Entdeckungen nach 2000 Jahren passen zu biblischer Überlieferung: Ist das Jesu Grab?
Entdeckungen nach 2000 Jahren passen zu biblischer Überlieferung
Ist das Jesu Grab?
Haben Archäologen das Grab von Jesus Christus gefunden? So weit gehen die Forscher nicht. Doch neue Ausgrabungen unter der Grabeskirche in Jerusalem legen eine antike Landschaft frei, die erstaunlich gut zu den Beschreibungen im Neuen Testament passt.
Publiziert: vor 11 Minuten
Darum gehts
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- Archäologen finden unter Jerusalems Grabeskirche Landschaft, die biblischen Beschreibungen ähnelt
- Steinbruch, Gärten, Felsengräber entdeckt – mögliche Parallelen zum Johannesevangelium
- Seit 1700 Jahren gilt Grabeskirche als Ort von Kreuzigung und Grablegung
Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst
Haben Archäologen das Grab von Jesus Christus gefunden? So weit gehen die Forscher nicht. Doch neue Ausgrabungen unter der Grabeskirche in Jerusalem haben eine Landschaft freigelegt, die erstaunlich genau zu den Beschreibungen im Neuen Testament passt.
Das schilderte zuerst die britische Zeitung «Daily Mail» in einem exklusiven, ausführlichen Bericht. Dieser beruht auf einer 2025 in der Fachzeitschrift Liber Annuus veröffentlichten Studie, einem Journal für Archäologie und Geschichte des Heiligen Landes.
Steinbruch, Gärten, Felsengräber
Unter dem Boden einer der wichtigsten Kirchen der Christenheit stiessen die Forscher auf die Überreste eines ehemaligen Steinbruchs, kultivierter Flächen und mehrerer direkt aus dem Fels gehauener Grabkammern.
Das Gebiet lag zur Zeit Jesu ausserhalb der damaligen Stadtmauern Jerusalems – aber in unmittelbarer Nähe zur Stadt. Genau dort soll Jesus nach seiner Kreuzigung bestattet worden sein.
Im Johannesevangelium Kapitel 19, Vers 41, heisst es: «An dem Ort, wo Jesus gekreuzigt worden war, lag ein Garten. Und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war.»
Antike Landschaft
Die neuen Untersuchungen zeichnen nun erstmals ein detailliertes Bild dieses Geländes. Pollen- und Pflanzenreste zeigen: Nachdem der Steinbruch aufgegeben worden war, wurde ein Teil des Areals mit Erde aufgefüllt und offenbar kultiviert. Archäologen fanden Hinweise auf kleine Anbauflächen mit Reben und Olivenbäumen.
Gleichzeitig entstanden in den freigelegten Felswänden Grabkammern. Das Ergebnis: eine antike Landschaft aus Gärten, Weideland und Felsengräbern nebeneinander.
«Eine Bestattungslandschaft»
«Wir haben Hinweise auf eine Bestattungslandschaft gefunden, neben kleinen Flächen, auf denen Weinreben und Olivenbäume wuchsen», sagt Grabungsleiterin Francesca Romana Stasolla von der Universität Sapienza in Rom.
Jedes einzelne Element sei für sich genommen nichts Ungewöhnliches – verlassene Steinbrüche wurden im antiken Jerusalem oft für Landwirtschaft und Bestattungen weiterverwendet. Entscheidend sei das Zusammentreffen aller Hinweise an einem Ort: ausserhalb der Stadtmauer, nahe bei Jerusalem, mit Felsgräbern und kultiviertem Land.
Seit rund 1700 Jahren gilt die Grabeskirche als Ort von Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Jesu. Bereits im 4. Jahrhundert liess Kaiser Konstantin dort eine Kirche errichten – seine Baumeister isolierten eine bestimmte Grabkammer und machten sie zum Zentrum der Anlage.
Kein Beweis, aber starke Indizien
Einen wissenschaftlichen Beweis, dass Jesus dort begraben wurde, gibt es dennoch nicht. Keine Inschrift nennt ihn als Toten. Es lässt sich nicht nachweisen, dass die Grabkammer tatsächlich unbenutzt war oder Joseph von Arimathäa gehörte, der laut den Evangelien ein wohlhabendes Ratsmitglied und heimlicher Jesus-Anhänger war, der bei Pilatus um den Leichnam bat und ihn in sein eigenes, neues Felsengrab legte. Auch die Pflanzenreste liessen sich bislang nicht exakt auf die Zeit der Kreuzigung datieren.
Die neuen Funde beantworten deshalb nicht die Frage, ob Jesus tatsächlich hier begraben wurde. Sie zeigen aber: Der Ort, den Christen seit Jahrhunderten verehren, weist jene geografischen und archäologischen Merkmale auf, die das Neue Testament beschreibt.
Das Grab Jesu bleibt ein Glaubensrätsel – doch die Archäologie gibt diesem Rätsel jetzt neue, erstaunlich konkrete Konturen.
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