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Tuesday, October 13, 2026

21 Prozent mehr Studierende: Wer zahlt das?

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  • Laut BFS-Prognose wird die Zahl der Studierenden an Schweizer Hochschulen bis 2035 um rund 21 Prozent steigen.
  • Bildungsökonom Stefan Wolter hält eine Begrenzung ausländischer Studierender für wenig praktikabel, da diese unter anderem zur Qualität der Hochschulen beitragen.
  • Was die höheren Kosten angeht, dürfte laut Wolter eine Umverteilung der Bildungsbudgets anstehen – weg von der Primarschule, hin zu den Hochschulen.

Herr Wolter, laut BFS-Prognose wird die Zahl der Hochschulstudierenden bis 2035 um rund 21 Prozent zunehmen, ein Mitgrund sind mehr Studierende aus dem Ausland. Was bedeutet das für die Hochschulen?

Die Universitäten werden mitwachsen müssen – und zwar sowohl in Bezug auf Räume als auch in Bezug auf Personal. Das Wachstum zu bremsen, indem man etwa den Zustrom von ausländischen Studierenden begrenzen würde, halte ich für wenig praktikabel.

Schon jetzt finden Akademiker teilweise nur schwer einen Job. Macht es da überhaupt Sinn, dass Unis wachsen?

Eine erste Stelle nach der Uni zu finden, ist tatsächlich schwieriger geworden. Eine universitäre Ausbildung ist aber eine Ausbildung für die nächsten zwanzig oder mehr Jahre. Zudem gibt es Studienrichtungen wie beispielsweise die Medizin, die eher mehr als weniger Absolventen ausbilden sollten, schon alleine wegen der Alterung der Bevölkerung.

Der Experte

Stefan Wolter, Leiter der Forschungsstelle für Bildungsökonomie an der Universität Bern.

Stefan Wolter, Leiter der Forschungsstelle für Bildungsökonomie an der Universität Bern.Foto: Nicole Philipp

Professor Stefan C. Wolter leitet die Forschungsstelle für Bildungsökonomie an der Universität Bern. Er hat Nationalökonomie und Psychologie an der Universität Bern studiert. Zudem ist er Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung.

Sie sagen, den Zustrom von ausländischen Studierenden zu begrenzen, sei wenig praktikabel. Weshalb?

Wenn man das Wachstum stoppen wollte, müsste man praktisch allen Studierenden aus dem Ausland den Weg in die Schweiz verbieten. Viele dieser Studierenden tragen jedoch erstens auch zur Qualität der Schweizer Hochschulen bei und zweitens gilt ja auch das Gegenrecht – das heisst, Schweizer Studierende profitieren vom Zugang zu ausländischen Universitäten. Das internationale Umfeld an Schweizer Universitäten macht diese zudem auch für hervorragende ausländische Forscher und Dozenten attraktiv.

Was bedeutet die Entwicklung aus finanzieller Sicht?

Die Kosten werden steigen. Das Problem bei der Finanzierung liegt darin, dass immer über das Wachstum beim Gesamtbudget entschieden wird und nicht etwa über die Kosten pro Studierendem.

Was heisst das?

In Zeiten starken Studentenwachstums werden die Ausgaben pro Studentin und Student sinken. Berücksichtigen muss man jedoch auch, dass im selben Zeitraum die Zahl der Schülerinnen und Schüler auf der Primarstufe stark sinken wird. Bildungsdepartemente müssen deshalb auch vermehrt über Umlagerungen der Bildungsbudgets nachdenken – weg von der Primarschule hin zu Hochschulen.

Höhere Kosten und mehr Studierende aus dem Ausland: Könnten die Hochschulen einfach die Semestergebühren für ausländische Studierende erhöhen?

Bei den Studiengebühren muss man zwischen Studierenden aus dem EU-Raum und Drittstaaten unterscheiden. Bei Ersteren toleriert die EU keine Diskriminierung, was den Handlungsspielraum einschränkt. Bei Drittstaaten könnte man hingegen durchaus differenzieren. Sinnvoller als über Semestergebühren wäre hingegen eine Steuerung über die Qualität – beispielsweise strengere Zulassungskriterien bei Studierenden aus Drittstaaten.

Welche weiteren Gefahren – oder vielleicht auch Chancen – sehen Sie?

Chancen und Gefahren auf einen so langen Zeitraum einschätzen zu können, ist schwierig. Auf der Sekundarstufe II wird es aufgrund der geburtenstärkeren Jahrgänge beispielsweise zu einem grossen Wachstum an Jugendlichen kommen, welche eine Lehrstelle benötigen. Dazu müssen zuerst Ausbildungsbetriebe gewonnen werden. Dies bedeutet auch, dass jetzt nicht einfach alle, die laut Prognose an die Uni gehen werden, auf einmal auf eine Berufslehre umsatteln können – denn da wird es auch schon ohne Wechsel von akademischer zu beruflicher Ausbildung zu einem starken Wachstum kommen.

Christina Pirskanen

Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.

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