Diese «Ziegenschuhe» wirst du bald auch in der Schweiz sehen

Was früher für hochgezogene Augenbrauen sorgte, ist mittlerweile fester Bestandteil des Modealltags: Die einst umstrittenen Tabis, also Schuhe mit gespaltener Zehenpartie, sind im Mainstream angekommen.
Grosse Schuhmarken greifen den Look auf. Steve Madden führt inzwischen eine eigene Tabi-Kategorie mit Ballerinas, Loafers, Heels, Sneakers und Boots. Auch Vans setzt auf den Zehenspalt: Gemeinsam mit dem japanischen Label Fdmtl präsentierte die Skatermarke im Frühling eine Tabi-Version von Sneakers, die für den Herbst angekündigt wurde.
Selbst in einer deutschen Deichmann-Filiale gibt es Stiefel mit geteilter Zehenpartie, wie ein Tiktok-Video von Vanessa Aleksandra zeigt. Kostenpunkt? 49,95 Euro, etwa 46 Franken. Die Reaktionen dazu könnten unterschiedlicher kaum sein. Während die einen «wie toll» und «so geil» kommentieren, bezeichnen andere das Modell als «Ziegenschuhe». «Hufen? Das ist wild», schreibt jemand. Eine andere Userin reagiert mit: «Nicht euer Ernst.»
Bevor Tabis Mode waren, waren sie Socken
Die ungewöhnliche Form ist allerdings viel älter als der aktuelle Hype. In der westlichen Mode machte vor allem Martin Margiela sie bekannt. Erfunden hat der belgische Designer die gespaltene Zehenform aber nicht: Ihre Geschichte reicht in Japan mindestens bis ins 15. Jahrhundert zurück. Traditionelle Tabi sind Socken, bei denen der grosse Zeh von den übrigen vier getrennt ist. So lassen sie sich mit Sandalen tragen, deren Steg zwischen den Zehen sitzt.
Anfang des 20. Jahrhunderts bekam die Tabi-Form eine Sohle: Aus den Socken entstanden sogenannte Jika-Tabis, robuste Arbeitsschuhe mit Gummisohle und geteiltem Zehenbereich. Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter hatten damit mehr Gefühl für den Untergrund und besseren Halt.
Margiela hinterlässt rote Spuren
Martin Margiela holte die jahrhundertealte Form 1988 in die westliche High Fashion. Für seine erste Kollektion verwandelte er die traditionell flache Form in einen Absatzstiefel. Bei der Debütshow tauchte er die Sohlen in rote Farbe. Beim Gehen hinterliessen die Models dadurch gespaltene rote Fussabdrücke auf dem weissen Laufsteg.
In den folgenden Jahrzehnten interpretierte Maison Margiela den Tabi immer wieder neu, unter anderem als Boot, Ballerina, Loafer, Mule und High Heel. Ein Schnäppchen ist die Luxusversion bis heute nicht: Die günstigsten Tabi-Schuhe im Schweizer Onlineshop von Maison Margiela liegen aktuell bei 920 Franken.
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Vom Insider-Code zum Mainstream
Inzwischen ist die Split-Toe-Form nicht mehr an Maison Margiela und dessen Luxuspreise gebunden. Kiko Kostadinov und Asics brachten 2026 mehrere Modelle mit geteilter Zehenpartie heraus, ein blaues Modell gibt es für 245 Franken. Auch NikeSKIMS, die gemeinsame Linie von Nike und der Marke Skims von Kim Kardashian, griff den Look auf: Sie interpretierte den Air Rift neu, einen Sneaker-Sandalen-Hybrid von Nike, der bereits bei seinem Debüt in den 1990er-Jahren eine gespaltene Zehenpartie hatte. Kostenpunkt: 195 Franken.
Der Tabi trifft den Nerv der Zeit, denn die Modewelt spielt derzeit allgemein mit bewusst schrägen Schuhformen. Die «Washington Post» beschrieb 2026 eine ganze Welle auffälliger und teils absurder Designs. Auch Barfussschuhe erleben ein Comeback, während Sneakerinas seit einer Weile zu den grossen Schuhtrends zählen.
Was früher skurril wirkte, ist heute massentauglich geworden – vielleicht für deine Arbeitskollegin, die Nachbarin aus dem vierten Stock oder sogar dich selbst. Bis du den ersten Tabi in der Schweiz sieht, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit.
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Vanessa Büchel (vab) arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Fashion-Redaktorin im Lifestyle-Ressort und schreibt über Trends und Styling-Tipps.
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