Diskussion in Italien – Meloni nach Urteil gegen drei ägyptische Beamte im Dilemma

Diskussion in Italien Meloni nach Urteil gegen drei ägyptische Beamte im Dilemma
Drei Ägypter wurden in Italien wegen Mordes verurteilt. Eine Durchsetzung des Urteils gefährdet die Interessen Roms.
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01.10.2026, 06:01
Ein italienisches Gericht hat Anfang der Woche drei Beamte des ägyptischen Geheimdienstes in Abwesenheit zu je zehn Jahren Haft verurteilt. Sie sollen in Kairo einen italienischen Studenten entführt, gefoltert und getötet haben.
Der 28-jährige Student Giulio Regeni hatte zur ägyptischen Opposition geforscht und war den ägyptischen Machthabern ein Dorn im Auge. Sein Leichnam war übersät mit Folterspuren, als man ihn vor zehn Jahren am Rand einer Schnellstrasse ausserhalb von Kairo fand.
Von ägyptischen Beamten gefoltert
Regeni war ganz offensichtlich tagelang gequält worden. Der Verdacht fiel umgehend auf die Schergen des ägyptischen Regimes. Denn der Doktorand hatte für die Universität von Cambridge zur ägyptischen Opposition geforscht und war deswegen ins Fadenkreuz des Geheimdienstes geraten.
Dies zumindest ist die Einschätzung des Römer Gerichts. Und so verurteilte es drei Beamte des ägyptischen Geheimdienstes zu Haftstrafen. Ausserdem müssen sie die Familie des Opfers und den italienischen Staat mit insgesamt 650’000 Euro entschädigen. Dieser Betrag wird sofort fällig, während die Gefängnisstrafen anfechtbar sind.
Ägypten ist wichtig für Italien
Die grosse Frage ist jetzt, was das konkret heisst: Ginge es nur um Gerechtigkeit und Menschenrechte, so müsste Italien harsch reagieren. Zumal man weiss, dass Premierministerin Giorgia Meloni durchaus laut werden kann, wenn sie denn will.
Doch es blieb ruhig. Denn Ägypten ist für Italien wichtig. Kairo hat viel Einfluss im benachbarten Libyen und kontrolliert dort einen guten Teil der Migrations- und Fluchtbewegung Richtung Italien und Europa.
Nur schon darum will Rom es sich mit Kairo nicht verscherzen. Zudem fördert Italiens Staatskonzern Eni in Ägypten Gas und Öl. Darauf ist das energiehungrige Italien dringend angewiesen.
Meloni: Beziehungen mit Kairo nicht gefährden
Das Dilemma ist offensichtlich – und Rom laviert. Aussenminister Antonio Tajani wiegelte ab. Verurteilt worden seien lediglich Einzelpersonen, nicht aber der Staat Ägypten.
Das wiederum sorgte in Rom für Empörung, schliesslich handelt es sich bei den Verurteilten um Staatsfunktionäre. Meloni sah sich gezwungen, einzugreifen: Natürlich wolle auch sie die volle Wahrheit, doch man dürfe die diplomatischen Beziehungen mit Kairo nicht gefährden.
Verschärft wird die Lage durch einen weiteren Konflikt zwischen den beiden Ländern: Seit Monaten sitzt die Italienerin Nessy Guerra in Ägypten fest. Ihr ägyptischer Ex-Mann wirft ihr Ehebruch vor, ihr droht eine Haftstrafe. In Rom fürchtet man, Guerra könnte zum Faustpfand der Machthaber am Nil werden.
Was ist wichtiger: Gerechtigkeit für ein Folteropfer oder strategische Interessen? Das ist die Entscheidung, die Italien jetzt fällen muss.
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