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Tuesday, November 3, 2026

Wanderung des Monats November – Hinter den Villen von Wollerau beginnt die Wildnis

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Ruhiger See mit reflektierenden Landschaften und umliegenden Hügeln.
Legende: Keystone/Walter Bieri

Dieses Mal verzichte ich bewusst auf Höhenmeter und ein Gipfelziel. Denn was zwischen Wollerau SZ und Wädenswil ZH liegt, eignet sich optimal für einen ausgedehnten und spannenden Sonntagsspaziergang – idealerweise an einem nebelfreien Novembertag.

Los geht es beim Bahnhof Wollerau. In einer halben Stunde erreiche ich das Erlenmoos, eine weitläufige Freizeitsportanlage und beliebter Treffpunkt für Jung und Alt.

Verlockend ist der Gripspfad: Ein Rundweg mit verschiedenen Posten, bei denen sich Erwachsene und Kinder in Geschicklichkeit, Koordination und Konzentration üben können.

Nach dem Erlenmoos wird es ruhiger. Ich peile den Freyenweijer an, der hier umgangssprachlich auch Itlimoosweiher genannt wird. Der Weiher, bei dem sich ein Schilfgürtel im Wasser spiegelt, ist kein natürlicher See.

Er wurde 1887 von der Gebrüder Frey AG als Wasserspeicher angelegt. Sein Wasser wurde genutzt, um über den Krebsbach die Färberei Frey in Wollerau mit Wasserkraft zu versorgen.

Der Freyenweijer oder auch Iltimoosweiher gehört zu einem geschützten Moorgebiet von nationaler Bedeutung.

Nach Ablauf des ursprünglichen Weihervertrags 1995 wurde er auf Wunsch der Gemeinde Wollerau nicht trockengelegt, sondern als Teil des Naherholungsgebiets erhalten und unter Naturschutz gestellt. Der Freyenweijer gehört zu einem geschützten Moorgebiet von nationaler Bedeutung.

Beim Freyenweijer folge ich dem Weg Richtung Neumüli. Am Rand des Gemeindegebiets in Richtung Hütten stand ab dem späten 15. Jahrhundert die Lölismühle, die 1656 und 1851 vollständig abbrannte und 1854 als Neumühle wiederaufgebaut wurde.

Dank der ortsansässigen Familie Scheiweiler und der Vereinigung der Alten Garde von Wollerau ist das über 8 Meter grosse und rund 30 Tonnen schwere Wasserrad, eines der grössten Europas, wieder in Betrieb.

Bei der Neumüli lohnt es sich, genau hinzuschauen. Hier steht auch der Grenzstein zwischen Zürich und Schwyz. Ein markanter Findling, der die Kantons- und Gemeindegrenze markiert.

Ab hier wird die Wanderung zu einer kleinen Zeitreise. Zwischen Wiesen, Ried und Wald verläuft der Weg durch eine Landschaft, deren heutige Ruhe kaum erahnen lässt, wie stark sie einst von Landwirtschaft, Wasser und Verkehrswegen geprägt war.

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  • Bild 1 von 9. Der Hüttnersee befindet sich in einem Naturschutzgebiet zwischen den Dörfern Hütten und Samstagern im Kanton Zürich. Gespiesen wird der Hüttnersee vom Sägelbach und vom Krebsbach, wobei letzterer auch wieder aus dem See ausfliesst. Im Sommer kann man im vorderen Teil baden, im Winter ist der See teils zugefroren. Bildquelle: Keystone/Walter Bieri.

  • Bild 2 von 9. Durch landwirtschaftliche Überdüngung ist der Hüttnersee stark belastet und wird seit Jahrzehnten künstlich belüftet. Eine Pumpe saugt am Grund des Sees sauerstoffarmes Tiefenwasser an. Über einen Injektor wird Luft beigemischt, wodurch das Wasser im Steigrohr Auftrieb erhält und an der Oberfläche Sauerstoff ausstösst. Bildquelle: Keystone/Walter Bieri.

  • Bild 3 von 9. Die Geschichte der heutigen Neumühle geht bis ins späte Mittelalter zurück. Die Mühle brannte mehrmals ab. 1854 wurde sie unter dem heutigen Namen wieder aufgebaut und in Betrieb genommen. Die Mühle ist frei zugänglich und kann besichtigt werden. Bildquelle: SRF/Marcel Hähni.

  • Bild 4 von 9. Die Neumühle in Wollerau war das Lebensprojekt von Erwin Scheiweiler, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, das grösste Stahlwasserrad Europas vor dem Verfall zu retten. Nach seinem Tod übernahm diese Aufgabe seine Familie und die Vereinigung der Alten Garde von Wollerau. Bildquelle: SRF/Marcel Hähni.

  • Bild 5 von 9. Der Grenzstein musste im Zusammenhang mit dem Strassenbau beziehungsweise der Strassenführung verschoben werden. Der auffällige Findling stammt ursprünglich aus der Eiszeit. Er wurde also von den Gletschern hierher transportiert. Bildquelle: SRF/Marcel Hähni.

  • Bild 6 von 9. Der Freyenweijer, auch Itlimoosweiher genannt, liegt in der Gemeinde Wollerau SZ. Er befindet sich im Naturschutzgebiet rund 900 Meter westlich des Hüttnersees auf einer Höhe von 647 Metern über Meer. Der Weiher wird vom Krebsbach gespeist, der auch wieder aus ihm abfliesst. Bildquelle: Keystone/Walter Bieri.

  • Bild 7 von 9. 1859 gründete Tobias Frey in der Roos in Wollerau eine Baumwollweberei und sicherte sich die Wasserrechte des Krebsbaches. Oberhalb des Dorfes liess er daher den Iltimoosweiher stauen. Später wurde aus der Färberei eine Bleicherei und prägte über Jahrzehnte die Wirtschaft von Wollerau. Bildquelle: SRF/Marcel Hähni.

  • Bild 8 von 9. Die Wanderung verläuft unterhalb der Hügelkette der Höhronen im Grenzgebiet Schwyz und Zürich. Auf der Rückseite befindet sich das Hochmoor von Rothenturm. Bildquelle: SRF/Marcel Hähni.

  • Bild 9 von 9. Hütten liegt am südlichen Zipfel des Bezirks Horgen. Somit ist Hütten die südlichste Ortschaft im Kanton Zürich. Hütten gehört seit 2019 zur Stadt Wädenswil. Bildquelle: Keystone/Walter Bieri.

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Über Samstagern auf dem Gebiet von Richterswil geht es schliesslich zum Hüttnersee. Dieser liegt auf 658 Metern in einer eiszeitlich geprägten Moränenlandschaft.

Auf dieser Wanderung läuft man nicht einfach von A nach B – man wechselt ständig die Perspektive: Mal ist man im Kanton Schwyz, mal im Kanton Zürich.

Bereits 1945 wurden der Hüttnersee und seine Umgebung unter Schutz gestellt. Landwirtschaftliche Einträge belasteten das Gewässer allerdings über längere Zeit, deshalb wird der See seit 1983 künstlich belüftet.

Auf dieser Wanderung läuft man nicht einfach von A nach B – man wechselt ständig die Perspektive: mal ist man im Kanton Schwyz, mal im Kanton Zürich.

Zum Schluss geht es um den halben Hüttnersee und weiter nach Hütten, das heute zur Stadt Wädenswil gehört. Von dort kann man mit dem Postauto nach Wädenswil fahren. Am Bahnhof gibt es Anschluss nach Zürich, Pfäffikon oder Chur.

Holzschnitt eines mittelalterlichen Schlachtfelds mit Soldaten und Kanonen.
Legende: Schlacht während der Reformationskriege in der Schweiz Keystone

Das friedliche Itlimoos bei Wollerau und die Sternschanze von Samstagern waren vor gut 300 Jahren ein wichtiger militärischer Schauplatz. Im Jahr 1712, während des sogenannten Toggenburgerkriegs (auch bekannt als Zweiter Villmergerkrieg) standen sich Zürich und Schwyz feindlich gegenüber.

Die Landschaft rund um Samstagern, Wollerau, Schindellegi und das Itlimoos lag direkt an der damaligen Konfliktlinie.

Die Schwyzer verstärkten ihre Truppen in der Gegend und errichteten im Itlimoos eine sogenannte Keilschanze. Sie war mit fünf Geschützen bestückt. Von hier aus konnten die Soldaten unter anderem auf Befestigungsanlagen auf der Zürcher Seite schiessen.

Im Toggenburgerkrieg gewannen die reformierten Orte Bern und Zürich zusammen mit den protestantischen Aufständischen aus dem Toggenburg gegen die katholischen Kantone der Zentralschweiz und den Fürst von St. Gallen.

Heute erinnert kaum noch etwas an diese militärische Vergangenheit. Wo einst Soldaten auf ihre Gegner warteten, spazieren heute Familien, Wanderer und Hundebesitzer durch Riedlandschaften und Wald.

Was ich an dieser Wanderung schätze, ist, dass sie auf wenigen Kilometern unglaublich viel über diese Gegend erzählt – von der Eiszeit über die Industrialisierung bis zum Freizeitsport.

Dazwischen läuft man gemütlich durch eine wunderschöne Landschaft. Die Erkenntnis am Schluss: Es braucht nicht immer einen Gipfel für eine tolle Wanderung.

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