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Tuesday, October 27, 2026

«Gewaltiger Fortschritt»: Werden wir früher vor Gewitter gewarnt?

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Ein neuer Wettersatellit soll künftig helfen, Gewitter und andere Unwetter in der Schweiz früher und genauer vorherzusagen.

Ein neuer Wettersatellit soll künftig helfen, Gewitter und andere Unwetter in der Schweiz früher und genauer vorherzusagen.20min/Community

Darum gehts

  • Der europäische Wettersatellit Meteosat-13 ist seit Mitte Oktober im Einsatz und soll Unwetter früher erkennen.
  • Ein Infrarot-Sounder misst alle 30 Minuten Temperatur und Luftfeuchtigkeit bis in rund 20 Kilometer Höhe.
  • Laut Meteorologe Peter Wick sind exakte Gewittervorhersagen auf Minute und Kilometer weiterhin nicht möglich.

Ein heftiges Gewitter zieht auf, doch auf der Wetter-App ist noch nichts davon zu sehen. Das soll sich künftig ändern. Seit Mitte Oktober ist der neue europäische Wettersatellit Meteosat-13 im Einsatz. Er soll helfen, Gewitter und andere Unwetter früher zu erkennen. Auch die Schweiz profitiert davon.

Doch was kann der Satellit tatsächlich? Und werden Wetterprognosen dadurch genauer? Meteorologe Peter Wick erklärt gegenüber 20 Minuten, was sich ändern könnte.

Was ist Meteosat-13?

Meteosat-13 ist ein neuer europäischer Wettersatellit. Er befindet sich rund 36’000 Kilometer über dem Äquator und bewegt sich mit der Erde mit. Dadurch bleibt er von der Erde aus gesehen immer an derselben Position und kann Europa rund um die Uhr beobachten.

Der Satellit gehört zur dritten Generation der europäischen Meteosat-Satelliten. Betrieben wird er von der europäischen Wetterorganisation Eumetsat mit Sitz im deutschen Darmstadt.

Was macht ihn so besonders?

Meteosat-13 liefert nicht nur Bilder von Wolken und deren Bewegungen. An Bord befindet sich ein sogenannter Infrarot-Sounder. Mit diesem Messgerät kann der Satellit die Atmosphäre vom Boden bis in rund 20 Kilometer Höhe untersuchen.

So lässt sich erkennen, wie sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit in verschiedenen Höhen verändern. Alle 30 Minuten liefert der Satellit neue Messdaten.

«Wir sehen also nicht nur, was sich an der Wolkenobergrenze abspielt», erklärt Peter Wick. Vielmehr könne man nun auch verfolgen, was in den verschiedenen Luftschichten geschehe. Für Wick ist der Satellit ein gewaltiger technologischer Fortschritt. Den Begriff «Quantensprung» würde Wick allerdings etwas relativieren. Mehr Daten bedeuteten nicht automatisch perfekte Wetterprognosen. Die Atmosphäre sei ein hochkomplexes System, und selbst die besten Wettermodelle hätten ihre Grenzen.

Wie hilft das bei Unwettern?

Damit ein Gewitter entsteht, braucht es unter anderem Feuchtigkeit und eine instabile Atmosphäre. Besonders wichtig ist dabei, wie warme und kalte Luft übereinanderliegen. Meteosat-13 kann solche Bedingungen erkennen, bevor sich überhaupt Gewitterwolken bilden.

Das könnte Meteorologen künftig mehr Zeit geben, vor Hagel, Starkregen und heftigen Gewittern zu warnen. «Gerade bei der Entstehung von Gewittern und anderen Unwettern sind solche Informationen ausgesprochen wertvoll», sagt Wick.

Was bringt das der Schweiz?

Gerade in der Schweiz ist die Wettervorhersage schwierig. Die Alpen, die Voralpen und das Mittelland beeinflussen die Luftströmungen stark.

Oft entscheiden kleine Unterschiede darüber, ob sich ein Gewitter entwickelt oder nicht. «Der Satellit kann uns helfen, solche Entwicklungen früher zu erkennen», erklärt Wick. Allerdings dürfe man nicht vergessen: Ein Satellit allein mache noch keine Wetterprognose. Erst das Zusammenspiel mit Wetterradar, Bodenmessstationen, Wetterballonen und leistungsfähigen Computermodellen ermögliche zuverlässige Vorhersagen.

Ein weiterer Schweizer Beitrag kommt aus dem Kanton Wallis. In Leuk befindet sich eine der beiden Bodenstationen, die die Daten von Meteosat-13 empfangen. Von dort werden sie zur Auswertung nach Darmstadt weitergeleitet.

Können Gewitter künftig ganz genau vorhergesagt werden?

Nein, zumindest nicht auf die Minute und den Kilometer genau. «Das bedeutet noch lange nicht, dass wir bereits am Morgen wissen, ob es um 16.30 Uhr in Winterthur hagelt und fünf Kilometer weiter in Kloten die Sonne scheint», sagt Wick dazu. Besonders Sommergewitter können innerhalb kurzer Zeit entstehen und sehr lokal auftreten.

Auch mit den neuen Messdaten bleiben deshalb Unsicherheiten. Wie stark sich die Trefferquote verbessert, muss sich also erst zeigen.

Wann profitieren wir davon?

Der Satellit ist bereits seit Mitte Oktober im Einsatz. Bis die neuen Messdaten auch unsere Wetter-Apps verbessern, dürfte es laut SRF noch rund eineinhalb Jahre dauern.

Die nationalen Wetterdienste arbeiten derzeit daran, die Messdaten in ihre Modelle einzubauen. Meteo Schweiz nutzt sie auch, um KI-Systeme für Wetterprognosen zu trainieren.

Peter Wick fasst die Möglichkeiten und Grenzen des neuen Satelliten so zusammen: «Wir bekommen mit Meteosat-13 eine deutlich bessere Brille, um in die Atmosphäre hineinzuschauen. Eine Kristallkugel, mit der wir jedes Gewitter auf die Minute und den Kilometer genau vorhersagen können, ist der Satellit aber definitiv nicht.»

Wie wichtig sind Wetter-Apps für dich im Alltag?

Jonas Bucher

Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.

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