Wegen 9 Verkehrsbussen – ORF-Journalistin wird nicht eingebürgert

- ORF-Journalistin Ani Gülgün-Mayr (56) wurde die österreichische Staatsbürgerschaft verweigert – trotz 50 Jahren Aufenthalt im Land.
- Die Wiener Behörde MA 35 begründet die Ablehnung mit sieben Parkverstössen und zwei Tempoüberschreitungen von elf und 16 km/h.
- Die verhängten Bussen lagen zwischen 48 und 160 Euro.
Sieben Parkverstösse und zwei Geschwindigkeitsüberschreitungen von elf beziehungsweise 16 km/h wurden der ORF-Journalistin Ani Gülgün-Mayr zum Verhängnis. Die 56-Jährige beantragte nach 50 Jahren in Österreich die Staatsbürgerschaft. Aufgrund dieser neun Verwaltungsübertretungen lehnte die Einwanderungs- und Staatsbürgerschaftsbehörde der Stadt Wien (MA 35) ihren Antrag jedoch ab.
«Das Amt der Wiener Landesregierung teilt mit, dass eine Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft an Sie derzeit nicht möglich ist», heisst es in einem fünfseitigen Schreiben der Behörde, das dem «Falter» vorliegt. Als Begründung werden geringfügige Verstösse im Strassenverkehr angeführt.
Bei «Wohlverhalten» nicht bestanden
Darunter fallen etwa das Parken ausserhalb einer Bodenmarkierung, das Abstellen eines Fahrzeugs ohne Parkschein, das Parken auf einem Behindertenparkplatz, ein Verstoss gegen eine Einbahnstrasse sowie zwei Tempoüberschreitungen. Die verhängten Strafen lagen dem Bericht zufolge zwischen 48 und 160 Euro.
Diese Übertretungen wurden für Gülgün-Mayr nun zum Hindernis auf dem Weg zur österreichischen Staatsbürgerschaft. Im Verfahren prüft die zuständige Behörde unter anderem das sogenannte «Wohlverhalten», wie «Heute.at» berichtet. Antragsteller müssen aufgrund ihres bisherigen Verhaltens die Gewähr bieten, keine Gefahr für die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit darzustellen.
Im Fall der ORF-Journalistin kam die Behörde zum Schluss, dass «derzeit keine positive Zukunftsprognose abgegeben werden» könne.
Kein Deutsch?
Es ist nicht die erste kuriose Wendung in ihrem Einbürgerungsverfahren. Im Juni hatte die MA 35 Gülgün-Mayr zunächst mitgeteilt, sie habe den erforderlichen Nachweis ausreichender Deutschkenntnisse nicht erbracht.
Wie findest du es, dass ein Einbürgerungsantrag wegen neun Verkehrsbussen abgelehnt wurde?
Das betraf ausgerechnet eine Frau mit armenischen Wurzeln, die seit Jahrzehnten als Journalistin in Österreich arbeitet und während der Corona-Pandemie eine ORF-Sendung moderierte, mit der Menschen Deutsch lernen konnten. «Ich bin sprachlos», sagte Gülgün-Mayr damals dem «Falter». Wenig später folgte die Kehrtwende: Die Wiener Behörde entschuldigte sich. Die entsprechenden Zeugnisse seien übersehen worden, ihre Deutschkenntnisse seien damit sehr wohl nachgewiesen.
Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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