«Es ist Zeit, wieder Barmherzigkeit und Toleranz zu lernen»

Darum gehts
- Über 3000 Mitarbeitende zählt Läderach heute, zu Zeiten von Johann Läderachs Grossmutter waren es 90.
- Er führt das Unternehmen seit 2018 und hat den Umsatz mehr als verdoppelt.
- Im Live-Talk sprach er über Glaube, Kakaopreise, Frischschoggi und die Filiale an der Fifth Avenue.
Trotz Zöllen, starkem Franken und Boykott-Aufrufen: Johannes Läderach führt seit acht Jahren den gleichnamigen Schoggihersteller aus dem Glarnerland und verdoppelte seither den Umsatz.
Im Interview mit 20-Minuten-Chefredaktorin Désirée Pomper beantwortete er die Fragen der Leserinnen und Leser. Das sind die Highlights des Live-Talks:
Führung
«Chefs sollten bei den Leuten sein und nicht im Büro.»
«Meinen Kindern lebe ich vor: Find your passion and find your money with it. Es wäre schön, wenn sie im Unternehmen arbeiten würden. Aber es kommt nie gut, jemanden einzuschränken.»
«In einer Krise lernt man, was das Fundament ist. Nämlich Familie und der Glaube. Wir dürfen unsere Identität nicht nur von unserer beruflichen Rolle ableiten, sonst fällt alles weg, wenn es nicht gut läuft.»
Glaube und Werte
«Die Polarisierung der Ränder ist schwierig. Ich setze mich für die Stärkung der Mitte der Gesellschaft ein.»
«Es ist Zeit, wieder Barmherzigkeit und Toleranz zu lernen. Da machen viele Christen, Linke oder Rechte einen schlechten Job. Wir haben viel mehr, was uns eint, als was uns trennt. Dafür setze ich mich ein.»
Wie stehst du zu Johannes Läderachs Aussage, dass es wieder mehr Barmherzigkeit und Toleranz braucht?
«Ich habe Homosexuelle wirklich gerne. Sie bereichern uns bei Läderach und fühlen sich sehr geschätzt. Wir sind alle Menschen, das verbindet uns.»
«Würde ein schwuler Mann diskriminiert, nähme ich ihn in Schutz. Ich habe null Toleranz bei jeder Form von Diskriminierung. Das ist unchristlich.»
«Ich war schon lange nicht mehr am Marsch fürs Läbe, ich habe meine Meinung weiterentwickelt.»
«Ich bin nicht mehr Mitglied des Vereins ‹Christianity for Today›. Ich bin heute Mitglied der reformierten Landeskirche.»
«Der christliche Glaube lehrt uns Respekt und Toleranz. Ich hatte viele kritische Gespräche mit meinem Vater. Auch wenn ich etwas anders sehe als sie, bleiben sie meine Eltern.»
«Respekt gegenüber den Menschen und der Natur ist nicht verhandelbar.»
«Es war mir sehr wichtig, dass das Unternehmen mit Spenden an umstrittene Organisationen aufgehört hat. Privat unterstütze ich ein christlich-soziales Projekt in Afrika.»
«Ich glaube zuerst an das Gute im Menschen. Wenn ich dann in mich schaue, gibt mir der Glaube Halt und Hoffnung, unabhängig davon, ob es im Geschäft gut läuft. Das tut mir gut.»
«Das Evangelium heisst gute Nachricht. Es soll befreien, nicht Angst machen.»
Zukunft
«Diese Schlagzeile wünsche ich mir: Der nächste Dubai-Trend kommt aus dem Glarnerland.»
«Man kann es auch umgekehrt sagen. Wenn man nicht gut wächst, schrumpft man. Das habe ich während Corona erlebt. Seither nehme ich Wachstum als Kompliment auf. Das bedeutet, dass unsere Mitarbeiter etwas gut machen. Aber wichtig ist eine gute Balance zwischen Wachstum und Investitionen.»
«Von meiner Grossmutter gibt es ganz wenige Aufnahmen, auf einer sagt sie: Wir sind schon 90 Mitarbeiter, muss das so sein? Heute sind wir über 3000. Es zeigt, dass das Wachstum nicht zu schnell sein sollte. Umgekehrt muss man Chancen dann packen, wenn sie sich ergeben. Entscheidend sind aber die Leute. Wichtig ist, die Kultur zu behalten, die uns ausmacht.»
«Eine Filiale an der Fifth Avenue in New York ist wie ein Traum. Auch wenn ich sehe, wie Menschen in anderen Städten unsere ikonischen Taschen tragen. Ich frage die Kollegen, ob das Schauspieler sind oder echte Kunden. Aber wir dürfen uns nicht ausruhen, sondern müssen wie Steve Jobs hungrig bleiben.»
«Wir wollen nicht um jeden Preis eröffnen und machen auch keine reinen Show-Filialen. Es ist sehr ermutigend, dass wir trotz Zöllen und starkem Schweizer Franken Kundinnen und Kunden finden, die unsere Schoggi kaufen wollen.»
Hygiene
«Frischschoggi muss schnell verkauft werden. Ich glaube, sie darf höchstens drei Wochen in den Filialen sein. Wir halten die Haltbarkeit künstlich kurz, damit es frisch ist. Wir haben deshalb Partnernetzwerke etwa mit Tafeln, um die Schoggi gratis weitergeben zu können.»
«Als wir Merkur übernommen haben, kam ein externer Verwaltungsrat, der sagte, wir sollten Schoggi so präsentieren wie Käse. Das gab es noch nicht, hat sich dann aber bewährt und durchgesetzt. Aber man muss viel beachten mit der Kühlung, der Reinigung, der Gewährleistung der Frische. Es gibt auch gewisse Länder wie Japan, wo der Offenverkauf nicht möglich ist, je nach Land sind die Kulturen unterschiedlich.»
Preise
«Die Kakaopreise sind zwar tiefer als zuvor, aber immer noch zwei- bis dreimal so hoch wie vor dem hohen Anstieg. Wir haben immer noch eine Kakaokrise.»
«Wir haben die Preise im einstelligen Bereich erhöht und haben nichts geplant für weitere Erhöhungen.»
«Bevor die Kakaopreise so gestiegen sind, haben wir 35 Prozent mehr bezahlt als den Börsenpreis. Wir wollen, dass die Bauern gerne und langfristig mit uns zusammenarbeiten.»
Das ist Johannes Läderach
Johannes Läderach (Jahrgang 1986) übernahm 2018 in dritter Generation die Position des CEO im Familienunternehmen. Ausserdem ist er seit 2021 Präsident des Verwaltungsrates. Er ist der älteste von sechs Geschwistern. Zwei Brüder sind ebenfalls im Verwaltungsrat. Elias ist Innovationschef und David ist General Manager Schweiz. Johannes Läderach hat Betriebswirtschaft und Marketing an der HSG studiert und war danach für Läderach in Deutschland tätig, bevor er zum Chef des Unternehmens aufstieg. Seither hat er den Umsatz mehr als verdoppelt und zahlreiche neue Filialen weltweit eröffnet.
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Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft
Désirée Pomper (dp), Jahrgang 1984, arbeitet seit 2009 für 20 Minuten. Sie ist seit Februar 2023 Chefredaktorin.
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