Nach Misshandlung von Minderjähriger: Das sagt Schweizer Verband

- Das Schweizer Sportgericht sperrt einen Eiskunstläufer für drei Jahre wegen Übergriffen auf seine minderjährige Eistanzpartnerin.
- Er belästigte sie, beging sexuelle Übergriffe, zeigte ihr Pornografie und demütigte sie im Training vor anderen.
- Swiss Ice Skating distanziert sich klar; der Athlet hat derzeit keine aktive Lizenz beim Verband.
Ein Misshandlungsfall erschüttert die Schweizer Eiskunstlaufwelt. So hat das Schweizer Sportgericht (TSS) einen Eiskunstläufer für drei Jahre gesperrt. Er wurde wegen mehrerer Verstösse gegen «die sexuelle und psychische Integrität seiner Eistanzpartnerin» für schuldig befunden. Die Partnerin war zum Zeitpunkt der Taten minderjährig.
Die Vorfälle ereigneten sich zwischen Dezember 2022 und Juli 2024, wie die Stiftung Swiss Sport Integrity, die sich für die Bekämpfung von Fehlverhalten im Sport einsetzt, am Mittwoch mitteilte. Laut Gerichtsurteil belästigte der Eiskunstläufer seine Partnerin, beging sexuelle Übergriffe und konfrontierte sie mit pornografischem Material. Zudem demütigte und beschimpfte er sie während des Trainings vor anderen.
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Swiss Ice Skating äussert sich nun auch ausführlich zum Fall. In einem Statement, das 20 Minuten vorliegt, schreibt der Verband, dass man das Urteil des Schweizer Sportgerichts zur Kenntnis genommen habe: «Der Verband dankt Swiss Sport Integrity sowie dem Schweizer Sportgericht für die sorgfältigen und konsequenten Untersuchungen im vorliegenden Fall.»
Das sagt Swiss Ice Skating
Swiss Ice Skating distanziere sich klar vom Verhalten des verurteilten Athleten und verurteile dieses in aller Deutlichkeit, heisst es im Statement weiter. «Wir erinnern daran, dass die Ethik-Charta, das Ethik-Statut und das Doping-Statut von Swiss Olympic sowie der Code of Ethics der Internationalen Eislaufunion (ISU) verbindliche Grundlagen für Swiss Ice Skating bilden.»
Und weiter: «Diese Bestimmungen gelten für den Verband selbst, seine Mitarbeitenden, Organe und Mitglieder sowie für deren Organe, Mitglieder und Mitarbeitende. Sie sind ebenso für Athletinnen und Athleten, Trainerinnen und Trainer, Betreuungspersonen, medizinisches Fachpersonal, Funktionärinnen und Funktionäre sowie Beauftragte verbindlich.»
Der Schutz der körperlichen und psychischen Integrität habe für Swiss Ice Skating höchste Priorität. Ab den ersten Untersuchungen des Falls habe Swiss Ice Skating Massnahmen eingeleitet. «Diese werden auch nach der Verurteilung des Athleten zu einer dreijährigen Sperre konsequent fortgesetzt. Der Athlet verfügt derzeit über keine aktive Lizenz bei Swiss Ice Skating.»
Das Statement schliesst mit den Worten: «Der Verband wird seine Präventionsbemühungen in allen Bereichen fortsetzen, die die Integrität der Athletinnen und Athleten sowie deren langfristige und harmonische Entwicklung betreffen.»
20 Minuten hat Swiss Ice Skating noch weitere Fragen zum Fall geschickt. Antworten liegen bisher nicht vor, die Anfrage mit den weiterführenden Fragen ist beim Verband hängig.
Alexia Paganini wählt deutliche Worte
Auch die Schweizer Eisprinzessin Alexia Paganini ist schockiert über den Fall, als sie von diesem hört. Die 24-Jährige, die mit 22 Jahren genug vom Spitzensport hatte und zurücktrat, wählt gegenüber 20 Minuten klare Worte.
«Über Misshandlung zu sprechen, ist nie einfach – gerade in einer kleinen Gemeinschaft, in der sich alle kennen. Ich kenne nicht alle Einzelheiten dieses Falls und möchte mich deshalb dazu nicht äussern.»
«Als jemand, der einen grossen Teil seines Lebens im Eiskunstlauf verbracht hat, fällt es mir schwer, so etwas zu lesen. Ich denke, es spricht ein grösseres Problem in unserer Sportkultur an: Wie sicher fühlen sich Menschen, offen anzusprechen, wenn etwas nicht stimmt?», sagte sie. Sie finde es sehr mutig, dass die Betroffene ihre Erfahrungen öffentlich gemacht habe.
Der Schweizer Ex-Eiskunstlauf-Star hält weiter fest, dass jeder Mensch in ihrem Sport es verdiene, sich sicher, respektiert und unterstützt zu fühlen. «Wir müssen zuhören, wenn Menschen sich zu Wort melden, und bereit sein, auch schwierige Gespräche darüber zu führen, was sich ändern muss.»
Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?
Hier findest du Hilfe:
Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
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Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredaktor und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.
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