Ex-Henker sieht nachts die Männer, die er hinrichten liess

- Ron McAndrew, ehemaliger Gefängnisdirektor in Florida, war an insgesamt acht Hinrichtungen beteiligt.
- Heute ist der 88-Jährige ein entschiedener Gegner der Todesstrafe und bereut seine Beteiligung tief.
- Besonders die Hinrichtung von Pedro Medina 1997, bei der dessen Kopf auf dem elektrischen Stuhl Feuer fing, verfolgt ihn bis heute.
Ron McAndrew war einst überzeugter Befürworter der Todesstrafe. Als Direktor des Florida State Prison wurde er später selbst für Hinrichtungen verantwortlich. Heute ist er 88 Jahre alt und kämpft gegen jene Praxis, die er einst verteidigte. Gegenüber CNN erzählt er von den Hinrichtungen, die ihn bis heute verfolgen.
McAndrew leitete in Florida drei Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl. Später war er in Texas an fünf weiteren Hinrichtungen per Giftspritze beteiligt. Vor einer Hinrichtung organisierte er die letzte Mahlzeit, sprach mit den Verurteilten und gab schliesslich das unauffällige Signal an den Henker.
«Ich habe wirklich an die Todesstrafe geglaubt», sagt McAndrew rückblickend. «Ich kann heute nicht glauben, dass ich das getan habe.»
«Sie sassen einfach da und sahen mich an»
Die getöteten Männer hätten ihn bis in den Schlaf verfolgt. Nachts habe er sie am Fussende seines Bettes gesehen: «Sie sagten nie etwas. Sie sassen einfach da und sahen mich an.»
Für McAndrew hätten ihre Blicke dennoch gesprochen. Er habe darin die Frage gesehen, wie jemand, der sich selbst für einen guten Menschen halte, andere Menschen töten könne.
Mit der Zeit begann er nach eigenen Angaben stark zu trinken. Zeitweise dachte er an Suizid. Besonders beschäftigte ihn der Fall Leo Jones. Dieser beteuerte bis zuletzt seine Unschuld und erklärte, sein Geständnis sei erzwungen worden. Auch McAndrew hielt die damaligen Ermittlungen für mangelhaft. Trotzdem wurde Jones 1998 hingerichtet.
Wie stehst du zur Todesstrafe?
«Wir haben ihn buchstäblich zu Tode verbrannt»
Tief geprägt hat McAndrew auch die Hinrichtung von Pedro Medina im Jahr 1997. Nachdem er das Signal zum Einschalten des elektrischen Stuhls gegeben hatte, habe es zunächst einen Knall gegeben. Dann fing Medinas Kopf Feuer, schwarzer Rauch füllte die Hinrichtungskammer.
Ein Techniker fragte McAndrew, ob die Hinrichtung fortgesetzt werden solle. «Ich konnte es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr stoppen», erinnert er sich. Er sagte Ja. Diese Entscheidung bereue er bis heute.
Der Geruch verbrannten menschlichen Fleisches habe sich im Gefängnis ausgebreitet. McAndrew widerspricht der späteren Feststellung einer Autopsie, wonach Medina schmerzlos gestorben sei. «Wir haben ihn buchstäblich zu Tode verbrannt», sagt er.
Auch Giftspritze hält er nicht für human
Nach der missglückten Hinrichtung wurde McAndrew nach Texas geschickt, wo er die damals dort eingesetzte Giftspritze kennenlernen sollte. Er war nach eigenen Angaben an fünf Hinrichtungen mit dieser Methode beteiligt.
«Ich wünschte, ich wäre nie in dieses schmutzige Geschäft eingestiegen.»
Humaner sei sie aus seiner Sicht nicht. «Wenn es human wäre, bräuchte man nicht acht Gurte, um jemanden festzuhalten», sagt McAndrew.
Als er 2002 in den Ruhestand ging, war seine Haltung zur Todesstrafe längst gekippt. «Ich wünschte, ich wäre nie ins Florida State Prison gegangen», sagt er. «Ich wünschte, ich wäre nie in dieses schmutzige Geschäft eingestiegen.»
Heute kämpft er gegen die Todesstrafe
Seit seiner Pensionierung reist McAndrew durch die USA, spricht öffentlich gegen Hinrichtungen und unterstützt zum Tode Verurteilte bei juristischen Verfahren. Nach eigenen Angaben konnte er bereits dabei helfen, Gefangene aus dem Todestrakt zu holen.
Besonders schmerzt ihn, dass Florida derzeit wieder besonders viele Menschen hinrichtet. Für McAndrew sind Hinrichtungen inzwischen keine gerechte Strafe mehr. Er bezeichnet sie als «vorsätzliche, zeremonielle politische Tötung».
Seinen eigenen Tod fürchtet er nicht
Auch mit 88 Jahren will er seinen Kampf fortsetzen. «Ich bin noch nicht fertig», sagt McAndrew.
Seinen eigenen Tod fürchtet der Katholik nach eigenen Angaben nicht. Er glaubt an ein Leben nach dem Tod. Mit Blick auf die Männer, an deren Hinrichtungen er beteiligt war, sagt er: «Da oben warten eine Menge Leute auf mich.
Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
