales Arbeitsinstrument in der Musikproduktion», so Renggli.
Ähnlich äusserte sich Lorenz Haas, Geschäftsführer der IFPI Schweiz, Auftraggeberin der Hitparadenerhebung: «Wir beobachten aufmerksam die Entwicklung zu KI-Songs in den Charts und arbeiten zusammen mit unseren Partnern an einer international tragfähigen Lösung.» Entscheidend sei die Unterscheidung zwischen «mit Hilfe von KI produziert» und «rein KI-generiert».
Woran sollte man für dich bei KI-Musik am stärksten ansetzen?
KI-Musik ist aktuell ein kleiner Teil der Branche
Gegenüber SRF bekräftigte Lorenz Haas jüngst: «Auf den vorderen Rängen der Charts sehen wir heute kaum Titel, die im Verdacht stehen, KI-generiert zu sein» – egal, wie hoch der prozentuale Anteil der KI-generierten Uploads auch sein mag. Das Verhältnis zwischen diesen und tatsächlich gehörten Titeln liege im Promillebereich. «Die KI-Musik wird praktisch nicht gehört», sagt Haas.
Allerdings pushte Spotify jüngst KI-Bands wie The Velvet Sundown, indem der Streaminganbieter Songs der Gruppe in beliebte Playlists wie «Discover Weekly» integrierte. Künstlerinnen und Künstler weltweit träumen von solchen Möglichkeiten, denn die Playlists gelten als Klickgaranten und Goldgrube. «Harper's Magazine» hat die Betrugsmasche bereits 2024 aufgedeckt, die es der Streamingplattform erlaubt, Künstlerinnen und Künstlern noch weniger Geld zu zahlen.
Leonie Projer (pro), Jahrgang 1997, ist stellvertretende Leiterin im Ressort People und arbeitet seit Oktober 2022 bei 20 Minuten. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen sammelte sie bei Tele M1 und «ArgoviaToday».
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