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Saturday, October 3, 2026

Nachts in der Bibliothek schlägt die Stunde der Fledermaus-Armee

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  • In der Bibliothek des Nationalpalasts von Mafra leben rund 500 Fledermäuse.
  • Sie schützen über 35’000 historische Bücher vor Motten und anderen Schädlingen.
  • Nachts decken Mitarbeitende Tische und andere Flächen zum Schutz vor Fledermauskot ab.

Die Biblioteca do Palácio Nacional de Mafra nahe Lissabon ist durchaus sehenswert: Sie ist stattliche 88 Meter lang, der Boden marmornen und die Holzelemente an Galerien und Regalen kunstvoll im Rokoko-Stil gefertigt. Dazu gibt es noch sechs Orgeln, die so gebaut sind, dass sie als ein einziges, zusammenhängendes Musikinstrument mit Tausenden Pfeifen erklingen können. Kein Wunder, wurde sie bereits mehrfach unter die schönsten Orte der Welt gewählt.

Der wertvollste Schatz sind jedoch die mehr als 35’000 historischen Bücher. Manche davon sind mehrere Jahrhunderte alt und unersetzlich. Deshalb werden sie besonders geschützt – von Fledermäusen.

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Fledermäuse, bitte was?

Richtig gelesen. Seit rund zwei Jahrhunderten verrichten in der von Manuel Caetano de Sousa entworfenen Bibliothek Fledermäuse ihren Dienst. In dem Raum aus dem 18. Jahrhundert sind gleich zwei Fledermauskolonien zu Hause: Zwergfledermäuse (Pipistrellus pipistrellus), aber hauptsächlich Graue Langohren (Plecotus austriacus). Rund 500 Exemplare sollen es sein. Tagsüber sind die Tiere nicht zu sehen. Sie verstecken sich hinter den Bücherregalen und in den Zwischenräumen zwischen den oberen Regalen und der Decke. Doch bei Dunkelheit kommen sie heraus und erledigen ihre für den Erhalt der hier aufbewahrten Werke so wichtige Arbeit.

Wie das?

Die Fledermäuse jagen Motten, Silberfische und andere Insekten, die sich sonst über Papier, Pergament und Ledereinbände hermachen würden. Auch die hölzernen Regale bewahren die Tiere vor dem Insektenfrass. «Sie sind ein aktiver Teil des Konservierungsprogramms der Bibliothek», heisst es auf der Palast-Website. Und das seit «mindestens dem 18. Jahrhundert».

Warum ausgerechnet Fledermäuse?

Für die Tiere sprechen gleich mehrere Punkte: So können Fledermäuse etwa fast das Doppelte ihres eigenen Körpergewichts verspeisen. Entsprechend effektiv ist ihr nächtlicher Einsatz. Zudem sind sie deutlich schonender als Insektizide. Diese könnten zum Beispiel die Einbände angreifen und auch für die Menschen, die den Büchern über längere Zeit näherkommen, ein Gesundheitsrisiko darstellen. Etwa für Restauratorinnen und Restauratoren, aber auch andere Mitarbeitende der Bibliothek.

Hast du die Bibliothek schon einmal besucht?

Auch Fledermäuse müssen mal: Ist das kein Problem?

Das wäre es, wenn die Menschen nicht entsprechende Vorkehrungen treffen würden. Jeden Abend, so heisst es auf der Website des Nationalpalasts von Mafra, bedecken die Mitarbeitenden der Biblioteca die gefährdeten Oberflächen mit Lederhäuten, um sie vor dem Kot der Tiere zu schützen. Darunter auch die langen Lesetische. Die Abdeckungen bleiben jeweils nur während der Nacht: Am Morgen werden sie vor der Öffnung der Bibliothek wieder entfernt.

Angst vor Tollwut müssen Bibliotheksbesucherinnen und -besucher nicht haben: Portugal gilt offiziell als frei von Tollwut. Zudem flattern die Fledermäuse in Innenräumen umher.

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Fee Anabelle Riebeling

Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen/AI, Data und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.

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