Trotz Mega-Spende von Lidl-Gründer: Bei deutscher ETH harzt es

- Der neue ETH-Standort in Heilbronn (D) kommt trotz 600-Millionen-Spende von Lidl-Gründer Dieter Schwarz holprig in Gang.
- Bisher sind zwei Professuren besetzt, beide jedoch in Zürich; die Berufungen für Heilbronn sollen im kommenden Jahr beginnen.
- Offen sind auch die Studiengebühren: Die ETH sucht eine Lösung, bei der mindestens die Zürcher 730 Franken pro Semester anfallen.
600 Millionen Franken: Mit dieser Summe unterstützte Lidl-Gründer Dieter Schwarz im Jahr 2023 die ETH. Das Geld wird seither für die Schaffung eines neuen Standorts im deutschen Heilbronn eingesetzt, der künftig das Digital- und KI-Zentrum der international renommierten Hochschule sein soll. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, sind mehrere Kernfragen aber noch immer offen.
Das ist geplant
Über 30 Jahre sollen mehr als 20 Lehrstühle in künstlicher Intelligenz, Cybersicherheit und Datenwissenschaften finanziert werden. In Heilbronn sollen dafür bis 2030 Gebäude für rund 700 Studierende und 150 Doktorierende entstehen. Die Stiftung stellt Räume, Einrichtung und Betriebskosten bereit. Parallel dazu plant die ETH auf dem Hönggerberg in Zürich einen Neubau. Beide Standorte sollen akademisch und räumlich eng verbunden sein und gemeinsam als strategische Wachstumsinitiative wirken.
Das ist der aktuelle Stand
Der Campus Heilbronn wurde im Juli feierlich eingeweiht, befindet sich aber weiterhin im Aufbau. Zwei der vorgesehenen Professuren sind bereits besetzt, beide jedoch am Standort Zürich. Die ersten Ausschreibungen für Heilbronn wurden im Sommer 2026 lanciert, die Berufungen sollen nach dem angepassten Zeitplan im kommenden Jahr beginnen. Der erste reguläre Masterstudiengang ist für das Herbstsemester 2028 vorgesehen.
Der zusätzliche administrative und betriebliche Aufwand wird laut der ETH aus dem Schenkungsgeld finanziert. Dazu gehören eine Geschäftsstelle mit rund zehn Mitarbeitenden, juristische Abklärungen sowie eine geplante Busverbindung zwischen Zürich und Heilbronn. Ziel bleibe, die Qualität der ETH durch gemeinsame Lehre, längere Aufenthalte und digitalen Austausch über beide Standorte hinweg zu sichern.
Die fehlenden Professorinnen und Professoren
Wie der «Tages-Anzeiger» weiter schreibt, gestalte sich vor allem die Rekrutierung internationaler Spitzenforscher als schwierig – wohl auch wegen der Entlöhnung: Da die Heilbronner ETH-Profs nach deutschem Recht angestellt werden sollen, würden ihre Löhne deutlich tiefer liegen als jene der Kolleginnen und Kollegen in der Schweiz. Zudem dürfte Zürich für viele Forschende deutlich interessanter sein als das, an der Einwohnerzahl gemessen, etwa viermal kleinere Heilbronn.
Die offene Frage zur Studiengebühr
Offen ist auch die Frage der Studiengebühren. In Deutschland zahlen Studierende aus Deutschland und aus EU-Staaten an öffentlichen Hochschulen üblicherweise keine Studiengebühren, während an der ETH Zürich derzeit 730 Franken pro Semester anfallen. Die ETH sucht deshalb noch nach einer Lösung, bei der Studierende in Heilbronn mindestens die Zürcher Gebühren entrichten sollen.
Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.
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