Keine Fortschritte in Nahost – Stillstand bei Trumps Friedensplan für Gaza

Nach den neusten Gesprächen von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner im Nahen Osten sind die Fronten verhärtet: Israel will sich erst aus Gaza zurückziehen, wenn die Hamas entwaffnet ist. Diese wiederum will die Waffen erst abgeben, wenn sich die israelische Armee zurückgezogen hat. Die Nahost-Kennerin Gudrun Harrer schätzt die aktuelle Situation ein.
Gudrun Harrer
Nahost-Expertin
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Gudrun Harrer ist auf die Politik im Nahen Osten spezialisiert und unterrichtet an der Universität Wien und an der diplomatischen Akademie Wien. Sie schreibt für den österreichischen «Standard».
SRF News: Kann die US-Regierung von Donald Trump ihren Friedensplan für Gaza am Leben erhalten?
Gudrun Harrer: Der Plan wird wohl nicht mit grossem Aufsehen kollabieren – er wird eher im Sand verlaufen. Für echte Entwicklungen sehe ich wenig Anzeichen. Man muss die ganze Region im Blick behalten – auch den Iran.
Dass Trumps Plan nicht funktionieren würde, war eigentlich von Anfang an klar.
Für Israel stellt Teheran immer noch eine grosse Bedrohung dar, und auch die Terrororganisation Hamas in Gaza hat wegen der Stärke des iranischen Regimes wieder eine Perspektive. Gleichzeitig gibt es bei den Gesandten-Treffen von Kushner und Co. in Kairo oder anderswo zwar Fortschritte in einzelnen Fragen – doch die lassen sich dann doch nicht umsetzen, sie scheitern an den Details. Dass Trumps Plan mit mehreren Rückzugs- und Entwaffnungsphasen nicht funktionieren würde, war eigentlich von Anfang an klar.
Was halten Sie von der Kritik einiger arabischer Staaten an Israel, es wolle gar keinen Frieden in Gaza?
Es ist bekannt, dass in Trumps «Friedensrat» für Gaza grosse Frustration herrscht. Dort sind ausser mehreren arabischen Staaten auch Indonesien, die Türkei und Pakistan vertreten. Ein Jahr nach Präsentation dieses Gremiums und des Plans für Gaza kritisieren dessen Mitglieder jetzt die prinzipielle Ablehnung Israels von Ideen, wenn es um eine Eigenstaatlichkeit der Palästinenser geht. Die Haltung der Araber war eigentlich immer ganz klar: voller Frieden mit Israel gegen einen Palästinenserstaat.
Welche Bedeutung hat der Effort der Vereinigten Arabischen Emirate? Sie haben ja seit mehreren Jahren diplomatische Beziehungen mit Israel?
Die Vereinigten Arabischen Emirate sind in der Tat der engste Partner, den Israel in der Region unter den Arabern hat. Diese Kontakte sind noch enger als jene Israels zu Marokko, das ja auch im Gaza-«Friedensrat» sitzt. Die Emirate ziehen in der Gaza-Frage an einem Strick mit Saudi-Arabien, mit dem es sonst ja immer wieder Konflikte und Konkurrenz gibt. Doch ich denke nicht, dass sich wegen der Kritik der Emirate an Israel an deren Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen etwas ändern wird. Es gibt ja eben auch den Iran-Krieg, durch den auch die Emirate bedroht sind. Deshalb wird sich im Verhältnis Israel-Emirate vorerst kaum etwas ändern.
Es muss noch viel passieren, bis Israel dazu bereit ist, bei der Schaffung einer palästinensischen Entität mitzuwirken.
Könnte Israel Trumps «Friedensplan» fallen lassen im Vorfeld der israelischen Wahlen im Oktober? Und wäre damit die ganze Offensive der US-Diplomatie für Gaza nicht gescheitert?
Niemand hat realistischerweise damit gerechnet, dass Netanjahu vor den Wahlen seinen Kurs ändern würde. Alle wissen das. Insofern sind die Reaktionen der arabischen Staaten auch Symbolpolitik. Nach den Wahlen in Israel sehen wir dann weiter. Doch es muss noch viel passieren, bis Israel dazu bereit ist, bei der Schaffung einer palästinensischen Entität mitzuwirken – von einem Palästinenserstaat gar nicht zu sprechen. Trumps Gaza-Plan könnte also womöglich tatsächlich im Sand verlaufen. Trump hat ja schon viele Pläne vorgelegt mit noch viel mehr Punkten – und passiert ist eigentlich nichts.
Das Gespräch führte Salvador Atasoy.
SRF 4 News aktuell, 18.8.2026, 6:40 Uhr ; srf/agenturen/snep
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