Massiver Identitätsmissbrauch – Betrüger benutzen Pianistin Ladyva für Fake-Alben und Fan-Abzocke

Die Berner Boogie-Woogie-Pianistin und Sängerin Vanessa Gnägi hat sich unter dem Künstlernamen Ladyva national und international einen Namen gemacht. Sie ist unter anderem schon in der Londoner Royal Albert Hall aufgetreten und war einst mit Rock'n'Roll-Legende Jerry Lee Lewis auf Tournee. Entsprechend gross ist ihre Fangemeinde in den sozialen Medien. Ihre Musik wird online rege gestreamt.
Wohl deshalb ist die Musikerin ins Visier von Betrügern geraten. Plötzlich ploppen im Netz anfangs August 2026 innert kurzer Zeit 20 «neue Alben» auf. Fans hätten sie darauf aufmerksam gemacht, erzählt Vanessa Gnägi im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso»: «Das ist KI-generierte Musik unter meinem Namen. Das bin nicht ich.»
KI-Schrott wird rege gestreamt
Die Betrüger haben ihren Namen leicht abgeändert: von «Ladyva» zu «Ladyva Boogie». Die Fake-Alben tragen Fantasienamen wie «No One Knows Piano Boogie Blues».
Doch dieser KI-Schrott wird rege gestreamt. Allein auf Youtube Music bislang rund 600'000 Mal. Dazu kommen unzählige weitere Klicks auf Spotify, Apple Music und anderen Plattformen. Die Abrufe sind so zahlreich, dass Youtube den Namen von Gnägis Original-Kanal ins betrügerische «Ladyva Boogie» umbenennt. Als die Musikerin interveniert, macht Youtube die Änderung rückgängig. Der Kanalname stimmt nun wieder, die Fake-Alben sind aber weiterhin auf Youtube, Spotify & Co. abrufbar.
Jeder Klick generiert Einnahmen für die Betrüger.
Die Betrüger würden auf diese Weise Profit mit dem Namen und dem Fake-Profil von Ladyva machen, sagt die Anwältin und Urheberrechtsexpertin Chantal Bolzern: «Wenn jeder Song dieser 20 Alben oft gestreamt wird, ist das lukrativ.» Jeder Klick generiert Einnahmen für die Betrüger. Es sei davon auszugehen, dass die Betrügerinnen die Masche systematisch anwenden und die Namen von Künstlerinnen und Künstlern auf der ganzen Welt missbrauchen.
So reagieren Youtube und Distrokid
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Für Youtube antwortet die Google-Medienstelle (die beiden Plattformen gehören zum gleichen Mutterkonzern). Zum konkreten Fall äussert sie sich nicht, nur allgemein: Youtube verbiete jede Art von Identitätsdiebstahl.
Zwei Links unter denen sich Betroffene melden können: Meldung von möglicherweise betrügerischen Inhalten und Löschanfrage für KI-Fakes.
Der Online-Musikvertrieb Distrokid hat auf die SRF-Anfrage nicht reagiert.
Der betrügerische Musik-Müll im Namen der Berner Pianistin wurde, mit Codes versehen, beim internationalen Online-Musikvertrieb Distrokid angemeldet. «Dieser vertritt jedoch tausende von Künstlerinnen und Künstlern und kann nicht alles überprüfen. Er hat die Fake-Musik den Musikplattformen zugänglich gemacht. Die hinterlegten Codierungen sorgen dafür, dass das Geld fliesst», erklärt die Urheberrechtsexpertin.
Fan überweist 6000 Franken an die Betrüger
Doch der massive Identitätsmissbrauch in Ladyvas Namen geht noch weiter. Die Betrüger schreiben in den sozialen Medien ihre Fans an. «Sie geben sich als mein Management aus oder als mich selbst», sagt sie. Die Fans werden auf Fake-Seiten gelockt, erhalten unter anderem KI-generierte, angebliche Selfies der Pianistin. So werden sie verleitet, teils Tausende von Franken zu überweisen, angeblich zugunsten der Künstlerin.
«Espresso» ist an Ihrer Meinung interessiert
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Ein begeisterter Fan zum Beispiel habe 6000 Franken ausgegeben – in der Hoffnung auf ein Treffen oder gar eine Heirat mit Ladyva. Als danach nichts weiter passiert sei, sei sie vom Fan an einem Konzert in Brunnen (SZ) angesprochen worden. Sie habe ihm erklären müssen, dass er Opfer eines Betrugs geworden sei, sagt Vanessa Gnägi.
Inzwischen hat sie Anzeige bei der Polizei erstattet – und sich mit der Geschichte an SRF gewandt, um andere davor zu bewahren, auf die perfide Masche hereinzufallen.
Für Urheberrechtsexpertin Chantal Bolzern ist dieser Fall – die Kombination von Tantiemen-Betrug und Fan-Abzocke – «der erste dieser Art». Sie findet ihn «krass und schockierend».
Opfer von Identitätsmissbrauch – was tun?
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Urheberrechtsexpertin Chantal Bolzern empfiehlt in allen Fällen von Identitätsmissbrauch, zur Polizei zu gehen und eine Strafanzeige zu machen. Erst bei einer genügend grossen Zahl von Meldungen würden die jeweiligen Maschen auch in der Statistik auftauchen: «Das hilft in der Regel, um Druck aufzubauen.» Damit die Plattformen handeln und ihre Nutzerinnen und Nutzer besser vor Betrug schützen. Und dass im Idealfall eines Tages auch die Politik Massnahmen ergreift.
Nicht zuletzt helfe der Beleg einer Strafanzeige ganz konkret, um im eigenen Fall Druck zu machen, dass Youtube & Co. betrügerische Fakes löschen, so Chantal Bolzern. So oder so müssten Betroffene unbedingt auch direkt die Plattformen kontaktieren, die betrügerische Inhalte aus Identitätsmissbrauch verbreiten. Das Problem: Manche Plattformen sind schwer erreichbar. Betroffene brauchen Zeit und Nerven, um mit ihrem Anliegen durchzudringen.
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