Neu im Kino – Wenn der eigene Körper fremd wird: Das Mysterium Menopause

Die dänische Filmemacherin beginnt bei sich selbst – sie beobachtet Veränderungen ihres Körpers und ihrer Psyche, die sie ratlos machen. Um zu erfahren, was da passiert, wenn die Hormone sich verändern und verschwinden, macht sich Louise Kjeldsen auf die Suche nach Wissenschaftlerinnen, die dabei sind, das Mysterium Menopause zu entschlüsseln.
Hitzewallungen und Alzheimer: ein Zusammenhang?
Sie trifft etwa Pauline Maki in Chicago, die seit Jahrzehnten über den Zusammenhang von Menopause-Symptomen und späteren Erkrankungen forscht. Im Speziellen interessiert sie, ob häufige und starke Hitzewallungen das Risiko für Alzheimer erhöhen.
Den forschenden, systemischen Blick der Wissenschaft kontrastiert die Filmemacherin mit den Erzählungen von Frauen. Sie sitzen in einem weissen Raum, auf weissen Stühlen und geben Zeugnis von ihren Leiden während der Wechseljahre.
Plötzlich ist eine andere Frau im Spiegel
Es sind Frauen verschiedener Länder, verschiedener Ethnien. Sie erzählen davon, wie sie sich von einem Tag auf den anderen verändert haben. Wie sie im Spiegel jemand anderen gesehen haben. Wie ihre Mütter nie über die Menopause sprachen, wie sie Angst hatten vor diesen Symptomen, die kein Arzt, keine Ärztin zuordnen konnte.
In kompletter Stille seien Frauen in der Vergangenheit durch die Menopause gegangen, reflektiert die Filmemacherin. Sie wirft einen Blick in die Medizingeschichte, die vor allem von Männern betrieben und geschrieben wurde. Und den Frauenkörper kaum erforschte – und wenn, dann schnell bei der Allerweltsdiagnose «Hysterie» ankam.
Louise Unmack Kjeldsens Film ist flott erzählt und schnell geschnitten. Er wechselt zwischen dem Besuch unterschiedlicher Forschungsprojekte, Blicken in die Medizingeschichte und den subjektiven Berichten der porträtierten Frauen hin und her.
Aktuellen Kontroversen weicht der Film aus
Aber wenn die Filmemacherin zu Beginn ausgezogen ist, das «Mysterium Menopause» zu entschlüsseln, dann ist es ihr in diesem Film nicht ganz gelungen, dem Geheimnis tatsächlich auf die Spur zu kommen. Sie verharrt bei den medizinischen Aspekten der Wechseljahre und bezieht ganz klar Stellung, propagiert die Hormontherapie mit Östrogen. Alternative Herangehensweisen, pflanzliche Mittel, natürliche Behandlungen werden zwar sehr kurz angesprochen, aber allesamt als wirkungslos beiseitegeschoben.
2024 erschien in der weltweit renommierten Medizinzeitschrift «The Lancet» eine Serie zur Menopause: Darin warnen Autorinnen vor einer zunehmenden Übermedikalisierung und fordern einen gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit den Wechseljahren. Diese Serie ist zwar auch Thema im Film – sie wäre ein toller Aufhänger für eine echte Reflexion über die Wechseljahre gewesen. Aber die Kontroverse, die damals weltweit medial angeschoben wurde, wird im Film nur als Störung und als Rückschlag für die medizinische Forschung zur Menopause dargestellt.
Dennoch: Es ist gut, dass es diesen Film gibt – auch wenn kontrovers darüber diskutiert werden kann. Denn, so sagt es die eine Wissenschaftlerin im Film: «Wenn etwas verschwiegen wird, wird es mit Scham und Stigmatisierung verbunden.»
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