Kita-Aufstand: Eltern wehren sich gegen 80-Prozent-Preisanstieg

- In Lancy GE erhöht die Gemeinde die Kita-Tarife um 4 Prozent und hebt die Einkommensgrenze für den Maximaltarif von 178'000 auf 258'000 Franken an.
- Für gewisse Familien mit höheren Einkommen steigen die Kosten dadurch um mehr als 80 Prozent.
- Nach heftiger Kritik an einer Infoveranstaltung mit rund 80 Eltern wird die Einführung auf August 2027 verschoben.
In Lancy GE sorgt eine Reform der Kita-Tarife für heftigen Widerstand. Die Gemeinde erhöht die Betreuungstarife um vier Prozent und hebt gleichzeitig die Obergrenze des massgebenden Einkommens für den Maximaltarif von 178'000 auf 258'000 Franken an. Dadurch steigen die Kosten für gewisse Familien mit höheren Einkommen um mehr als 80 Prozent.
Eine Familie mit zwei Kindern im Alter von einem und drei Jahren bezahlt bislang 33'075 Franken pro Jahr. Mit den neuen Tarifen werden es 59'826 Franken – fast 27'000 Franken mehr. Die Eltern arbeiten beide Vollzeit und überlegen angesichts der Mehrkosten, ob sich das weiterhin lohnt. Zum Vergleich: In der Stadt Genf kostet die Vollzeitbetreuung von zwei Kindern in der höchsten Einkommensklasse jährlich 31'548 Franken.
Eltern machen ihrem Ärger Luft
Stadtpräsidentin Salima Moyard (SP) verteidigt die Reform als sozial gerecht. Entscheidend sei die sogenannte Belastungsquote, also der Anteil des Einkommens, der für die Kinderbetreuung aufgewendet wird. Diese beträgt derzeit bei den tiefsten Einkommen 9 Prozent und bei den höchsten 12,25 Prozent. Mit der Reform steigt sie auf 9,36 bzw. 15,34 Prozent. Auch danach subventioniert die Gemeinde die Kita-Plätze der wohlhabendsten Haushalte laut Moyard noch zu rund 30 Prozent.
Bei einer Informationsveranstaltung machten rund 80 Eltern ihrem Ärger Luft. Mehrere warnten davor, dass die hohen Kosten Frauen aus dem Berufsleben drängen oder Familien dazu bewegen könnten, nach anderen Betreuungslösungen zu suchen. Andere warfen den Behörden Herablassung vor oder bezeichneten die Politik als «gefährlich und populistisch». Moyard hielt dagegen, dass die Reform eine bisherige Ungerechtigkeit beseitige und sich die Beiträge stärker an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit orientierten.
240 Kinder auf der Warteliste
Die Stadtpräsidentin betonte zudem, dass die wichtigste familienpolitische Massnahme der Ausbau des Kita-Angebots sei. Derzeit stehen in Lancy 240 Kinder auf der Warteliste. Eine schrittweise Einführung der höheren Tarife, wie sie Eltern ins Spiel brachten, wurde nicht beschlossen.
In einem Punkt kommt die Stadt den Familien jedoch entgegen: Ursprünglich sollten die neuen Tarife am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Nach der Kritik wird die Einführung auf den Schuljahresbeginn im August 2027 verschoben. Die Stadtregierung habe diesen Entscheid laut Moyard einstimmig gefällt.
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