«Ich bereue das»: Warum Nati-Captain zuletzt sehr unglücklich war

Darum gehts
- Nati-Captain Lia Wälti spricht im Podcast «Frauenkabine» offen über ihre schwierige Zeit bei Juventus Turin.
- Nach neun Monaten in Italien kehrte sie zu Brighton & Hove Albion zurück – sie hatte dort Freude und Antrieb verloren.
- Nun steht die Schweizer Nati ab dem 9. Oktober in den WM-Playoffs gegen Israel.
Jetzt gilt es ernst für die Schweizer Nati. Anfang Woche bot Trainer Rafel Navarro für die beiden Partien gegen Israel (9. Oktober in Mezőkövesd und 13. Oktober in Sion) 23 Spielerinnen auf – darunter die Rückkehrerinnen Alena Bienz, Svenja Fölmli und Alisha Lehmann.
Die Schweiz muss in den Playoffs die Hürde Israel überspringen, wenn sie weiter von der WM 2027 in Brasilien träumen will. Gelingt der Sieg über Israel, wartet im Dezember die 2. Playoff-Runde. Dort trifft die Nati dann auf Kosovo oder Österreich.
Wenige Tage vor den wichtigen Spielen sprach Captain Lia Wälti Klartext. In der 14. Episode des Schweizer Fussball-Podcasts «Frauenkabine» redete sie so offen wie selten über die vergangenen zwei Jahre.
Lia Wälti zieht die Konsequenz
Zur Erinnerung: Nach sieben Jahren bei Arsenal wechselte Wälti im Sommer 2025 zu Juventus Turin, mit dem Gedanken, dort bis zu ihrem Karriereende zu spielen. Doch es kam anders.
«Ich habe einfach die Freude nicht mehr gehabt, das Feuer nicht mehr gehabt», sagte sie im Podcast. Sie habe sich zurückgezogen, sei antriebslos geworden und habe abends nicht mehr sagen können, was sie den Tag über gemacht habe. Nach neun Monaten zog sie die Konsequenz und kehrte nach England zurück, zu Brighton & Hove Albion.
Dort ist sie glücklich. «Ich möchte meine Karriere mit einem guten Gefühl beenden können», so Wälti. In Brighton fühle sie sich angekommen, wohne zentral, nahe am Meer, und habe die Emotionen zurück.
«Einsam fühlt man sich in unserem Beruf relativ oft»
Aussenstehende sahen es der 33-Jährigen letzte Saison selten richtig an, aber richtig happy war Wälti in Italien nie. «Einsam fühlt man sich in unserem Beruf relativ oft. Das sagen viele. Meistens hat man sein Umfeld im Fussball-Club. Wenn man nach Hause geht, ist man dann aber alleine», so Wälti.
Und weiter: «Während meiner Zeit in Italien habe ich mich mehr zurückgezogen, ob ich das wollte oder nicht. Es ist einfach passiert. Ich hatte nicht mehr so viel Lebensfreude. Rückblickend bereue ich das auch, weil ich finde, dass die Leute nie das Problem waren. Ich konnte mich aber einfach nicht darauf einlassen.»
Dass es bei Juve nicht passte, merkte der Nati-Captain schnell. «Es war ein Bauchgefühl, auf das ich mich schnell verlassen konnte. Es stimmten einfach zu viele Faktoren nicht», so Wälti. «Ich war sehr enttäuscht von mir selber, weil ich dem Ganzen nicht richtig eine Chance geben konnte. Ich haderte lange mit mir. Ich habe alles probiert. Aber es ist schwierig, wenn dich etwas innerlich blockiert.»
Schweizer Programm WM-Qualifikation
«Es ist ein Traumtag gewesen für mich»
Das Gute: Jetzt ist Wälti wieder happy. Besonders war für sie vor allem das Spiel gegen Arsenal, also den Club, wo sie sieben Jahre spielte. Sieben Jahre, in denen sie den Aufstieg des Clubs und des englischen Frauenfussballs von innen miterlebte, vom Stadion mit 4000 Plätzen bis ins ausverkaufte Emirates, vom Staff mit sechs Personen bis zu rund 30. Am Ende stand der Champions-League-Titel.
«Es ist ein Traumtag gewesen für mich», sagte sie über die Begegnung mit alten Weggefährtinnen und Arsenal-Fans, die sie freundlich empfingen. Gleichzeitig habe sich mit diesem Spiel ein Kreis geschlossen, den ihr schneller Abgang im Sommer offen gelassen hatte.
Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredaktor und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
