Erste Putin-Tanker steuern USA an – mit ein bisschen Diesel

- Der erste Tanker mit russischem Diesel ist im Rahmen des Diesel-Deals zwischen Russland und den USA unterwegs nach New York.
- Die «Agioi Fanendes» hat fast 300'000 Barrel geladen, die Ankunft ist für den 7. November vorgesehen.
- Das reicht für weniger als zwei Stunden US-Verbrauch, der Deal gilt vor allem als Propagandaerfolg für Putin.
Im Rahmen des umstrittenen Dieselabkommens zwischen den USA und Russland befindet sich nach Angaben des Analyseunternehmens Kpler ein erster mit russischem Diesel beladener Tanker auf dem Weg nach New York. Der unter maltesischer Flagge fahrende Tanker «Agioi Fanendes» befand sich am Freitag vor der Küste Helsinkis und führte New York als Zielhafen, wie der auf Schifffahrtsdaten spezialisierte Dienstleister Kpler mitteilte.
Der Öltanker hat Kpler zufolge fast 300'000 Barrel Diesel am russischen Ölterminal Primorsk geladen. Demnach ist die Ankunft für den 7. November vorgesehen. Die Plattform TankerTrackers berichtet zudem von zwei weiteren Tankern, die derzeit unterwegs zu den USA seien. Wie viel Diesel sie geladen haben, ist derzeit unklar.
Lieferung reicht für weniger als zwei Stunden
Gemessen am US-Verbrauch und der weltweiten Nachfrage sind die russischen Diesel-Mengen verschwindend klein: Die 300'000 Barrel Diesel auf der «Agioi Fanendes» decken den US-Verbrauch für weniger als zwei Stunden, da das Land laut dem Energiedepartement pro Tag im Schnitt 3,91 Millionen Barrel Diesel verbraucht.
Vladislav Vlasjuk, Beauftragter des ukrainischen Präsidenten für Sanktionspolitik, rechnet vor: Bis die russischen Tanker am 7. November die US-Küste erreichen, werden die Vereinigten Staaten selbst bereits über 30 Millionen Barrel Diesel exportiert haben – 100 Mal so viel, wie das Land dank Trumps Diesel-Deal von Russland abkaufen soll.
USA lockerte für Diesel-Deal Sanktionen
Der für Energie zuständige russische Vizeregierungschef Alexander Nowak hatte am Mittwoch die Abfuhr der ersten Ladung russischen Diesels in Richtung USA für den folgenden Tag angekündigt, wie russische Nachrichtenagenturen berichtet hatten. Washington und Moskau hatten sich Anfang Oktober auf das umstrittene Dieselabkommen geeinigt. Das von US-Präsident Donald Trump vereinbarte Geschäft war durch Lockerungen der US-Sanktionen ermöglicht worden. Die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten hatten es kritisiert, auch aus der republikanischen Partei gab es Protest.
Beobachter werten das Abkommen als Versuch Trumps, die Kraftstoffpreise für US-Verbraucher vor den Kongresswahlen in den USA am 3. November zu senken. Bei den sogenannten Midterms stehen Trumps Republikaner wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten und insbesondere der infolge des Iran-Kriegs hohen Spritpreise unter Druck. Der US-Präsident versucht aber immer wieder, der Ukraine die Hauptverantwortung für die Preisanstiege in die Schuhe zu schieben.
Trump lobt Russland trotz tausenden toten Zivilisten
Während die verschwindend kleinen Mengen aus dem Kreml-Deal die Diesel-Preise in den USA nicht merklich senken dürften, kann sich Russlands Präsident Wladimir Putin gleich mehrfach freuen: Dass die Vereinigten Staaten die Sanktionen gegen genau jenes Land lockert, das seit vier Jahren einen Angriffskrieg gegen die mit den USA verbündete Ukraine führt, ist für den Kreml-Chef ein grosser Propagandaerfolg.
Zudem spült ihm der Diesel-Deal auch wieder neues Geld in die Kriegskasse, das dem Kreml weiterhin ermöglicht, täglich Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur und die Zivilbevölkerung zu fliegen. Im August 2026 bezifferte das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte die Zahl der getöteten ukrainischen Zivilisten mit mindestens 16'800, darunter auch mindestens 820 Kinder. Derweil liess der US-Präsident Ende Oktober verlauten, dass sich «Russland in der Ukraine-Frage ehrlich gesagt ordentlich verhalten» habe. «Sie haben nicht viel unternommen», so Trump.
Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.
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