«Das Thema Doping geht bei uns schon in Richtung Paranoia»

- Belinda Bencic verrät ihre Essensgewohnheiten auf der Tour
- Sie setzt auf spezifische Supplementierung – und ist neu Investorin
- Was gar nicht geht und welches Flughafen-Essen sie bereut
Marco PescioReporter Sport
Ningbo (China), Tokio, Hongkong: Auf Belinda Bencic (29) wartet zum Ende dieser Saison ein straffes Programm – und ein kulinarisch spannendes, wie sie sagt. In Tokio fühle sie sich, was die Küche anbelangt, wie im Himmel auf Erden. Im Rahmen eines Medientermins mit ihrem neuen Partner Ka-Ex, bei dem sie auch als Investorin einsteigt, spricht die Olympiasiegerin über ihren Ernährungsalltag, Supplementierung, Regeneration, Doping-Paranoia und einen Geschmack, den sie gar nicht mag.
Blick: Belinda Bencic, wann haben Sie das letzte Mal kulinarisch gesündigt?
Belinda Bencic: (Überlegt.) Vor der Asientour. Ich ging in Wien essen und habe mir natürlich ein Schnitzel gegönnt. Wenn ich mal freihabe, dann darf es auch mal so etwas sein.
Sie hüpfen von Stadt zu Stadt, von Kontinent zu Kontinent. Wo gibt es das beste Essen?
In Japan und Italien. Ich esse praktisch alles. Aber überall, wo ich bin, schaue ich als Erstes, ob es einen guten Japaner oder Italiener in der Nähe hat.
Wo ist das Essen eine Herausforderung?
In China beispielsweise. Ich mag diese Küche und Kultur zwar auch, doch es geht mehr um die Frage: Verträgt man es vor einem Match? Teilweise sind wir uns diese anderen Gewürze nicht gewohnt.
Wie stark ist Ihr Ernährungsalltag durchgetaktet?
Während eines Turniers schon sehr. Dann hängt die Verpflegung auch von der Uhr- beziehungsweise Spielzeit ab. Und es geht um die Balance, dass man genug Energie zu sich nimmt, aber auch nicht zu viel – damit man das Gewicht halten kann. Das ist bei jeder Spielerin individuell anders.
Was essen Sie konkret vor einem Spiel?
Reis mit Olivenöl und etwas Salz. Früher, zu Beginn meiner Karriere, war es noch gang und gäbe, dass man viel Pasta zu sich nahm. Das hat sich längst geändert. Wir schauen, dass die Kost vor dem Match nicht zu schwer ist.
Und danach?
Dann ist es vor allem wichtig, innerhalb einer Stunde nachzuladen. Heisst: zum Beispiel Poulet oder ein anderes Fleisch mit Kartoffeln. Möglichst gesund und ausgewogen. Zucker schadet während des Turniers nur. Der gibt dir eine Energiespitze, die schnell wieder runterfällt. Noch wichtiger aber ist …
Ja?
… die Uhrzeit. Ich achte darauf, nicht zu spät zu essen. Das stört sonst die Regeneration in der Nacht.
Wie sieht es mit der Supplementierung aus?
Vor allem Kreatin ist auf der Tour mega normal geworden. Früher hiess es: Das nehmen nur die Pumper im Fitnesscenter. Mittlerweile weiss man, dass Kreatin täglich sehr wichtig für den Körper ist. Da kommt Ka-Ex mit ihren Produkten ins Spiel. Als Beispiel: Der Kreatin-Booster pusht mich vor der Belastung. Und abends nehme ich einen Kortisol-Reducer, um mein System besser herunterfahren zu können.
Wie hungrig sind Sie darauf, einst auch als Geschäftsfrau und Investorin erfolgreich zu sein?
Ich finde es eine spannende Aufgabe. Und möchte mich nun gegen Ende meiner Karriere schon ein wenig für die Zeit danach aufstellen. Ka-Ex ist diesbezüglich mein erstes Projekt – und gleichzeitig eine Firma, die ich schon lange verfolge. Ich stehe voll hinter den Produkten. Deshalb habe ich hier auch mehr als eine einfache Sponsoring-Partnerschaft angestrebt.
Stellen WTA-Turniere auch von sich aus Produkte zur Verfügung?
Ja. Zudem bieten sie eine Beratung an. Man kann beispielsweise auf sie zugehen, wenn man ein eigenes Produkt mitbringt. Dann wird es geprüft.
Denn das Allerwichtigste bleibt freilich die Dopingkontrolle.
Genau. Das Thema ist allgegenwärtig. Das geht bei uns schon in Richtung Paranoia. Doch es gehört nun mal auch zum Job. Nur schon bei einer Erkältung ist das ein grosses Ding. Jede Lutschtablette und jeden Nasenspray prüfen wir zuerst. Und im Zweifelsfall gilt: lieber etwas nicht nehmen.
Schwenken wir zurück zur Ernährung: Ihr Cheat-Meal?
Eine feine Pizza. Und vielleicht ein Dessert.
Was kommt bei Ihnen nie auf den Tisch?
Süssgetränke. Das passiert sehr, sehr, sehr selten. Wenn ich mir was gönne, dann eher ein Stück Schokolade. Und beides geht sowieso nicht.
Wie gut kochen Sie?
Mittelgut. Ich bin nicht die grösste Expertin, aber ich bin in einigen Sachen ziemlich sicher. Und ich kann vermutlich besser backen als kochen.
Wessen Essen schmeckt Ihrer Tochter Bella am besten? Ihres oder das Ihres Mannes?
Ich glaube fast, jenes von Martin (Hromkovic, d. Red.). Bei ihm kann es schon mal ein Wienerli geben. Damit punktet er natürlich. Ich bin dann eher diejenige, die sagt, es muss was «Richtiges» geben – mit Gemüse natürlich.
Trotz Wienerli: Ihr Mann hat einen grossen Anteil an Ihrer Ernährung.
Absolut. Als mein Fitnesscoach hat er mir geholfen, in diesem Thema eine gute Balance zu finden. Es ist teilweise aber auch schwierig, wenn man neben ihm auf dem Sofa sitzt und eigentlich gerne snacken würde. Da kann man nicht einfach eine Chips-Packung hervorholen. (Lacht.)
Darf während der Saison ein Glas Wein sein?
Zu gegebenem Anlass, ja. In Massen.
Stan Wawrinka (41) bestellte sich 2015 mal mitten in einem Match gegen Rafael Nadal (40) einen Kaffee. Das wird bei Ihnen nie passieren, oder?
Nein, ich mag den Geschmack von Kaffee immer noch nicht. Auch auf den Matcha-Zug bin ich nicht aufgesprungen. Dann bin ich eher wieder – Sie erkennen das Muster – bei einer heissen Schoggi.
Könnten Sie auf Fleisch verzichten?
Nein. Ich mag es zu sehr. Und es ist meiner Meinung nach immer noch die beste Proteinquelle.
Hatten Sie schon mal eine Lebensmittelvergiftung?
Nur jene, die ich benutzt habe, um damals nicht zu sagen, dass ich schwanger war. (Schmunzelt.) Wobei: Vor langer Zeit hatte ich mal an einem Flughafen einen abgepackten Salat gegessen. Danach lag ich sieben Tage flach. Das mache ich heute nicht mehr.
Sportlich gesehen: Ist Ihr Hunger auf Erfolg mittlerweile anders als zu Beginn Ihrer Karriere?
Er ist einfach anders. Ich bin auch heute noch sehr motiviert und hungrig. Der Unterschied ist, dass man zu Beginn der Laufbahn noch viel befreiter aufspielt.
Wann ist Ihr Hunger in der noch laufenden Saison gestillt?
Dann, wenn ich das Jahr in den Top 15 beende. Dafür muss ich hart kämpfen, aber es wäre cool.
Zum Abschluss: Wenn Sie grade auf nichts achten müssten, was würden Sie sich gerade jetzt in dieser Sekunde genehmigen?
Es ist seltsam: In der Turnierphase ist man so programmiert, dass man gar nicht auf die Idee kommt, so weit zu studieren. Aber es wäre vermutlich ein Glace.
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