Rangelei im Bundeshaus, Schnupf mit Brunner: So tickt SVP-Graber

- Mit 59 Prozent Ja-Stimmen verlor Michael Graber 2023 die Abstimmung über das Klimagesetz, das er bekämpfte.
- Der Walliser SVP-Nationalrat etablierte sich damit national und ist in der Partei hervorragend vernetzt.
- Nun will der 45-Jährige Bundesrat werden, doch der Fedpol-Eklat von 2024 könnte ihm schaden.
Zehn Jahre Generalsekretär der SVP Oberwallis, danach Fraktionschef im Grossrat, seit 2021 Nationalrat, daneben Stadtrat in Brig-Glis: Michael Graber ist auf nationaler Ebene das Gesicht der Walliser SVP – zumindest seit dem Rückzug von Oskar Freysinger und Franz Ruppens Wahl in die Kantonsregierung.
2026 könnte für ihn nun zu einem Traumjahr werden. Im Juni heiratete der 45-Jährige im kleinen Kreis seine langjährige Partnerin Jeanette Wyssen. Nun will er im Dezember in die Landesregierung gewählt werden. Es wäre die Krönung seiner Polit-Karriere.
Dass die Partei ihm vertraut, zeigte sich 2023. Obwohl erst seit Kurzem im Nationalrat – er rutschte zwei Jahre zuvor für Franz Ruppen nach –, leitete er die Nein-Kampagne zum Klimagesetz. Über Monate hinweg war Graber praktisch täglich medial präsent.
Schnupf mit Toni Brunner, Schwingen mit der Parteispitze
Sein Einsatz war nicht von Erfolg gekrönt: Die Stimmbevölkerung nahm das «Klima- und Innovationsgesetz» mit 59 Prozent der Stimmen klar an. Dennoch hat sich Graber damit in einem Thema etabliert. Engagiert zeigt er sich auch mit einer harten Politik gegen den Wolf.
In seiner Freizeit listet er Skifahren, Wandern und Jassen als seine Lieblingshobbys auf. Hin und wieder tut er das auch mit Partei-Gspänli. Er zeigt sich mit Toni Brunner beim Schnupfen, mit Albert Rösti auf einer Schifffahrt oder mit der Führungsetage der Partei am Schwingfest. Auch in der Findungskommission dürfte er einen hervorragenden Stand haben.
Dieser Umstand könnte Graber in den nächsten Wochen Schwung verleihen, um auf das offizielle Ticket der Fraktion zu kommen. In dieser ist er hervorragend vernetzt und politisiert in allen Fragen stramm auf Parteilinie. Damit ist er vor allem ein Gegenpol zu Céline Amaudruz, der viele Deutschschweizer im Bundeshaus skeptisch gegenüberstehen.
Stolpert Graber über einen Nazi-Vergleich?
Spätestens in der Bundesversammlung zum Verhängnis werden könnte Graber eine Episode aus dem Jahr 2024. Anlässlich eines Besuchs des ukrainischen Parlamentspräsidenten Ruslan Stefantschuk lieferte er sich ein Handgemenge mit Fedpol-Mitarbeitenden.
Diese hatten ihm und Fraktionschef Thomas Aeschi den Durchgang verweigert. Graber war ausser sich und sagte in einem Interview, dass Polizisten, die solche Befehle ausführten, dies auch im Dritten Reich getan hätten. Für den Nazi-Vergleich entschuldigte er sich kurz danach öffentlich.
Worauf achtest du bei einer Bundesratswahl am meisten?
Juristische Folgen hatte der Fedpol-Eklat für Graber nicht: Die parlamentarische Immunität wurde nicht aufgehoben. Bei der Wahl in den Bundesrat dürften seine Gegner aber die Episode genüsslich wieder auf den Tisch bringen. Zu 20 Minuten sagte er am Freitag: «Das war ein Fehler. Ich wollte einfach meinem Freund Thomas Aeschi helfen.»
Christof Vuille (vuc) leitet seit 2023 das Ressort Politik und ist Mitglied der Redaktionsleitung. Er berichtet für 20 Minuten nah am Puls der Bundespolitik.
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