«Wäre als Tourist enttäuscht»: Machen Kräne Zürich-Idylle kaputt?

- Weil kaum noch unbebautes Land übrig ist, wird in Zürich fast nur noch auf bereits bestehenden Grundstücken gebaut.
- Dennoch stören sich einige an den vielen Kränen, ein News-Scout vermutet enttäuschte Touristen.
- Gemäss Hochbaudepartement der Stadt Zürich sowie ETH-Dozentin Sibylle Wälty ist die Bautätigkeit hoch, aber nicht ungewöhnlich.
Wer beim Schlendern durch Zürich den Blick nach oben richtet, erblickt neben Kirchen, Wohnhäusern und Bürogebäuden eine Vielzahl an Kränen. «Wie muss das wohl auf Touristinnen und Touristen wirken, die sich auf die schöne Zürcher Kulisse gefreut haben?», fragt sich ein News-Scout. Er findet: «Als Tourist wäre ich wohl ein wenig enttäuscht, wenn ich reihenweise rote und orangefarbene Blechgiganten anschauen müsste.»
Gemäss Zürich Tourismus sind allerdings bislang keine Beschwerden von Touristinnen und Touristen eingegangen. Auf Anfrage von 20 Minuten erläutert das Hochbaudepartement der Stadt Zürich die Gründe für die intensive Bautätigkeit: «Zürich ist attraktiv und wächst durch seine hohe Lebensqualität, die starke Wirtschaft und die Bedeutung als Bildungsstandort stetig.» Hinzu kämen Faktoren wie die Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr.
Zersiedelung vermeiden
«Zudem setzen Bund, Kanton und Stadt auf die gezielte Verdichtung nach innen: Statt auf der grünen Wiese wird im Bestand gebaut, um Zersiedelung zu vermeiden sowie Emissionen und Kosten zu sparen», heisst es seitens der Stadt.
Grundsätzlich werde zwischen Wohnungsbau und Nichtwohnungsbau unterschieden. Gemäss Stadt handelt es sich bei einer Mehrheit der Bauprojekte um Wohnungsbau: «Dies ist keine neue Entwicklung, sondern lässt sich in der Stadt Zürich bereits seit Längerem beobachten.» Auffällig sei dabei, dass Umbauten im Vergleich zu Neubauten stark dominieren.
«Überdurchschnittliche Abbruchtätigkeit für künftige Neubautätigkeit»
Seit 2022 zeichne sich ein deutlich höheres Niveau an Neubauten und Umbauten ab, die in der Stadt Zürich fertiggestellt, respektive neu bewilligt wurden. Allerdings sei für das Jahr 2025 keine höhere Bautätigkeit als in den Vorjahren zu beobachten.
«Aktuelle Zahlen zeigen jedoch eine überdurchschnittlich hohe Abbruchtätigkeit in der Stadt, was ein Hinweis ist auf zukünftige Neubautätigkeit», so die Stadt Zürich.
«Starkes Arbeitszentrum und hohe Nachfrage nach Wohnraum»
Sibylle Wälty, Dozentin des Architektur-Departements der ETH Zürich und Gründerin des ETH-Spin-offs Resilientsy, ordnet die Thematik aus fachlicher Sicht ein. Die Bautätigkeit sei zwar hoch, aber nicht ungewöhnlich. Verändert habe sich hingegen, wie gebaut werde: «Was heute gebaut wird, prägt die Stadt für die nächsten 30 bis 50 Jahre. Deshalb ist die laufende Revision der Bau- und Zonenordnung so wichtig. Dort entscheidet sich, wie viele Menschen künftig in Zürich Platz finden.»
Über die Expertin
Dr. sc. Sibylle Wälty ist Dozentin am Departement Architektur an der ETH Zürich und Gründerin des ETH-Spin-offs Resilientsy. Von 2016 bis 2025 war sie Forschungsleiterin am ETH-Wohnforum. Ihre Schwerpunkte liegen unter anderem in den Bereichen Stadtanalyse, Stadtgestaltung und nachhaltig dynamische Planungsmöglichkeiten.
«Gleichzeitig sind die Bauzonen weitgehend überbaut.» Auf zuvor unbebautem Land entstünden heute nur noch rund sechs Prozent der neuen Wohnungen. Wer in der Stadt baut, baue deshalb fast immer auf einem Grundstück, auf dem bereits etwas steht.
«Mehr Wohnraum am richtigen Ort ist auch eine Chance für die Quartiere, wenn die Freiräume mitgeplant werden.»
Wohnungen, Hochschulgebäude und Büroflächen
«In der Stadt Zürich wurden 2025 knapp 3000 Wohnungen fertiggestellt und fast 1400 abgebrochen, so viele wie seit 2021 nicht mehr. Es wird also viel gebaut, aber ein grosser Teil davon ersetzt, was vorher schon da war», so Wälty. «Entscheidend ist, was die Bau- und Zonenordnung erlaubt. Lässt sie am selben Ort nur wenig mehr zu, entstehen nach dem Abbruch kaum mehr Wohnungen als vorher, oft aber viel teurere.»
Allerdings stehe nicht jeder Kran für Wohnungen. So wird aktuell etwa das Hochschulgebiet erweitert. Mehr Arbeitsplätze und mehr Studierende würden die Nachfrage nach Wohnraum in allen Preissegmenten ebenfalls erhöhen – «und das in einer Stadt, in der Wohnungen seit Jahrzehnten knapp sind.»
Dicht bewohnte Regionen würden sich auch auf das Quartierleben auswirken. Wenn Wohnungen, Schulen, Läden und Cafés nahe beieinanderliegen, lassen sich die Wege des Alltags zu Fuss erledigen, wie Wälty betont.
Aktiviere jetzt den Zürich-Push!
Mit dem Zürich-Push von 20 Minuten bekommst du die aktuellsten News aus der Region Zürich, Aargau und Schaffhausen blitzschnell auf dein Handy geliefert.
So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten auf «Profil», dann aufs «Einstellungen»-Zahnrad und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Wähle hier die gewünschten Themen aus. Voilà!
Lisa Arnold (lia) arbeitet seit März 2026 bei 20 Minuten als Praktikantin im Ressort Zürich.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
