Spitex im Wallis – Gravierende Mängel bei privater Altenpflege

Spitex im Wallis Gravierende Mängel bei privater Altenpflege
Eine Recherche zeigt schwerwiegende Mängel bei privaten Spitex-unternehmen. Die öffentlichen Anbieter stehen besser da.
23.10.2026, 13:50
Zu Hause alt werden statt im Pflegeheim: Das wünschen sich viele Seniorinnen und Senioren. Abgedeckt wird dieses Bedürfnis oft durch private Spitex-Dienstleister, deren Leistungen von der obligatorischen Krankenversicherung gedeckt werden.
Doch in der Branche kommt es immer wieder zu Missbräuchen und Fehlverhalten. Im Wallis haben die kantonalen Kontrolleure teils gravierende Mängel festgestellt. Das geht aus Dokumenten hervor, die das Westschweizer Radio und Fernsehen RTS und die Walliser Zeitung Le Nouvelliste über das Öffentlichkeitsgesetz erhalten haben.
Der Kanton Wallis hat in den letzten Jahren die Tätigkeit von fünf privaten Spitex-Organisationen verboten. Die Fehlleistungen sind dabei ebenso zahlreich wie vielfältig: Patientenbesuche wurden vergessen, es gab Fehler bei den Medikamentendispensern, und in einem Fall musste ein Senior selbst angeben, welche Pflege er benötigt.
Eine Spitex-Pflegefachperson hat beispielsweise versäumt, den Arzt eines älteren Patienten über einen Husten mit Auswurf zu informieren – ein Symptom, das bei älteren Personen zu einem tödlichen Sturz führen kann und hätte gemeldet werden müssen.
Die Versäumnisse erklären sich insbesondere durch einen Mangel an qualifiziertem Personal. Manche Spitex-Unternehmen behelfen sich mit Hilfspersonal, das offensichtlich nicht ausreichend ausgebildet sei.
Eine Mitarbeiterin etwa wurde eingestellt, obwohl sie ihre Prüfungen nicht bestanden hatte. Bei einer Spitex kam auf 70 Patienten lediglich eine einzige Pflegefachperson. Eine andere hatte während eines Monats sogar überhaupt keine Pflegefachperson.
Illegale Rechnungsstellung
Weiter beklagen die Walliser Behörden die «schwerwiegend mangelhafte» Organisation gewisser Spitex-Organisationen: lückenhafte Pflegedossiers, die keine professionelle Betreuung gewährleisten, nicht bezahlte Löhne oder nicht abgeführte Pensionskassen-Beiträge.
Gewisse private Akteure – eine Minderheit – scheinen Zugang zum lukrativen Markt der Spitex-Pflege erhalten zu haben, ohne die nötigen Mittel dafür bereitzustellen.
Die RTS-Recherche zeigt, dass eine Spitex-Gesellschaft der Krankenkasse Leistungen in Rechnung gestellt hat, die gar nicht unter die obligatorische Krankenversicherung fallen, wie Haushaltsarbeiten oder Einkäufe.
Einige der von den Walliser Behörden beanstandeten Spitex-Anbieter weisen die Vorwürfe zurück. Ein Anwalt hat gegen ein Tätigkeitsverbot Beschwerde erhoben, jedoch ohne Erfolg. Eine Gesellschaft hat auch ihre ehemaligen Mitarbeitenden, die als Whistleblower auftraten, wegen Verleumdung angeklagt.
Die öffentlichen Spitex-Angebote stehen laut Behörden besser da. Nur ein öffentlicher Anbieter im Kanton musste zu Verbesserungen bei der Organisation aufgefordert werden. Auch überhöhte Rechnungen sind laut der Versicherung Groupe Mutuel bei den öffentlichen Anbietern weniger häufig.
Verband spricht von Ausnahmefällen
Thomas Birbaum, Walliser Grossrat und Generalsekretär des Walliser Spitex-Verbands OSAD Valais, räumt Probleme ein, warnt aber vor Verallgemeinerungen: «Es ist eine extreme Minderheit, die leider das Image eines ganzen Berufsstands beschmutzt.»
Dank neuer Qualitätsraster und Kontrollen durch die Behörden könnten sich solche Fälle nicht wiederholen, versichert Birbaum.
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