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Wednesday, October 14, 2026

Vier Jahre nach Sabotageakt – Waren die Nord-Stream-Pipelines ein Kriegsschauplatz?

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Am Hamburger Obergericht beginnt die Aufarbeitung der Anschläge auf die Ostsee-Pipelines aus dem Jahr 2022. Ein Ukrainer ist angeklagt – unter anderem wegen Herbeiführung einer Explosion und Kriegsverbrechen. Was nun verhandelt wird und wie die Lage ist – Deutschland-Korrespondentin Alexandra Gubser schätzt ein.

Alexandra Gubser

Deutschland-Korrespondentin

Alexandra Gubser ist seit Sommer 2022 Deutschland-Korrespondentin von SRF. Zuvor berichtete Gubser aus Frankreich. Sie ist seit 2007 für das Unternehmen als Produzentin, Redaktorin und Reporterin der «Tagesschau» tätig. Davor arbeitete sie für Medien wie «TeleZüri» oder «Radio 24».

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Was wird ab heute verhandelt?

Am Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg beginnt die juristische Aufarbeitung der Sprengungen der Gaspipelines Nord Stream vor vier Jahren. Auf der Anklagebank sitzt der Ukrainer Serhii K. Er muss sich laut Anklageschrift wegen der «Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, der Zerstörung von Bauwerken und der Störung öffentlicher Betriebe» verantworten. Dazu kommt der Vorwurf eines Kriegsverbrechens. Das Gericht muss klären, ob es sich bei den Pipelines um ein zulässiges militärisches Ziel handelt. Die Bundesanwaltschaft betrachtet diese als geschützte zivile Objekte.

Was weiss man gesichert über den Sabotageakt?

Den Ermittlungen zufolge hat eine Gruppe von Tauchern im September 2022 in einem Ostsee-Hafen eine Segeljacht gechartert. Bei mehreren Tauchgängen vor der dänischen Insel Bornholm brachten sie in rund 80 Metern Tiefe mit Zeitzündern versehene Sprengsätze an den beiden Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 an.

Luftaufnahme einer grossen Wasserstörung auf dem Meer.
Legende: Eine Aufnahme aus der Luft zeigt die riesige Methangas-Blase über der gesprengten Pipeline Nord Stream 2 vor Bornholm. KEYSTONE/DANISH DEFENCE/HANDOUT

Diese explodierten am 26. September 2022.
Gut eine halbe Million Tonnen Methangas entwich aus den Lecks und liess die Ostsee blubbern wie Wasser in einem Kochtopf.

Wer genau ist die Person auf der Anklagebank?

Der angeklagte Serhii K. soll der Drahtzieher des Sabotageakts gewesen sein. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft diente der heute 50-Jährige während des russischen Angriffskriegs als Offizier einer ukrainischen Spezialeinheit für Aufklärung, Sabotage und Angriffe auf Infrastruktur.

Im Zentrum steht die Frage, ob Serhii K. eine sechsköpfige Gruppe mit vier Tiefseetauchern, einem Sprengstoffexperten und einem Skipper organisiert und angeführt hat. Serhii K. wurde im August 2025 während seiner Ferien in Rimini verhaftet. Er bestreitet jegliche Beteiligung.

Welche Beweise wurden zusammengetragen?

Es sind viele einzelne Indizien, die sich erst nach und nach zu einem Bild zusammenfügten: Fotos eines Touristen auf Rügen, dem die Segeljacht «Andromeda» merkwürdig vorkam. Blitzer-Fotos aus Radarfallen. Beobachtungen von Hafenmeistern und Seglern, denen die schweigsame Crew aufgefallen ist. Spuren eines hochexplosiven militärischen Sprengstoffs, die auf der «Andromeda» gefunden wurden. Sehr belastend für Serhii K. ist auch sein Mobiltelefon. Laut den Ermittlern fanden sich darauf Informationen zu Nord Stream, Pipelinetechnik und Seekarten.

Wer gab den Auftrag für den Anschlag auf die Gaspipelines?

Dazu gibt es widersprüchliche Angaben. Die ukrainische Regierung und Präsident Selenski bestreiten jede Beteiligung an der Sabotageaktion. Die Bundesanwaltschaft geht dennoch davon aus, dass die Operation von ukrainischen Staatsstellen abgesegnet war.

Der Angeklagte Serhii K. beruft sich auf «funktionelle Immunität» eines Soldaten, der lediglich Befehle ausgeführt habe. Die aber nur greift, wenn die Sprengung eine zulässige Kriegshandlung war, was der Bundesgerichtshof bezweifelt.

Wann ist ein Urteil zu erwarten?

Es sind insgesamt 16 Hauptverhandlungstage bis zum 17. Dezember bestimmt. Darüber hinaus hat das Oberlandesgericht auch für Januar und Februar weitere Termine vorgesehen. Wann das Verfahren endet und ein Urteil gesprochen wird, ist noch unklar.

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