Kot und Konflikt – Storchendebatte in Uznach spitzt sich zu

Den Störchen gefällt es in Uznach SG. Die Gemeinde hat eine der grössten Storchenpopulationen der Schweiz. Rund 50 Storchenpaare waren zur Brutsaison diesen Frühling auf Dächern und Kaminen des Städtchens zu Gast.
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Bild 1 von 2. In Uznach sind die Störche seit rund 60 Jahren wieder heimisch. Die langbeinigen Vögel prägen das Ortsbild. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 2. In den 1960er-Jahren wurden die Störche per Flugzeug von Algerien in die Schweiz gebracht. Seither besiedeln sie das Gebiet in der Nähe des Zürichsees. Bildquelle: Schweizerisches Bundesarchiv.
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Sie vermehren sich fleissig. Von den gut hundert Jungvögeln haben dank der guten Witterung dieses Jahr fast alle überlebt. Viele Jungtiere sind mittlerweile in den Süden gezogen.
Nicht alle freuen sich im Dorf aber gleichermassen über die Storchenpopulation. Der Kot der Tiere ist für viele ein Problem – auch für die Gemeinde.
Während der Brutzeit würden sie «Kamine, PV-Anlagen, Sitzbänke und Parkplätze bis zur Unbrauchbarkeit verkoten», stand kürzlich in den Gemeindemitteilungen. Die Tiere würden zudem die Natur- und Moorschutzgebiete «leer fressen».
Der Uznacher Gemeinderat regte darum an, den Storchenbestand bis in vier Jahren um die Hälfte zu reduzieren. Das revidierte St. Galler Jagdgesetz solle entsprechend angepasst werden, dass eine Regulierung möglich wird. Sein Argument: Wenn Biber und Wölfe reguliert werden können, müsste das auch für den Storch möglich sein.
Storchenverein düpiert
Eine Forderung, die nicht überall gut ankommt. Der Präsident des Storchenvereins Uznach, Bruno Bachmann, regt sich auf. Er habe aus den Medien von den Plänen erfahren. «Das ist stupid. Der Storch ist ein geschützter Vogel. Wir arbeiten eng mit der Gemeinde zusammen. Es ist tragisch, wenn man so etwas rauslässt.» Bachmanns Verein hilft unter anderem dabei, den Storchenkot zu entfernen.
Trotzdem gehören die Ausscheidungen der Störche zu den Aufregern im Ort. «Sicher sollen die reguliert werden, die verschmutzen alles», ereifert sich eine ältere Dame. Ein Mann pflichtet ihr bei: «Es ist schon an der Zeit. Es sieht nicht so appetitlich aus.»
Eine Velofahrerin hat Freude an den Störchen. «Ich habe sie gern. Ich schaue auch immer im Internet, was sie so machen. Einmal bin ich mit dem Velo hingefallen, weil ich den Störchen nachgeschaut habe», erzählt sie lachend.
«Ich denke, Mensch und Storch, das sollte aneinander vorbeigehen. Ich verstehe jene, die sich wegen der Verschmutzung aufregen. Aber ich verstehe nicht, warum man die Population halbieren soll», meint eine andere Passantin.
Kanton gar nicht zuständig
Wie genau die Regulierung geschehen soll, lässt die Gemeinde Uznach offen. Sie kann ohnehin nicht alleine darüber befinden. Den Schutz des Storches regelt der Bund. Die Kantone sind für den Vollzug verantwortlich. «Der Kanton St. Gallen kann in dieser Sache nicht entscheiden. Wenn schon, dann nur der Bund», sagt Dominik Thiel, Leiter des Amts für Natur, Jagd und Fischerei.
Unterdessen relativiert auch Gemeindepräsident Diego Forrer das Vorhaben etwas. «Die Gemeinde hat gegenüber dem Storchenverein suboptimal informiert», resümiert er.
Was die Halbierung der Population angeht, sagt Forrer: « Das war eine harte Aussage. Wenn wir die Population halten können oder nur 20 Störche weniger hätten, wäre das auch okay.» Forrer will mit dem Storchenverein an einen Tisch sitzen und nach Lösungen suchen.
Storchenvater Bachmann vertraut in dieser Angelegenheit weiterhin auf die Natur. «Die Population regelt sich selbst. Das hat sie schon immer getan.»
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