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Thursday, September 17, 2026

Betriebssystem – Linux wird 35 – die digitale Welt hängt davon ab

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Als Linus Torvalds Anfang 90er Jahre in Helsinki studierte, hatte noch kaum jemand einen Computer. Pfannenfertige Lösungen gab es kaum. Um den Server der Uni zu nutzen, entwickelte Torvalds daher ein eigenes Programm.

Heute steckt Linux überall drin, von Servern über Routern bis Handys und Autos. Sobald man mit dem Internet oder Technik interagiert, ist Linux irgendwo beteiligt. Wie kam es dazu?

Das fehlende Puzzleteil

In seiner Autobiographie beschreibt Torvalds, wie er plötzlich merkte, dass er genau das geschrieben hatte, was der digitalen Welt noch fehlte: Einen «Kernel», der zentrale Bestandteil eines Betriebssystems, der Software mit der Hardware verbindet.

Sitzender Cartoon-Pinguin
Legende: «Tux», das Maskottchen von Linux Larry Ewing / Garrett LeSage

Unis und Forscher nutzten damals GNU, dem genau dieses Puzzleteil fehlte. Bisher mussten sie dafür auf das proprietäre Unix zurückgreifen.

1991 veröffentlichte der damals 21-jährige Torvalds sein Programm im Internet, um von anderen Geeks Feedback einzuholen. 1992 stellte er es unter die «GNU GPL»-Lizenz, die es jedem erlaubt, das Programm zu nutzen.

Free and Open

Damit verschenkte er das wertvolle Programm an die Welt. Und machte es vor allem möglich, dass jede und jeder daran arbeitete: Um es weiterzuentwickeln, Fehler auszubügeln, Varianten für spezifische Anwendungsfälle zu erstellen oder es in eigene Produkte einzubauen.

Open Source unter Druck

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Linux ist die wohl grösste Open Source Software, aber bei weitem nicht die einzige: Von fast jedem Programm gibt es eine offene Variante, und in praktisch jedem Programm stecken Open Source Komponenten mit drin.

Open Source Programme sind zwar oft klein, erfüllen nur eine einzelne Funktion wie zum Beispiel bestimmte Files zu komprimieren. Da sie aber in so vielen anderen Programmen verwendet werden stecken sie zum Beispiel auch in Banken, Spitäler oder Behörden. Versagen diese kleinen Bauteile, können ganze Kartenhäuser zusammenbrechen.

Das ist leider kein Fantasieszenario, sondern ein reales Risiko. Denn diese Programme werden von Freiwilligen unterhalten, oft von kleinen Teams oder gar Einzelpersonen. Diese haben kaum Zeit, die Programme neben ihrem eigentlichen Job angemessen zu unterhalten und zum Beispiel gegen Sicherheitslücken aktuell zu halten. Und fallen sie aus, ist die Nachfolge meist nicht geregelt.

Lösungen bräuchte es in zwei Bereichen:

Einerseits müssten mehr finanzielle Mittel in die Entwicklung und den Unterhalt von Open Source fliessen. Die heutigen Spenden von Firmen und Privatpersonen reichen bei weitem nicht aus und spiegeln auch nicht ansatzweise den Wert wider, den diese Programme für Wirtschaft und Gesellschaft haben.

Anderseits bräuchte es mehr Spezialisten. Die ersten Entwickler, die Bastler, die ein Programm zum eigenen Gebrauch oder als Hobbyprojekt coden, haben häufig nicht alle Skills, die es braucht, wenn das Projekt wächst. Dann bräuchte es plötzlich Cybersicherheitsexpertinnen, Infrastrukturspezialisten, Programmmanagerinnen, Juristen und vieles mehr.

Glücklicherweise gibt es verschiedene Initiativen, die diese Probleme angehen wollen – lanciert von Privatpersonen, Vereinen wie der Linux Foundation oder von Firmen, die auf Open Source angewiesen sind.

Auch die Politik interessiert sich immer mehr für Open Source, unter anderem weil sie im Namen der digitalen Souveränität immer mehr auf quelloffene Software als Alternative setzt. Sowohl in der Schweiz als auch in der EU gibt es erste Bestrebungen, das Open Source Ökosystem zu fördern und zu unterstützen.

Viel schneller als diese Entlastung entwickelt sich jedoch eine zusätzliche Belastung: Die KI. Entwickler werden derzeit mit von KI gefundenen Sicherheitslücken überflutet – viele davon halluziniert, einige aber kritisch. Dadurch steigt die Arbeitslast und der Druck auf die Open Source Entwicklerinnen vorerst weiter an und das Risiko für eine digitale Welt, die auf sichere und stabile Software angewiesen ist, steigt.

Das war der Schlüssel zum Erfolg: Bald arbeiteten hunderte Entwickler und Entwicklerinnen aus der ganzen Welt an dem Projekt mit. 1994 konnte die Version 1.0 veröffentlicht werden. Es bildeten sich Gruppen, die Distributionen bauten und Programme für das neue System schrieben, und bald stiegen Unternehmen wie IBM und Oracle mit ein.

Ökosystem statt Firma

Im Gegensatz zu den Betriebssystemen Windows und Mac, die fest in Firmenhand sind, ist Linux komplett offen. Produziert wird es in einem dezentralen Ökosystem: Die Linux Foundation organisiert das Ganze, doch entwickelt wird es zu einem grossen Teil von Freiwilligen. Beteiligt sind auch Firmen, die ein Interesse haben, weil sie Linux in ihre Produkte eingebaut haben.

Linus Torvalds: Ein Ingenieur, kein Visionär

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Person steht an einem Stehpult mit einem Computerbildschirm.
Legende: Linux Foundation

Dass der Linux-Kernel gratis allen zur Verfügung steht, macht den Gründer Linus Torvalds nicht reich, erlaubt es ihm aber, weiterhin in seinem stillen Kämmerlein zu arbeiten – er sei keine «People Person», sagt er selbst.

Am liebsten arbeite er alleine in seinem Home Office, von nichts abgelenkt und höchstens unterbrochen durch das Schnurren seiner Katze.

Das macht Linux extrem vielfältig: Im Zentrum steht zwar der Kernel, vom Betriebssystem gibt es aber unzählige Varianten, einige davon offen, andere zahlungspflichtig. Linux oder Varianten davon finden sich in allen möglichen digitalen Geräten, von Servern und Routern bis zu Kameras und Autos. Auch Android-Handys basieren auf Linux.

Heute ist es praktisch unmöglich, mit Technik oder der digitalen Welt zu interagieren, ohne dass irgendwo Linux beteiligt ist – ohne dass wir es merken. Linux ist nicht so bekannt wie Apple oder Facebook, der Gründer Linus Torvalds nicht so schillernd wie Steve Jobs oder Mark Zuckerberg. Doch Linux ist das Betriebssystem der Infrastruktur, das Programm, der unsere digitale Welt im Hintergrund zusammenhält – und alles begann, weil ein Student vor 35 Jahren versehentlich einen Kernel entwickelte und beschloss, ihn mit der Welt zu teilen.

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