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Saturday, September 26, 2026

Glosse zu neuem Slogan – «Dream Big» – Da schreibt sich das ZFF aber was auf die Fahne

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Stefan Gubser macht Online-Journalismus, seit es das Internet gibt. Früher befragte der gelernte Germanist berühmte Schauspieler. Heute wird er gerne mit einem verwechselt. Nur des Namens wegen!

«Dream Big»: Es wird vermutlich der eine oder die andere Besuchende am 22. Zurich Film Festival riesengrosse Augen machen, wenn er des – naturgemäss – nicht ganz zu übersehenden neuen Festival-Slogans gewahr wird. Rings a bell? Es klingelt ein Telefon. Eben diesen «Claim», wie man auf nicht mehr ganz Nagelneudeutsch sagt, führt auch der Schweizer Mobilfunkanbieter Sunrise im Untertitel. Mit dem Unternehmen spannt das ZFF seit dieser Ausgabe zusammen.

Vielleicht ist es gar nicht so peinlich, dass sich das Augenfestival mit dem Kopfsponsor einen betont memorabilen Merkspruch teilt.

Nun darf man einräumen: Dieses Slogan-Update steht dem ZFF gut zu Gesicht; es war an der Zeit, den alten Werbesprechspruch «'cause life is better with the movies» zu entsorgen. Von selbigem wusste man auch nie so recht, ob er geklaut war (und von wem) – und vor allem nicht, ob er jemals fachgerecht faktengecheckt wurde. Ich kann sagen: Seit ich kaum mehr ans ZFF gehe, geht es meinem Geldbeutel etwas besser.

Dass sich das Zurich Film Festival jetzt bewirbt wie sein Titelsponsor? Wir wollen die Aktion vorsichtig als «eher etwas unglücklich» abbuchen. Es passt aber leider ein bisschen ins Bild, das das ZFF einfach nie ganz loszuwerden scheint. «Ein Sponsorenanlass, der nebenher Filme zeigt», pflegen die cinephilen Sonderlinge und Romantiker zu unken, die lieber «Lichtspielhaus» sagen als «Multiplex». Das Festival hält (und hielt) stets dagegen, man erhalte in Zürich halt weniger Geld aus dem Bundesberner Fördertopf.

Anyway: «Dream Big» ist ein Claim, der zum ZFF passt wie die berühmte Faust aufs Auge, das in Zürich bekanntlich golden ist. (Ich finde übrigens: Man müsste auch dieses Logo dringend neu designen.) Anschlussfähig ist das doch, publikumsnah. Aber hallo: Wer träumt bitte NICHT gerne gross? Mein Problem mit Träumen ist in aller Regel eher: Ob gross oder klein, ob Alp oder Tal – ich habe sie meistens vergessen, bevor ich aufgewacht bin.

Vielleicht ist es gar nicht so peinlich, dass sich das Augenfestival mit dem Kopfsponsor einen betont memorabilen Merkspruch teilt. Alle müssen wir irgendwie sparen – auch die Marketingabteilungen. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute vor der Sitzungszimmertüre liegt? Das Schwächste an «Dream Big» ist allerdings: Auf so einen Satz wäre man auch ohne Sunrise gekommen – oder mit zwei Prompts bei einer KI. «Grosses Kino. Kleine Stadt.» Oder «Film ab – Welt an»? Nur zwei Gratis-Vorschläge.

Ein grosser Traum ist noch lange kein grosser Claim.

Der Film läuft schon? Dann möchte ich dem ZFF nur noch schnell zuflüstern: Ein grosser Traum ist noch lange kein grosser Claim. Das aber ist erst die halbe Wahrheit: Denn der ganze Sunrise-Spruch lautet: «Dream Big. Do Big.» Das Zurich Film Festival hat sich genau die Hälfte davon auf die Fahne geschrieben. Neue, beinahe bescheidene Töne an der Limmatstadt, die sich übrigens längst nicht mehr «Little Big City» nennt und auch nicht «Downtown Switzerland», sondern «Zürich, Schweiz».

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