Die Fans als grösstes Kapital: Ambri drückt ein riesiger Schuldenberg – und niemand schlägt Alarm
Kein Klub kultiviert das Bild des Underdogs so leidenschaftlich wie Ambri. Kein Geld zu haben, gehört da nahezu zum guten Ton und stärkt den Mythos des Vereins aus den Dörfchen Ambri und Piotta, die zur Gemeinde Quinto (1289 Einwohner) zählen.
Immer wieder haben die Fans, die in der ganzen Schweiz verstreut sind, in die Taschen gegriffen und nicht nur das Überleben der Biancoblù ermöglicht, sondern auch das Gefühl genährt, dass Ambri etwas Besonderes ist.
Und jetzt drückt den Klub eine Schuldenlast von gegen 30 Millionen Franken, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete. Ein Betrag, der aufhorchen lässt, aber auch erklärbar ist. Der grösste Teil, 22 Millionen, schuldet der Klub den Banken für Hypothekarkredite, die für den Bau der Gottardo Arena aufgenommen wurden. Das Stadion, das 2021 eröffnet wurde, musste Ambri bauen, um weiterhin in der National League spielen zu können.
Knapp drei Millionen stehen noch für Covid-Kredite aus. Dazu kommen Darlehen von Privatpersonen, neben anderen gemäss «NZZ» auch 750’000 gegenüber Ex-Präsident Filippo Lombardi, der letzte Saison aus dem Amt gespült wurde, nachdem sein Verrat an Paolo Duca und Luca Cereda – er verhandelte hinter deren Rücken mit dem jetzigen Biel-Trainer Christian Dubé – zum Rücktritt des einheimischen Duos geführt hatte.
Lizenz mit einem «roten Punkt»
Der neue Ambri-Boss Davide Mottis (57) bemüht sich, die Wogen zu glätten, nachdem er im «NZZ»-Artikel noch gesagt hatte: «Ich bin sicher ein bisschen überrascht, weil es mehr Probleme gibt, als ich dachte. Die Liquidität macht uns zu schaffen. Aber wir werden das unter Kontrolle bringen.» In einem RSI-Interview sagte er nun: «Ich würde nicht von einer prekären Lage sprechen, sondern von einer schwierigen Situation.» Und auf die Frage, ob Ambri in Gefahr sei, aus der National League zu verschwinden, sagte er: «Absolut nicht.»
Im Rahmen der GV hatte der Klub informiert, dass man die Spielberechtigung trotz eines «roten Punkts» erhalten habe. Jeden Sommer müssen die Klubs der Lizenzkommission der Liga unter anderem ihre Finanzlage darlegen. Darauf wird die Lizenz nach dem Ampelsystem erteilt. Grün: Spielberechtigung ohne Auflagen. Orange oder rot: Spielberechtigung mit Auflagen. So muss Ambri nun monatlich einen Finanzrapport zuhanden der Liga liefern.
Dass Ambri finanziell immer wieder in engen Hosen steckt, ist bei der Liga nicht neu. Stets fand der Klub einen Ausweg. Politik-Schwergewicht Lombardi war mit seinen Beziehungen ein Garant dafür. «Wir begleiten die Situation in Ambri seit Jahren und auch jetzt eng», sagt NL-Direktor Denis Vaucher.
Letzte Saison wies die HCAP-Gruppe ein Minus von 848’093 Fr. aus. Ausschlaggebend dafür sei insbesondere der Rückgang der Spendeneinnahmen um mehr als 700'000 gewesen, so der Klub. «Dieser ist auf eine Neuausrichtung der Unterstützer zurückzuführen, die ihre Mittel verstärkt in die in der vergangenen Saison durchgeführten Kapitalerhöhungen investierten.»
Durch die Zeichnung von Aktien konnte das Eigenkapital um 2,22 Mio. gestärkt werden. Und die Fans sollen bis zum 22. Oktober Volksaktien à 75 Franken kaufen und so «Teil des Unternehmens Ambri werden, eine aktive Rolle in unserer Gesellschaft einnehmen und aus nächster Nähe erfahren, welchen Weg wir gemeinsam gehen.»
Und was sagen die Fans, das grösste Kapital des Klubs? «Man muss es realistisch sehen. Als einziger Klub gehört Ambri das Stadion. Keiner kauft ein Haus, ohne eine Hypothek aufzunehmen. Jeder Hausbesitzer hat Schulden. Im August kommunizierte Präsident Mottis offen, was Sache ist», sagt Michael Brunner (40), Präsident des HCAP Fanclub Ostschweiz. «Wir vertrauen ihm, dass es dank ihm gut kommt. Bei seinem Vorgänger Lombardi machten wir uns viel grössere Sorgen, dass es den Verein bald nicht mehr geben könnte. Er hat immer nur Löcher gestopft, wofür wir ihm auch dankbar sind.»
Fanklub-Präsident Ramensperger: «Sorgenfalten habe ich keine»
Den Fans sei bewusst, dass es eine schwierige Saison werde und alles seine Zeit brauche, so Brunner. «Aber erstmals sehen wir Zeichen, dass man finanziell gesund haushalten möchte. Zum ersten Mal hat der Klub eine Strategie diesbezüglich. Deshalb stören mich die Corona-Schulden viel mehr und dass man damals keine andere Lösung gefunden hat.»
Ähnlich klingt es bei Hans Peter Ramensperger (64), Banker, seit fast 20 Jahren Saisonkartenbesitzer und Präsident des Fanclubs HCAP-Bienne: «Die Halle hat 50 Millionen Franken gekostet, das Theater, das jetzt um die Schulden veranstaltet wird, ist masslos übertrieben. Ein ewiges Problem allerdings ist, die Gottardo Arena zu rentabilisieren. Da hatte ich von Anfang an meine Bedenken. Das ist die grosse Herausforderung für den VR. Aber die ersten eingeleiteten Schritte, zum Beispiel mit einem Deutschschweizer VR (Beat Musch, Anm. d. Red.), sind ein gutes Zeichen. Als Ambri-Fan hat man all die Jahre schon viele Tiefs und Emotionen durchgemacht. Bettelaktionen waren gang und gäbe, wir bekamen regelmässig und viele Einzahlungsscheine. Bis jetzt aber habe ich keinen bekommen. Sorgenfalten habe ich keine.»
Derweil handelt Mottis bei den Banken neue Konditionen für die Rückzahlung der Kredite aus. Im Gegensatz zu jemandem, der seine Hypothek nicht bezahlen und dabei sein Haus an die Bank verlieren kann, hat Ambri wohl bessere Karten. Mit der Gottardo Arena könnten die Banken nichts anfangen. Sie ist nur für den Hockeyklub nützlich. Und selbst für diesen ist es nicht einfach, das Stadion kostendeckend zu betreiben.
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | ZSC Lions | 3 | 6 | 9 | |
2 | EV Zug | 2 | 9 | 6 | |
3 | EHC Kloten | 3 | 3 | 6 | |
4 | HC Ambri-Piotta | 3 | 1 | 5 | |
5 | HC Ajoie | 3 | 1 | 5 | |
6 | EHC Biel | 2 | 1 | 4 | |
7 | SC Rapperswil-Jona Lakers | 3 | -3 | 4 | |
8 | SC Bern | 2 | 1 | 3 | |
9 | HC Lugano | 2 | 0 | 3 | |
10 | HC Fribourg-Gottéron | 3 | -1 | 3 | |
11 | HC Davos | 3 | -4 | 3 | |
12 | Lausanne HC | 3 | -4 | 3 | |
13 | SCL Tigers | 3 | -3 | 2 | |
14 | Genève-Servette HC | 3 | -7 | 1 |
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