Gesundheitsschutz in Afrika – Ebola rasch eingedämmt: Was Uganda richtig machte

Mitte Mai reisten zwei Männer aus dem konfliktgebeutelten Kongo-Kinshasa mit dem Flugzeug ins benachbarte Uganda. Dort suchten sie in einem Spital medizinische Hilfe. Beide hatten Fieber und starke Kopfschmerzen. Ein paar Tage später waren sie tot.
«Da sie auch innere und äussere Blutungen hatten, erfasste das ugandische Meldesystem sie als ‹ungewöhnliche Todesfälle›», erzählt Andrew Kambugu, Direktor des renommierten InfectiousDiseases Institute (IDI) an der Makarere University in Ugandas Hauptstadt Kampala.
Von beiden Verstorbenen wurden Proben genommen und auf alle möglichen Viren untersucht, die Fieber mit inneren Blutungen auslösen können – Hanta, Marburg, Ebola-Zaire und andere Ebola-Stämme.
Der Ebola-Ausbruch von 2026 in Kongo-Kinshasa und Uganda wurde durch das Bundibugyo-Virus verursacht. Gegen diese Virusart existierte bislang kein zugelassener Impfstoff mit nachgewiesener Wirksamkeit. Nun werden neue Impfstoffe gegen Bundibugyo an Menschen getestet, in Grossbritannien und am Masaka clinical research center in Uganda.
Die Bekämpfung des Virus beruht jedoch vorläufig auf herkömmlichen Massnahmen: rasche Diagnose, Isolierung von Erkrankten und Contact Tracing – die Nachverfolgung von Kontaktpersonen.
So entdeckte Uganda den Ausbruch. Praktisch zeitgleich wie Kongo-Kinshasa, obwohl dort das Virus schon viel länger zirkuliert hatte.
Labordiagnostik und Contact Tracing
In Kongo-Kinshasa erschwerten bewaffnete Konflikte die Entdeckung und Bekämpfung der Krankheit. In Uganda ist nicht nur die Sicherheitslage besser, sondern auch die Ebola-Bereitschaft.
Uganda investiert seit Jahren viel Geld in die öffentliche Gesundheit und insbesondere in die Ebola-Bereitschaft. Seit dem Jahr 2000 hat das Land mehrere Ebola-Ausbrüche erlebt und erfolgreich eingedämmt. Das InfectiousDiseases Institute (IDI) der Makarere University in Kampala spielt dabei eine zentrale Rolle: Es schult Tausende Fachkräfte, etwa im Ausbruchsmanagement, der Prävention und klinischen Versorgung. Auch Forschung wird betrieben.
Ugandas Ebola-Bereitschaft wird von der WHO und anderen externen Partnern regelmässig evaluiert. Das sei sehr wertvoll, sagt IDI-Direktor Andrew Kambugu: «So kennen wir unsere Stärken – und erfahren gleichzeitig, wo wir uns verbessern müssen.»
Zum Beispiel die Labordiagnostik: «Früher mussten Gewebeproben nach Atlanta in den USA ausgeflogen werden», erzählt IDI-Direktor Kambugu. «Es dauerte jeweils Wochen, bis das Resultat zurückkam.» Heute verfügt Uganda über eigene Hochsicherheitslabore, die innerhalb von 24 Stunden feststellen, ob jemand mit Ebola oder einer anderen, hochansteckenden Krankheit infiziert ist.
Ebenso wichtig ist das Contact Tracing – die methodische Nachverfolgung von Kontaktpersonen. Diese Strategie funktionierte, weil die Fälle früh erkannt wurden.
Im Ostkongo hingegen konnte sich das Virus während Wochen unbemerkt verbreiten. «Die Zahl der Kontakte war dort so gross geworden, dass ein wirksames Contact Tracing kaum mehr möglich war», so Andrew Kambugu.
Am wichtigsten ist das Vertrauen
Auch die medizinische Versorgung spielte eine Rolle: Uganda verfügt über zwei spezialisierte Ebola-Behandlungszentren, zudem könnten ugandische Regionalspitäler kurzfristig eigene Ebola-Abteilungen einrichten.
Um Ebola und ähnliche Krankheiten wirksam zu bekämpfen, muss man die Bevölkerung einbeziehen und Vertrauen aufbauen.
Der entscheidende Faktor sei jedoch ein anderer, nämlich die Kommunikation. «Um Ebola und ähnliche Krankheiten wirksam zu bekämpfen, muss man die Bevölkerung einbeziehen und Vertrauen aufbauen», sagt Andrew Kambugu. Darin sei Uganda mittlerweile sehr erfahren.
Der IDI-Direktor erzählt, sein Institut an der Makarere University sei ursprünglich zur Bekämpfung von HIV gegründet worden. Bald seien andere Infektionskrankheiten dazugekommen – Ebola, später auch Covid. Seit zehn Jahren berate man die ugandische Regierung.
Ugandisches Modell für ganz Afrika
Inzwischen gehen die Pläne weit über Uganda hinaus: Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC hat sich im IDI einquartiert, ebenso ein Team der WHO. Sie wollen sich am ugandischen Modell orientieren und die erfolgreichen Ansätze auf andere afrikanische Länder übertragen.
Zurzeit empfinde er seine Universität als Geburtsstätte neuer Ideen, sagt Andrew Kambugu. Hier entstehe gerade ein Leitmodell, wie der Kontinent künftig auf Krankheitsausbrüche reagieren könnte: «nicht mehr fragmentiert wie bis anhin, sondern in einem konzertierten, gemeinsamen Vorgehen.»
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