Krieg in der Ukraine – Unterwegs mit ukrainischen Drohnenkriegern

Über die Landstrasse sind Netze gespannt. Sie sollen vor russischen Drohnen schützen. Wir sind mitten in der Nacht unterwegs in der Ostukraine, unweit der Front. In einem Waldstück bereiten Soldaten ihre Mittelstreckendrohnen für den Abschuss vor.
Rund zwei Dutzend Männer hantieren an den Fluggeräten, füllen Benzin ein, testen die Elektronik. Am Waldrand stellen sie zwei Katapulte auf, mit denen die Drohnen später gestartet werden. Alles muss schnell gehen, nur im Schein von kleinen Taschenlampen. Für die russische Armee wäre diese ukrainische Eliteeinheit aus der Brigade «Ptachi Madjara» ein lohnenswertes Ziel.
Ferngesteuerte Drohnen mit bis zu 300 Kilometern Reichweite
Kommandiert wird die Truppe von einer jungen Frau mit dem Kampfnamen «Kometa». Sie erklärt die heutige Mission: «Unsere Ziele heute sind russische Flugabwehrsysteme, mobile Artilleriekanonen oder Militärlastwagen. Und wenn es irgendwelche anderen, schmackhaften Ziele gibt, können wir auch die angreifen.»
Die ukrainische Elite-Einheit bereitet den Drohnenstart vor
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Bild 1 von 3. Mitten in der Nacht wird die Drohne vorbereitet. Die Soldatinnen und Soldaten sind für den Start der Drohne zuständig, die Steuerung funktioniert aus der Ferne. Bildquelle: SRF /David Nauer.
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Bild 2 von 3. Die ukrainische Eliteeinheit analysiert die Drohnendaten genau: Anzahl Drohnenstarts, Beschädigungen und zerstörte Ziele. Bildquelle: SRF /David Nauer.
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Bild 3 von 3. «Wir bemühen uns, technologisch vorn mit dabei zu sein», sagt die Truppenkommandantin Kometa. Bildquelle: SRF /David Nauer.
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Kometa und ihre Kameraden kämpfen mit neuartigen Waffen gegen die Besatzer. Die Drohnen fliegen bis zu 300 Kilometer weit, tragen einen 10-Kilo-Sprengsatz. Sie sind mit einer Hochleistungskamera und einem Starlink-Terminal ausgestattet, das via Satellit eine Internetverbindung herstellt. Die Männer und Frauen im Wald starten die Drohnen bloss. Gesteuert werden sie dann von Piloten, die irgendwo in der Ukraine an einem Computer sitzen – und mit dem Fluggerät punktgenau russische Ziele treffen können.
Neue Waffen haben die Ukraine gerettet
Neue Technologien spielen im Krieg eine enorm wichtige Rolle. Kleine FPV-Drohnen, die aussehen, als habe man sie im Mediamarkt gekauft, halten die Front. Die deutlich grösseren Drohnen von Kometa und ihrer Truppe schwächen die russische Logistik im Hinterland so sehr, dass die Russen kaum mehr zu grösseren Offensiven in der Lage sind. Man kann mit Sicherheit sagen: Ohne Drohnen, ohne ständig neue Innovationen, hätte die Ukraine wohl schon lange kapitulieren müssen.
Doch auch Russland entwickelt regelmässig neue Waffen. Die ukrainische Hauptstadt Kiew wird seit Wochen unablässig mit neuartigen Drohnen und weiterentwickelten Raketen attackiert. Vor allem die neuen Jet-Drohnen der Russen sind gefährlich: Sie fliegen so schnell, dass die ukrainische Luftabwehr sie kaum abschiessen kann.
Es war ein aufsehenerregender Artikel: Im Sommer berichtete die «New York Times», eine russische KI-Drohne habe erstmals bei einem Angriff in der Ukraine Zivilisten getötet. Es soll sich also um eine Waffe gehandelt haben, bei der ein Computer entscheidet, wen sie angreift – und nicht mehr ein Mensch. Ist dieser Albtraum schon wahr geworden?
Ein Ukrainer mit dem Kampfname «Wild Cat» betreibt eine Firma, die künstliche Intelligenz in Waffen einbaut. Wild Cat bestätigt: Ukrainische Ermittler hätten in der fraglichen russischen Drohne einen Minicomputer gefunden, der voll KI-fähig sei. «Die Drohne war darauf trainiert, eine zivile Tankstelle zu suchen und dann zu attackieren», sagt er.
Allerdings: Auch die Ukraine setze bereits KI ein in ihren Drohnen. In einigen Abfangdrohnen etwa, die russische Angriffsdrohnen vom Himmel holen, übernimmt demnach bereits ein Computer die Steuerung. Der Vorteil von KI liegt für Wild Cat auf der Hand: Computergesteuerte Drohnen seien schneller – und effizienter. «Ein menschlicher Pilot kann gleichzeitig mit Dutzenden KI-Drohnen arbeiten», sagt Wild Cat.
Allerdings: An der Front sind KI-Drohnen noch eher selten im Einsatz. Die dafür benötigten Chips sind teuer – und viele Aufgaben erledigen auch einfachere Drohnen. Dennoch dürfte KI in Waffen die Zukunft sein. Dereinst könnten Roboter gegen Roboter kämpfen – eine beängstigende Aussicht? Wild Cats Antwort: «Ich mache mir auch Sorgen. Aber wir Ukrainer haben keine andere Wahl, als bei der Entwicklung dieser Technologie mitzumachen.»
Per Mausklick Starlink abgeschaltet
Kommt hinzu, dass ein hochtechnologischer Krieg auch verwundbar macht. Vergangene Woche funktionierten die militärisch genutzten Starlink-Empfänger der Ukrainer plötzlich nicht mehr richtig. Grund war möglicherweise, dass die US-Regierung die Ukraine unter Druck setzen will.
Inzwischen sind die Mittelstreckendrohnen zwar wieder im Einsatz, berichten unsere Kontaktleute bei Kometas Brigade. Aber der Vorfall zeigt: Die modernste Drohne mit Satelliten-Internet ist nicht viel wert, wenn sie von einem vermeintlichen Verbündeten per Mausklick ausser Gefecht gesetzt werden kann.
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