Jeder vierte Pilot fliegt, obwohl er zu müde ist

- Laut einer Umfrage erlebten 76,8 Prozent der befragten Pilotinnen und Piloten in den letzten vier Wochen einen Sekundenschlaf im Cockpit.
- An der Studie im Auftrag der europäischen Cockpitvereinigung ECA nahmen 7200 Pilotinnen und Piloten teil.
- Nur 37,2 Prozent melden sich bei Übermüdung fluguntauglich, fast ein Viertel fliegt trotzdem weiter.
Übermüdete Pilotinnen und Piloten sind nach Einschätzung der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ein erhebliches Sicherheitsrisiko in der europäischen Luftfahrt. Bei einer aktuellen Umfrage berichteten drei von vier Piloten (76,8 Prozent), dass sie in den vergangenen vier Wochen mindestens einmal während eines Fluges einen Sekundenschlaf erlebt haben, so die VC. 36,8 Prozent erklärten zudem, nicht ausreichend Ruhezeit zu erhalten, um eine zunehmende Übermüdung zu verhindern.
Der Studie der Beratungsgesellschaft Baines Simmons im Auftrag der europäischen Cockpitvereinigung ECA komme ein enormes Gewicht zu, erklärte die für Sicherheit zuständige VC-Vorständin Anja Granvogl. Grund dafür sei allein die grosse Zahl von 7200 beteiligten Pilotinnen und Piloten. Die Kollegen beschäftigten sich sehr mit dem Thema Übermüdung und sähen dringenden Handlungsbedarf.
Ergebnisse von Schweizer Piloten
Antworten der Schweizer Pilotinnen und Piloten sind in der neuen Studie nicht mehr als eigenständige Kategorie sichtbar. Die Autoren erklären dies so: Im Jahr 2023 gab es 765 Antworten von Piloten mit Basis in der Schweiz. Im Jahr 2026 hat man nur noch Antworten von 97 Befragten zur Verfügung. Länder mit weniger als 100 Rückmeldungen werden in der Kategorie «Sonstige» zusammengefasst.
Schwächen bei der Meldekultur
Auch bei der Meldekultur von sicherheitsrelevanten Ermüdungserscheinungen zeige die Studie erhebliche Schwächen. Nur 37,2 Prozent der Teilnehmer geben an, sich bei ermüdungsbedingter Fluguntauglichkeit tatsächlich fluguntauglich zu melden. Fast ein Viertel (24,2 Prozent) fliege nach eigenen Angaben trotz Ermüdung weiter, ohne diese zu melden. Hier spiele die Sorge vor Bestrafungen oder Vergeltungsmassnahmen durch das Management mit.
Das wird nun gefordert
Die VC verlangt Konsequenzen aus dem Befund, der bei der Vorgängerstudie vor drei Jahren bereits ähnlich ausgefallen war. «Flugsicherheit darf weder vom wirtschaftlichen Druck einer Fluggesellschaft noch vom Mut einzelner Pilotinnen und Piloten abhängen», erklärt Granvogl. Die Airlines müssten ihrer Verantwortung gerecht werden und die Aufsichtsbehörden bestehende Vorschriften konsequenter überwachen sowie Regelungslücken schliessen.
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Justin Arber (jar), Jahrgang 1999, arbeitet seit 2022 als Redaktor am Newsdesk. Zeitweise übernimmt er da die Schichtleitung im Früh- und Spätdienst.
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