«Für gute Ideen gibt es von mir keinen Rappen»

Alexandra Lüönd über ihre neue Rolle als Investorin
«Für gute Ideen gibt es von mir keinen Rappen»
Vor zehn Jahren habe ich Beauty2Go mit 2000 Franken gegründet. Ohne Investoren, ohne Fremdkapital. Heute betreibe ich acht Kliniken und sitze seit dieser Woche als Investorin in der «Höhle der Löwen Schweiz».
Publiziert: vor 39 Minuten
- Aus 2000 Franken machte Alexandra Lüönd acht Beauty2Go-Kliniken
- Als «Löwin» investiert sie in Gründer mit Ausdauer
- Ohne Verkauf, Zahlenkenntnis und Fokus gibt sie kein Geld
Plötzlich wollen andere mein Geld. Gerade weil ich selbst nie Investorengeld hatte, bin ich ziemlich kritisch, wem ich es gebe.
Mir ist egal, wie gut die Idee eines Gründers ist. Geschäftsideen habe ich selbst jede Woche hundert. Nur leider fehlen mir die hundert zusätzlichen Stunden, um sie umzusetzen.
Ich investiere in Menschen
Die wahre Kunst beginnt danach: Kunden gewinnen, Mitarbeitende einstellen – und entlassen, unbezahlte Überstunden machen, Risiken eingehen und auch nach dem zwanzigsten Rückschlag wieder aufstehen.
Niemand muss das nächste Uber oder Facebook gründen. Ich habe die ästhetische Medizin auch nicht neu erfunden. Ich habe gesehen, was Kundinnen in diesem Markt fehlte, und es besser gemacht.
Mich überzeugt, wer etwas aus einer Idee macht. Ich investiere in Menschen, die so sehr für ein Unternehmen brennen, dass sie auch dranbleiben, wenn es unbequem wird. Diese Obsession erkenne ich nach fünf Minuten Pitch.
Erst WCs putzen, dann Millionen verdienen
Wenn mir jemand erzählt, er wolle Unternehmer werden, um mehr Geld und Freizeit zu haben, muss ich lachen. Viel Glück damit! In den ersten Jahren hast du weder das eine noch das andere. Aber immerhin: Wenn du keine Freizeit hast, kannst du auch kein Geld ausgeben.
Als ich Beauty2Go gründete, schob ich regelmässig 12-Stunden-Tage. Danach schrubbten mein Bruder Patrick und ich noch die Klinikböden und putzten die WCs. Meine erste Klinik zügelte ich mit dem ÖV. Passanten trugen mir die Behandlungsliege durch die Marktgasse in St. Gallen, während ich den Rest im Rollkoffer hinterherschleppte.
Bei mir schrillen sofort die Alarmglocken, wenn jemand mit meinem Geld zuerst ein chices Büro einrichten und einen Haufen Personal einstellen will. Natürlich soll man nicht für immer alles alleine machen. Aber ich will wissen, ob jemand Prioritäten setzen kann. Investorengeld soll ein Unternehmen voranbringen, keinen schönen Schein finanzieren.
Ein Gründer, der nicht verkaufen kann, hat ein Hobby
Hochglanz-Powerpoints und astronomische Umsatzprognosen können mir gestohlen bleiben. Mir ist ein kleines Unternehmen mit echten Kunden lieber. Wenn du dein Angebot nicht verkaufen kannst, ist dein Unternehmen ein ziemlich teures Hobby. Und so leid es mir tut: Ich bin nicht hier, um deine Hobbys zu finanzieren.
Wer seine Finanzzahlen nicht kennt, bekommt von mir auch kein Geld. Wer mir erklärt, wie sein Unternehmen in fünf Jahren Millionen umsetzen soll, aber nicht weiss, wie viel Geld heute auf dem Konto liegt, hat ein Problem. Und zwar nicht nur mit mir.
Eine weitere Red Flag sind Co-Gründer, die sich erst seit drei Wochen kennen. Das ist, als würde man nach dem ersten Tinder-Date heiraten!
«Manchmal fiel es mir schwer, Nein zu sagen. Aber ein Investment ist keine Sympathiebekundung.» Ein Nein in der «Höhle der Löwen» bedeutet aber noch lange nicht, dass dein Unternehmen keine Zukunft hat. Die beste Rache an einer Investorin? Werde so erfolgreich, dass sie ihr Nein bereut.
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