Augensalbe statt Alp: 90 Schafe wegen Gämsblindheit abgezogen

- Rund 90 Schafe mussten die Steinenalp bei Rosswald wegen eines Ausbruchs der Gämsblindheit vorzeitig verlassen.
- Die Augenkrankheit wird durch Bakterien ausgelöst; Fliegen und starke UV-Strahlung begünstigen die Verbreitung.
- Laut Tierarzt Anton Ritler ist eine dauerhafte Erblindung nicht zu erwarten – alle betroffenen Tiere sollten sich erholen.
Eigentlich sollte der Alpsommer auf der Steinenalp bei Rosswald noch weitergehen. Doch für rund 90 Schafe ist er abrupt vorbei: Wie der «Walliser Bote» berichtet, ist in der Herde die Gämsblindheit ausgebrochen. Die erkrankten Tiere wurden ins Tal gebracht. Rund 650 Schafe von 17 Schäfern aus Ried-Brig und Termen verbringen den Sommer in Teilen der Region.
Die Krankheit befällt die Augen der Tiere. Sie beginnen zu tränen, röten sich und werden lichtempfindlich. Im schlimmsten Fall trübt sich die Hornhaut so stark, dass die Tiere vorübergehend nichts mehr sehen. Ausgelöst wird die Krankheit durch Bakterien.
Hitzesommer begünstigt Krankheitsausbruch
Warum es gerade jetzt zu einem grösseren Ausbruch kommt, dürfte auch am Wetter liegen. Der warme und sonnige Sommer begünstigt laut Tierarzt Anton Ritler die Krankheit gleich doppelt: Fliegen setzen sich auf die tränenden Augen erkrankter Tiere, nehmen die Bakterien auf und übertragen sie weiter. Gleichzeitig verschlimmert die starke UV-Strahlung die Entzündung.
Die stärker betroffenen Schafe werden nun im Tal mit antibiotischer Augensalbe behandelt und vor Sonnenlicht geschützt. Das bedeutet viel Arbeit: Jedes erkrankte Tier muss täglich eingefangen werden. Bei schweren Fällen kann die Heilung mehrere Wochen dauern.
Herdenschutz fördert Verbreitung
Doch nicht nur das Wetter spielt eine Rolle. Ausgerechnet eine Massnahme zum Schutz vor dem Wolf kann die Ausbreitung von Krankheiten fördern. Viele Schafe werden nachts in Pferchen zusammengetrieben. Das erleichtert den Herdenschutz, bringt aber teilweise Hunderte Tiere auf engem Raum zusammen.
Wie Ritler gegenüber dem «Walliser Boten» erklärt, können sich dadurch Infektionskrankheiten leichter verbreiten. Das betreffe neben der Gämsblindheit etwa auch Räude und Moderhinke. Früher seien die Schafe stärker über die Alp verteilt und häufiger in kleineren Gruppen unterwegs gewesen.
Für die betroffenen Schafe gibt es dennoch gute Nachrichten: Eine dauerhafte Erblindung sei nicht zu erwarten. «Die momentan betroffenen Schafe werden sich alle erholen», so Ritler. Entscheidend seien eine gute Kontrolle, möglichst wenig UV-Strahlung und die Behandlung mit Augensalbe.
Zoé Stoller (sto) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten und ist stellvertretende Leiterin des Ressorts Regionen.
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