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Friday, September 4, 2026

«Abstimmungs-Arena» – Ernährungsinitiative: Mehr Sicherheit oder «Vegan-Zwang»?

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Ein ungewohntes Bild: Kein einziges Parlamentsmitglied hat der Ernährungsinitiative im Rat zugestimmt. Nichtsdestotrotz gibt sich Franziska Herren in der «Abstimmungs-Arena» kampfeslustig.

Die Gäste in der «Arena»:

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Befürworterinnen und Befürworter der Vorlage:

  • Franziska Herren, Initiantin
  • Regula Züger, Agronomin ETH
  • Klaus Lanz, Wasserforscher

Gegen die Vorlage treten an:

  • Guy Parmelin, Bundespräsident und Vorsteher WBF
  • Franziska Roth, Ständerätin SP/SO
  • Markus Ritter, Präsident Schweizer Bauernverband und Nationalrat Die Mitte/SG

«Es geht hier um unsere Sicherheit», stellt Franziska Herren klar. Der Bundesrat und das Parlament hätten gemäss Verfassung schon heute den Auftrag, die Bevölkerung in einer Krise innerhalb von einem Jahr selbst zu versorgen, so die Initiantin weiter. Die Initiative strebt eine Erhöhung des Selbstversorgungsgrades auf 70 Prozent während zehn Jahren an.

Selbstversorgungsgrad

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Der Selbstversorgungsgrad gibt an, welcher Anteil des inländischen Nahrungsmittelverbrauchs durch die inländische Produktion gedeckt wird – gemessen in Kalorien. Der Brutto-Selbstversorgungsgrad in der Schweiz entspricht 50 Prozent. Darin enthalten sind alle pflanzlichen und tierischen Lebensmittel, die in der Schweiz produziert werden, unabhängig davon, ob das Futtermittel für die Tiere importiert wird oder aus der Schweiz kommt. Beim Netto-Selbstversorgungsgrad wird nur der Anteil an tierischen Lebensmitteln eingerechnet, der mit inländischem Futter produziert wird. Der Netto-Selbstversorgungsgrad der Schweiz entspricht 42.5 Prozent. Mit der Ernährungsinitiative soll neu ein Netto-Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent angestrebt werden.

Wenn nun die Politik warnt, dass eine solche Transformation nicht möglich wäre, dann zeige dies, wie gefährlich die Situation heute sei, findet Herren.

Der Bundesrat sei bemüht, den Selbstversorgungsgrad zu erhöhen, versichert Bundespräsident Guy Parmelin. Doch Realität sei eben auch, dass die Schweiz ein kleines Land ist und man nicht überall Landwirtschaft betreiben kann. Der Landwirtschaftsminister distanziert sich indes vom Ausdruck «Vegan-Zwang», welcher auf den Kontra-Plakaten zu sehen ist: «Die Initiative verbietet niemandem, Fleisch zu essen.» Wenn aber die Initiative angenommen würde, die Bevölkerung ihre Essgewohnheiten jedoch nicht anpasst, bestehe die Gefahr, dass die Menschen vermehrt im Ausland einkaufen.

Regula Züger, Agronomin und Betreiberin einer regenerativen Landwirtschaft, tritt für die Initiative ein. Sie bemängelt, dass die gegenwärtigen Subventionsflüsse tierische Produkte bevorteilen würden. Ausserdem störe sie sich an der Futterproduktion, die 60 Prozent des hiesigen Ackerlandes in Anspruch nehme. Diese Flächen sollen in Zukunft vermehrt für die Produktion pflanzlicher Produkte verwendet werden.

Diese Initiative ist unsozial.

Doch selbst das linksgrüne Lager bekämpft dieses Volksbegehren. «Die Initianten haben das Herz am richtigen Fleck. Die Initiative will viel Gutes. Aber sie will etwas in die Verfassung schreiben, das nicht umsetzbar ist», sagt SP-Ständerätin Franziska Roth. Die Solothurnerin spricht überdies von einer «unsozialen» Initiative. Bei einer Annahme bestehe die Möglichkeit, dass Menschen mit tieferen Einkommen zusätzliche Mühe hätten, sich tierische Produkte künftig leisten zu können.

Auch Trink- sowie Grundwasser sind Teil der Vorlage

Die übermässige Tierproduktion führe zu einer Überdüngung der Landschaft, dies wiederum habe negative Auswirkungen auf das Trinkwasser, so der Wasserforscher und Unterstützer der Initiative Klaus Lanz. Zudem habe der diesjährige Hitzesommer auch die Probleme mit der Wasserversorgung in der Landwirtschaft aufgezeigt: «Wir brauchen ein neues Wassermanagement – genau das fordert die Initiative», sagt er.

Bauernpräsident Markus Ritter sieht in puncto Wasserversorgung Investitionsbedarf. «Doch dafür braucht es diese Initiative nicht», kontert der Mitte-Nationalrat. Ritter lehnt diese Vorlage ab – sie sei unrealistisch. «Das letzte Mal, als wir einen Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent hatten, war im Zweiten Weltkrieg – mit nur 4.5 Millionen Einwohnern und 200'000 Hektar mehr Kulturland.» Dieses Ziel sei laut Markus Ritter utopisch, die Initiative voller Widersprüche.

Am 27. September entscheidet die Schweizer Stimmbevölkerung über die Ernährungsinitiative.

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