«Erstes Jahr war schrecklich» – warum US-Familie trotzdem bleibt

- Das US-amerikanische Ehepaar Emily und Robert Toole lebt seit über zehn Jahren in der Schweiz, aktuell in Therwil BL.
- Im Gespräch mit CNN berichten sie von Anfangsschwierigkeiten – vor allem die strengen Regeln hierzulande seien herausfordernd gewesen.
- Trotzdem bleiben die Tooles: Der hohe Lebensstandard und die Selbstständigkeit ihrer fünf Kinder überzeugen sie jedes Jahr aufs Neue.
Jedes Jahr stellen sich Emily und Robert Toole dieselbe Frage: «Wollen wir weiter in der Schweiz bleiben oder in die USA zurückkehren?» Obwohl es ihnen hierzulande sehr gut gefalle, vermissten sie bisweilen die Freundlichkeit und Gastfreundschaft ihrer Landsleute.
Vor mehr als zehn Jahren zog das Paar aus Connecticut in die Schweiz. Zunächst lebten die Tooles in Genf, inzwischen wohnen sie mit ihren fünf Kindern in Therwil im Kanton Basel-Landschaft. Im Gespräch mit CNN berichten sie von den Herausforderungen ihres Lebens in der Schweiz.
Sie kommen mit der Kommunikation der Schweizer nicht zurecht
Die Eingewöhnung an die hiesige Kultur sei alles andere als leicht gewesen. «Das erste Jahr war sogar schrecklich», sagt Emily dem US-Sender. Ihr Mann sei zunächst überrascht gewesen, dass keine Nachbarn mit einem selbst gekochten Gericht vorbeikamen, um die Familie willkommen zu heissen. Schweizerinnen und Schweizer seien eher zurückhaltend, sagte Robert.
«Man muss selbst aktiv werden, um mit Leuten in Kontakt zu treten und etwas zu lernen. Es gibt kein Begrüssungskomitee», fügt er hinzu. Vor allem die strengen Regeln hätten der Familie zu schaffen gemacht. Auch mit den «weniger direkten Kommunikationsformen des Landes» tue sie sich manchmal noch schwer.

Ihr Mann ergänzt: «Wenn sie wütend sind, schreiben sie einen Brief. Sie laminieren ihn und hängen ihn an deine Tür, bevor sie tatsächlich vorbeikommen und mit dir reden.» Oft vermisse das Paar «die einfachen Dinge» – etwa auf dem Heimweg rasch bei einem Drive-in anzuhalten oder im Lift mit Fremden ins Gespräch zu kommen.
Kinder sind unabhängig
Doch die positiven Seiten überwögen, betonen die Tooles. Die Schweiz biete Familien einen besonders hohen Lebensstandard – vor allem für Menschen, die gerne draussen seien, wanderten und die Berge genössen. «Wir sind glücklich. Wir haben uns eingelebt. Wir haben eine tolle Familie. Bisher war es ein grossartiges Abenteuer», sagt Emily.
Woran würdest du am ehesten festmachen, ob du im Ausland bleibst oder zurückgehst?
Auch die Selbstständigkeit ihrer Kinder, die alle in der Schweiz zur Welt kamen, sei für die Eltern ein grosser Vorteil: Seit dem vierten Lebensjahr gingen sie allein zur Schule. «Sie machen so vieles ganz allein», sagt die Mutter begeistert. «Wir hatten in 13 Jahren noch nie einen Zwischenfall. Ich weiss nicht, ob wir das in den USA von uns behaupten könnten.»
Deshalb fällt die Entscheidung jedes Jahr erneut zugunsten der Schweiz aus – Emily und Robert Toole bleiben.
Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
