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Sunday, October 4, 2026

Macht Parmelin jetzt den Blocher?

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Typologie der alt Bundesräte

Macht Parmelin jetzt den Blocher?

Guy Parmelin tritt zurück. Doch was passiert danach? Ein Blick auf andere alt Bundesräte zeigt: Möglichkeiten gibt es viele.

Publiziert: vor 11 Minuten

  • Christoph Blocher und Alain Berset politisieren nach Rücktritt weiter
  • Doris Leuthard, Kaspar Villiger und andere wirken in Räten und Stiftungen
  • Guy Parmelin will sich zurückhalten

Tobias BruggmannRedaktor Politik

Ab dem 1. Januar 2027 hat Guy Parmelin (66) Zeit: Er ist dann alt Bundesrat und will mit der neu gewonnen Freizeit sein Büro zu Hause in Bursins VD aufräumen und Ausflüge mit seiner Frau machen. Doch viele alt Bundesräte suchen weiterhin das Rampenlicht. Der Versuch einer Typologie.

Sie können das Politisieren nicht lassen

Eigentlich hat Christoph Blocher nie aufgehört. Selbst eine Woche vor seinem 86. Geburtstag lässt er sich für seine eigene Videoserie «Teleblocher» zu aktuellen politischen Themen befragen. Kürzlich stimmte die Schweiz zudem über seine Neutralitätsinitiative ab, mit der der SVP-Doyen aber krachend scheiterte.

Auch Alain Berset (54) kann das Politisieren nicht lassen. Schon kurz nach seinem Rücktritt bewarb er sich als Generalsekretär des Europarats in Strassburg FR und wurde prompt gewählt. Dort äussert er sich pointiert als Verteidiger der Menschenrechte und lautstarker Unterstützer der Ukraine.

Die Verwaltungsräte

Mit 55 Jahren trat Doris Leuthard (63) aus dem Bundesrat zurück. Zeit genug für neue Aufgaben. Sie fand diese unter anderem in mehreren Verwaltungsräten, etwa beim Detailhandelsriesen Coop, wo sie mittlerweile zur Vizepräsidentin des Gremiums aufgestiegen ist. Daneben wurde sie erst kürzlich zur Präsidentin der Stiftung für die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS ernannt.

Kaspar Villiger (85) wurde Verwaltungsratspräsident der UBS, zuvor war er bei Nestlé, Swiss Re und der NZZ. Dazu schrieb er mehrere Bücher.

Die Vielbeschäftigten

Viele alt Bundesräte engagieren sich in Stiftungen. Zum Beispiel Adolf Ogi (84), der sich mit seiner Stiftung «Freude herrscht» für Kinder engagiert. Ogi ist dort Ehrenpräsident. Politisch äussert er sich nur wenig. Als er mit einem Brief gegen die 13. AHV-Rente Stimmung machte, kam das gar nicht gut an.

Eveline Widmer-Schlumpf (70) wurde nach der Karriere im Bundesrat fast zehn Jahre lang Präsidentin von Pro Senectute, während Ruth Metzler (62) als Swiss-Olympic-Präsidentin für den Sport weibelte.

Die Gesprächigen

Die meisten alt Bundesräte haben gewisse Steckenpferde, die sie auch nach der Pensionierung nicht loslassen. Dazu äussern sie sich dann gerne in den Medien oder halten Vorträge darüber.

Pascal Couchepin (84) gab zuletzt mehrere Interviews zur 10-Millionen-Initiative, aber auch zur Neutralität, dem EU-Deal und dem Rentenalter. Auch Ueli Maurer (75) äusserte sich gerne kritisch zur Arbeit des Bundesrats, meistens im Zusammenhang mit den vergangenen Corona-Massnahmen. Ruth Dreifuss (86) kritisierte kürzlich die bundesrätliche Israel-Politik, aber äusserte sich auch zur Individualbesteuerung und zur Altersvorsorge.

Gesprächig ist auch Moritz Leuenberger (80), sogar auf der Bühne. Von 2015 bis 2021 moderierte Leuenberger im Zürcher Bernhard-Theater eine Talkshow mit kabarettistischen Einlagen.

Servir et disparaître

«Dienen und verschwinden» – dieses Motto galt lange Zeit für viele Bundesräte. Doch immer weniger alt Bundesräte halten sich daran – siehe oben. Eine Ausnahme ist Didier Burkhalter (66). Zwar verfasste er nach seiner Zeit als Bundesrat noch Bücher, zur Tagespolitik äussert er sich aber nicht.

Und Guy Parmelin?

Guy Parmelin sagte an der Medienkonferenz am Freitag, er wolle sich mit seiner Meinung nach dem Rücktritt eher zurückhalten. Ob er sich daran hält, wird sich zeigen.

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