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Tuesday, October 27, 2026

Sorge um Israels Zukunft – Israel verliert seine Fachkräfte

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Maayan Haase will nicht weg. Israel sei ihr Zuhause, «das einzige, das ich kenne». Seit Jahren geht die Therapeutin mit ihrer Familie auf die Strasse für ein demokratisches Israel. Und doch stellt sie sich vor der Parlamentswahl dieselbe Frage wie viele säkulare, also nicht religiöse, Israeli: bleiben oder gehen? «Wenn wir keine andere Wahl haben, werden wir gehen.»

Wirtschaft trotzt dem Krieg

Von aussen betrachtet steht Israel wirtschaftlich gut da. Nach drei Jahren Krieg ist die Wirtschaftsleistung pro Kopf höher als vor dem Krieg, die Teuerung ist tief. Doch der Erfolg ruht auf wenigen Schultern: Die Hightech-Branche, rund ein Zehntel der Beschäftigten, erwirtschaftet etwa die Hälfte der Exporte, sagt Ökonom Dan Ben-David von der Universität Tel Aviv.

Person mit Brille und dunkelblauem Hemd sitzt vor einem Fenster mit unscharfem Garten im Hintergrund.
Legende: Die Therapeutin Maayan Haase hat Familie in Holland und Kanada. Trotzdem sagt sie: «Das hier ist mein Zuhause.» SRF/Christina Brun

Das Leben in Israel sei zwar teuer, sagt Maayan, «aber wir schaffen das. Das ist es nicht, was uns zerbrechen wird.» Was der dreifachen Mutter Sorgen macht, ist eine Gesellschaft, die auseinanderdriftet.

Zwei Welten

Nur wenige Kilometer von ihrem Zuhause entfernt liegt Bnei Brak. Hier leben fast nur Ultraorthodoxe. Die Familien sind gross, viele Männer studieren die Thora statt zu arbeiten, die meisten leisten keinen Militärdienst. Sie sehen ihren Beitrag anderswo. «Wir beten für die Soldaten und ihren Erfolg», sagt Shimon Weiss. Chaim Eliyahu ergänzt: «Wir sind ein kleines Land und haben Erfolg. Der kommt auch davon, dass wir die Thora studieren.»

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  • Bild 1 von 3. Für Shimon Weiss gehört die Unterstützung der Soldaten zum Gebet dazu. Bildquelle: SRF/Christina Brun.

  • Bild 2 von 3. Chaim Eliyahu ist überzeugt, dass auch das Studium der Thora zum Erfolg Israels beiträgt. Bildquelle: SRF/Christina Brun.

  • Bild 3 von 3. In Bnei Brak leben grösstenteils ultraorthodoxe Jüdinnen und Juden. Bildquelle: SRF/Christina Brun.

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Die ultraorthodoxe Gemeinschaft wächst schnell: Ultraorthodoxe Familien haben im Schnitt fast sieben Kinder, säkulare rund zwei. Heute ist bereits jedes vierte Kleinkind in Israel ultraorthodox. «Wir bringen unseren Kindern bei, in vier verschiedenen Ländern zu leben», sagt Ökonom Ben-David.

Er meint die getrennten Schulsysteme für säkulare, religiöse, ultraorthodoxe und arabischsprachige Kinder. «Und dann wundern wir uns, dass sie nicht miteinander leben wollen.» Ohne solide Bildung, warnt Ben-David, könne Israel weder seine Wirtschaft noch seine Verteidigung halten.

Säkulare und Ultraorthodoxe werden so bald nicht wieder zusammenfinden. Die Kluft ist zu gross.

Wie es um die Bildung steht, zeigt die neuste Pisa-Studie: Israel liegt weit hinten unter den OECD-Ländern und deutlich hinter der Schweiz. Die meisten ultraorthodoxen Buben nehmen gar nicht teil, weil an ihren Schulen Fächer wie Mathematik fehlen. Doch auch säkulare Schulen schneiden schlechter ab als die der meisten OECD-Länder.

Wer geht, wer bleibt

Laut einer Umfrage des Israel Democracy Institute denken 39 Prozent der säkularen Israeli ans Auswandern, bei den Ultraorthodoxen sind es 3 Prozent. Als Hauptgründe nennen viele die hohen Lebenskosten und die Sorge um die Zukunft ihrer Kinder. Und viele gehen tatsächlich, überdurchschnittlich oft Ärzte, Ingenieurinnen und Akademiker.

«Es muss nicht eine Million gehen, damit wir ein Problem haben», sagt Ben-David. Hightech, Ärzteschaft und Hochschulen zusammen umfassten weniger als 300’000 Menschen.

Doch können Säkulare und Ultraorthodoxe überhaupt wieder zusammenfinden? «Irgendwann, hoffe ich», sagt Maayan. «Aber nicht so bald. Die Kluft ist zu gross.»

Für Ben-David entscheidet sich Israels Zukunft weniger daran, wer regiert, als daran, was die nächste Regierung anpackt, egal ob sie rechts oder links steht. «Die Subventionen und Leistungen für die Ultraorthodoxen sind 40 Prozent höher als alles, was der Staat für Spitäler und Hochschulen ausgibt. Das muss sich ändern.» Maayan setzt darauf. «Die Hoffnung ist das Einzige, was uns hier hält.»

Rund 7.3 Millionen Wahlberechtigte sind in Israel aufgerufen, die 120 Abgeordneten des Parlaments zu bestimmen. Ob sich Benjamin Netanjahu dabei erneut eine Mehrheit sichern kann, ist ungewiss. Als sein Hauptrivale gilt der Ex-Militärchef Gadi Eisenkot.

Nach Schliessung der Wahllokale am Dienstagabend sollen erste Prognosen auf Grundlage von Nachwahlbefragungen veröffentlicht werden. Mit vorläufigen Endergebnissen rechnet das Wahlkomitee frühestens am Donnerstag. Die offiziellen Ergebnisse sollen acht Tage nach der Wahl veröffentlicht werden.

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