International abgehängt – Schweizer Fussball kämpft um internationalen Anschluss

International abgehängt Schweizer Fussball kämpft um internationalen Anschluss
Erstmals seit 23 Jahren fehlt die Schweiz in Champions und Europa League. Hoffnung ruht auf der Nachwuchsförderung.
25.09.2026, 13:38
Nur noch vier statt bisher fünf Schweizer Klubs dürfen an europäischen Wettbewerben teilnehmen. Zudem müssen sie im Vergleich zu früher höhere Qualifikationshürden überwinden.
FC-Zürich-Präsident Ancillo Canepa denkt an vergangene Champions-League-Abende: «Ich erinnere mich noch an die Zeit, als der Schweizer Meister direkt für die Gruppenphase qualifiziert war. Oder der Cupsieger zumindest für die Europa League. Das ist vorbei. Für uns in der Schweiz ist das eine schwierige Ausgangslage.»
Es scheint, als befinde sich die Schweiz in einer Abwärtsspirale. Je weiter sie in der UEFA-Nationenrangliste zurückfällt, desto höher sind die Hürden, sich für europäische Turniere zu qualifizieren und Punkte zu sammeln. Und das bedeutet, dass man bei einer Nichtqualifikation in der Rangliste weiter abrutscht.
Anders sieht es der Chef der Swiss Football League, Claudius Schäfer. Er bezeichnet die Situation zwar als unbefriedigend, spricht aber nicht von einer Abwärtsspirale, sondern von Wellenbewegungen: «Länder, die jetzt vielleicht vor uns sind, waren jahrelang auch hinter uns. Das kann sich relativ schnell wieder ändern.»
Für FCZ-Präsident Canepa ist es aber kein Zufall, dass die Schweiz beispielsweise von Dänemark, Norwegen und Polen überholt wurde. In der Schweiz fehle den Top-Fussballklubs das Geld, insbesondere die Einnahmen durch TV-Gelder seien zu gering.
Konkurrenz hat mehr TV-Geld
Die 22 Schweizer Klubs der beiden höchsten Ligen erhalten insgesamt rund 21 Millionen Franken aus dem Verkauf der TV-Rechte. Zum Vergleich: Die Topligen in Dänemark und Norwegen schütten über 50 Millionen aus, Polen sogar über 70 Millionen.
«Damit können die Klubs viel mehr Mittel in die Kaderplanung und in Spieler investieren. Das hat auch Einfluss auf die Spielstärke. Darum wird es für uns immer schwieriger, mitzuhalten», sagt Canepa.
Mehr Geld würde die Swiss Football League gerne ausschütten. Doch vier Landessprachen und fehlender Wettbewerb um die Übertragungsrechte setzten enge Grenzen, sagt Liga-Chef Schäfer. Die Schweizer Liga sieht auch finanzielles Potenzial bei den eigenen Talenten:
«Die Schweiz war immer für ihre gute Talententwicklung bekannt. Andere Ligen sind in die Schweiz gekommen, haben sich das angeschaut und zum Teil kopiert. Deshalb müssen wir nun von Grund auf analysieren: Ist die Schweizer Nachwuchsbewegung aus dem Juniorenspitzenfussball noch dort, wo sie war?»
Liga lässt Nachwuchsarbeit untersuchen
Antworten soll der Liga ein Unternehmen aus Belgien liefern, das bereits in Norwegen und Dänemark tätig war. Es soll die Nachwuchsarbeit in der Schweiz bis Ende Jahr analysieren. Daraus will die Liga gemeinsam mit dem Fussballverband die nötigen Schlüsse ziehen.
Langfristig sollen Schweizer Klubs so wieder mehr Toptalente ausbilden, mit grossen Transfers Geld verdienen und in der Königsklasse des internationalen Fussballs, der Champions League, wieder Erfolge feiern.
Kurzfristig lässt sich der Abwärtstrend jedoch nur aufhalten, wenn Thun und Lugano in der Conference League – dem dritthöchsten europäischen Wettbewerb – möglichst viele Punkte holen. So könnten sie verhindern, dass die Schweiz im UEFA-Ranking noch weiter abrutscht.
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