Vater soll Tochter (10) zur Zwangsheirat übergeben haben

- Peru und Ecuador haben zwei zehnjährige Mädchen gemeinsam aus mutmasslichen Zwangsehen gerettet.
- Die Mädchen sollten über die Grenze gebracht werden, um im jeweiligen Nachbarland verheiratet zu werden. Ein 50-jähriger Mann wurde festgenommen.
- Laut Unicef ist in Lateinamerika etwa jedes vierte Mädchen von einer Kinderehe betroffen – und die Zahlen gehen kaum zurück.
Es sind erschütternde Bilder, die das ecuadorianische Militär veröffentlicht hat: Zwei zehnjährige Mädchen sind bei einer gemeinsamen Polizeiaktion von Peru und Ecuador aus mutmasslichen Zwangsehen gerettet worden. Die Peruanerin und die Ecuadorianerin sollen über die Grenze gebracht worden sein, um jeweils im Nachbarland verheiratet zu werden.
Die Ermittlungen brachten nun weitere Details ans Licht: Im Fall des peruanischen Mädchens soll der eigene Vater die Verbindung mit einem indigenen Mann aus Ecuador arrangiert haben. Die Rettungsaktion erfolgte laut dem ecuadorianischen Portal «Extra» in Espejo am Fluss Tigre in der Amazonasprovinz Pastaza.
Zwei Väter arrangierten die Hochzeit
Die Mädchen werden derzeit weiterhin in Schutzeinrichtungen betreut. In ihre jeweiligen Heimatländer sind sie bislang nicht zurückgekehrt. Die ecuadorianische Generalstaatsanwaltschaft teilte mit, ein 50-jähriger Mann aus Ecuador sei im Rahmen der Ermittlungen festgenommen worden.
Nach Angaben der Behörde habe ein sogenannter Apu – ein indigener Gemeindevorsteher – die Übergabe seiner minderjährigen Tochter an einen Anführer einer nahe gelegenen Gemeinde am Tigre-Fluss veranlasst. Gegen ihn wird wegen Menschenhandels zum Zweck der Zwangsheirat ermittelt.

Kinderhandel in Lateinamerika geht kaum zurück
Der Aktion war eine zweimonatige Untersuchung vorausgegangen. Dabei stiessen die Behörden im Grenzgebiet auf zwei weitere mutmassliche Fälle von Kinderhandel. Die Vorgänge verweisen auf ein Problem, das weit über die betroffene Region hinausreicht.
Nach Angaben von Unicef ist in Lateinamerika und der Karibik etwa jedes vierte Mädchen vor dem 18. Lebensjahr von einer Kinderehe oder Frühverheiratung betroffen. Fachleute sehen vor allem darin Anlass zur Sorge, dass die Zahl solcher Fälle in dieser Weltregion im Gegensatz zu vielen anderen Gebieten kaum zurückgeht.
In Subsahara-Afrika ist der Anteil zwar weiterhin deutlich höher: Dort betrifft das Thema vier von zehn Mädchen. Zugleich ist in den vergangenen 25 Jahren ein Rückgang zu verzeichnen – auch dank gezielter Schutz- und Präventionsmassnahmen.
Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?
Hier findest du Hilfe:
Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter
Clickandstop.ch, Online-Meldestelle der Stiftung Kinderschutz Schweiz
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio, Beforemore und bei den UPK Basel.
Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
