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Tuesday, September 15, 2026

«Trinkgeld fürs Gipfeli am Bahnhof – leben wir jetzt in Amerika?»

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  • Eine Seniorin bezahlte in einer Winterthurer Bäckerei versehentlich 1612 Franken für einen Nussgipfel – weil sie ihren PIN-Code als Trinkgeldbetrag eintippte.
  • Der Fall entfachte in der 20-Minuten-Community eine Debatte darüber, ob Trinkgeld-Abfragen an Kartenterminals in Bäckereien überhaupt sinnvoll sind.
  • Viele Userinnen und User fordern, die automatische Trinkgeldabfrage auf Terminals abzuschaffen oder gar zu verbieten.

1612 Franken für einen Nussgipfel: So viel bezahlte eine Seniorin kürzlich versehentlich in einer Winterthurer Bäckerei. Beim Bezahlen mit der Karte verwechselte sie die Trinkgeldabfrage mit der PIN-Eingabe – und tippte ihren vierstelligen Code als Trinkgeldbetrag ein. Wie es zu dem Missgeschick kam und wie der Fall ausging, liest du im Originalartikel.

In der 20-Minuten-Community sorgte allerdings nicht nur der ungewöhnlich hohe Betrag für Gesprächsstoff. Viele Leserinnen und Leser stellten sich eine ganz andere Frage: Warum wird man beim Kauf eines Nussgipfels überhaupt nach Trinkgeld gefragt? Für einige gehört Trinkgeld ins Restaurant – aber nicht an die Verkaufstheke einer Bäckerei.

«Wieso soll eine Bäckerei Trinkgeld erhalten?»

Für zahlreiche Kommentarschreibende ist klar: Wer in einer Bäckerei lediglich etwas über die Theke kauft, muss dafür kein Trinkgeld geben. «In einem Restaurant, in dem ich gut bedient werde, gebe ich gerne ein Trinkgeld, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. In einer Bäckerei, wo ich mein Brot kaufe, braucht es kein Trinkgeld», schreibt User DonLogan.

Ähnlich sieht es User TSCHACK: «Trinkgeld geben an einem Verkaufsstand? Nie und nimmer!» Auch Optikus kann die Aufforderung nicht nachvollziehen: «Trinkgeld für einen Nussgipfel, für mich nicht nachvollziehbar.» User Samy2 kennt die betroffene Bäckerei nach eigenen Angaben und vergleicht die Situation mit einem normalen Einkauf: «Für mich dasselbe, wie wenn ich an der Migros-Kasse meinen Einkauf bezahle und dann Trinkgeld vorgeschlagen werden würde!»

«Je mehr ich aufgefordert werde, desto weniger gebe ich»

Andere stören sich weniger am Trinkgeld selbst als daran, aktiv danach gefragt zu werden. «Je mehr ich aufgefordert werde, Trinkgeld zu geben, desto weniger gebe ich», schreibt IchbindasLicht. Fred20 sieht es ähnlich: Er gebe freiwillig Trinkgeld, «wenn ich aufgefordert werde, gibt es gar nichts». Sasf_ findet ebenfalls, dass die Nachfrage am Kartengerät verschwinden sollte: «Ich würde es schon sagen, wenn ich was geben will.»

SpecialistaPerNiente sieht in der Anzeige sogar sozialen Druck: «Ist schon wie eine Falle. Wenn man kein Trinkgeld drückt, will man dem Bezahler ein schlechtes Gewissen generieren.» Der Fall der Seniorin zeige zudem, dass die Abfrage für Verwirrung sorgen könne. Mehrere Userinnen und User fordern deshalb, die Trinkgeldfunktion auf Kartenterminals ganz abzuschaffen oder zumindest nicht automatisch anzeigen zu lassen. So schreibt Marliesgruener: «Dieses Online-Trinkgeld gehört verboten!»

Was hältst du von Trinkgeld-Abfragen beim Bezahlen mit Karte?

«Eine Amerikanisierung sondergleichen»

Immer wieder fällt in den Kommentaren auch der Vergleich mit den USA. M00ds fragt: «Trinkgeld für ein Gipfeli am Bahnhof? Leben wir etwa schon in den USA?» Auch Ezlef85 bezeichnet die Abfragen als «Amerikanisierung sondergleichen». Grundsätzlich gebe er durchaus gerne ein paar Franken Trinkgeld – aber lieber direkt der Person, die ihn bedient habe, damit er mit Sicherheit wisse, dass auch sie das Trinkgeld bekomme.

Konjunktivfadegrad kritisiert ebenfalls, dass sich die Trinkgeldkultur aus den USA zunehmend verbreite. Für ihn ist klar: «In den USA muss für alles und jeden Trinkgeld bezahlt werden, da dies ihr Einkommen darstellt. Das sollte hier verboten werden.»

Was denkst du über die Trinkgeld-Abfrage über Terminals? Schreib deine Meinung in die Kommentare.

Selina Keller

Selina Keller (sek) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Redaktorin im Ressort Community

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