Xhaka huldigt verurteiltem Kriegsverbrecher – und erntet Kritik

Darum gehts
- Nati-Captain Granit Xhaka solidarisiert sich via Instagram mit dem wegen Kriegsverbrechen verurteilten Ex-Kosovo-Präsidenten Hashim Thaçi.
- Das Kosovo-Sondertribunal in Den Haag verurteilte Thaçi am Mittwoch zu 25 Jahren Haft für Mord, Folter und illegale Inhaftierung.
- Kroatische und serbische Medien greifen Xhakas Post scharf auf – einige Stimmen fordern seinen Ausschluss aus der Nati.
Granit Xhaka setzt ein Zeichen der Solidarität mit dem wegen Kriegsverbrechen verurteilten Ex-Kosovo-Präsidenten Hashim Thaçi. «Sie haben für ihr Land und die Freiheit ihres Vaterlands gekämpft», schreibt der Nati-Captain in seiner Instagram-Story. Dazu teilt der Captain der Schweizer Nationalmannschaft ein Bild von Thaçi und den drei weiteren angeklagten ehemaligen UÇK-Führern.
Auch sein Bruder Taulant äussert sich deutlich. Auf seinem Instagram-Profil finden sich mehrere Beiträge zum Urteil. «Unglaublich!» und «Vergesst die Geschichte nicht!» ist dort zu lesen. Dazu schreibt der ehemalige Schweizer Nationalspieler: «Wir sind immer mit euch.»
Thaçi zu 25 Jahren Haft verurteilt
Die Reaktionen kommen vor dem Hintergrund eines historischen Urteils: Das Kosovo-Sondertribunal in Den Haag verurteilte Thaçi am Mittwoch zu 25 Jahren Gefängnis. Das Gericht befand ihn wegen der Kriegsverbrechen Mord, Folter, grausame Behandlung sowie illegaler beziehungsweise willkürlicher Festnahme und Inhaftierung für schuldig.
Nach den Feststellungen des Gerichts wurden mindestens 385 Menschen illegal festgenommen und inhaftiert, mindestens 49 grausam behandelt, mindestens 303 gefoltert und 96 Menschen ermordet. Gleichzeitig wurden Thaçi und seine drei Mitangeklagten von sechs Anklagepunkten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit freigesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Thaçi weist die Vorwürfe zurück. Er war während des Kosovo-Kriegs einer der führenden Köpfe der UÇK und später Ministerpräsident sowie Präsident des Kosovos.
Im Kosovo gilt Thaçi für viele als Held
Genau hier liegt die besondere Brisanz der Xhaka-Posts. Während das Gericht Thaçi wegen schwerer Verbrechen verurteilt hat, wird er im Kosovo von vielen weiterhin als Symbol des Unabhängigkeitskampfs gesehen.
Nach dem Urteil gingen in Pristina Menschen auf die Strasse, um ihre Unterstützung für Thaçi und die anderen ehemaligen UÇK-Führer zu zeigen. Auch prominente Persönlichkeiten solidarisierten sich mit ihnen.
Die Xhaka-Brüder stellen sich mit ihren Beiträgen auf die Seite des Volks.
Kritik in der Region
Ihre Posts blieben nicht ohne Folgen. Kroatische und serbische Medien griffen die Aussagen auf. Das kroatische Portal «Sportske novosti» berichtet von zahlreichen negativen Reaktionen. In Kommentaren wurde unter anderem gefordert, Granit Xhaka solle wegen seiner Äusserungen nicht mehr für die Nati spielen. Gleichzeitig gab es auch Stimmen, die auf die Meinungsfreiheit des Captains verwiesen.
Serbische Medien reagierten teilweise noch schärfer. «Kurir», «Blic» und «Telegraf» berichteten ebenfalls über die Posts und bezeichneten die Unterstützung der ehemaligen UÇK-Führer teilweise als Verherrlichung von Kriegsverbrechern. Diese Formulierungen stammen aus den jeweiligen Medienberichten und sind nicht als unabhängige Bewertung der Xhaka-Aussagen zu verstehen.
Auch familiäre Verbindung zu Thaçi
Die politische Nähe kommt nicht völlig überraschend. Xhakas Vater Ragip ist Mitglied der Demokratischen Partei des Kosovo (PDK). Für diese kandidierte er 2025 für das kosovarische Parlament. Thaçi war von 2000 bis 2016 Vorsitzender derselben Partei.
Für Granit Xhaka ist die Geschichte zudem persönlich: Seine Familie hat kosovarische Wurzeln. Der Nati-Captain hat sich in der Vergangenheit immer wieder zu seiner Herkunft und zur Geschichte des Kosovos geäussert – zuletzt rein symbolisch.
Kurz vor der WM 2026 in den USA sorgte er für eine erneute Doppeladler-Diskussion in der Schweiz. Während eines Teamausflugs besuchte die Nati ein Baseballspiel der San Diego Padres. Als die Spieler auf der Grossleinwand des Stadions eingeblendet wurden, formten Nati-Captain Xhaka und auch Verteidiger Rodriguez mit den Händen das albanische Nationalsymbol.
Wie findest Du Granit Xhakas Solidarität mit Hashim Thaçi?
Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
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