Entwicklungszusammenarbeit – Rückzug des Bundes aus Tansania löst Kritik bei Partnern aus

Entwicklungszusammenarbeit Rückzug des Bundes aus Tansania löst Kritik bei Partnern aus
Mit dem neuen Fokus des Bundes bei der Entwicklungshilfe droht der Rückzug aus Ländern mit langjährigem Engagement.
Krieg, Naturkatastrophen oder Hungersnöte: Bei solchen Krisen im Ausland will der Bund künftig mehr humanitäre Hilfe leisten können. Dafür will er bei der Entwicklungszusammenarbeit sparen und sich auf die ärmsten Länder konzentrieren, aus anderen also zurückziehen.
Treffen könnte das unter anderem Tansania in Ostafrika, wo verschiedene Organisationen mit Sitz in Basel tätig sind. Bei diesen kommt der Strategiewechsel schlecht an; sie machen sich Sorgen um die Zukunft.
Das hat uns überrascht und wir sind zutiefst besorgt.
So sagt Jürg Utzinger, Direktor des Schweizer Tropeninstituts Swiss TPH: «Das hat uns überrascht und wir sind zutiefst besorgt.» Das Swiss TPH arbeitet seit über 70 Jahren eng mit diesem Land zusammen. «Tansania ist nach wie vor wichtig; es hat immer noch grosse Herausforderungen im Gesundheitsbereich. Von dieser strategischen Partnerschaft profitiert auch die Schweiz.»
Konkret leistet das Swiss TPH dort mehr als klassische Entwicklungshilfe. Es forscht auch, zum Beispiel im Kampf gegen Malaria. So sank die Kindersterblichkeit und die Schweizer Forschung gewann neue Erkenntnisse.
Von Tansania über Tigermücken lernen
Als Beispiel verweist Jürg Utzinger auf die Tigermücke, die sich nun auch in der Schweiz etabliert hat. Zur Tigermücke werde in Tansania viel geforscht. Von diesem Know-how profitiere auch die Schweiz. «Das ist ein absolutes Win-Win.»
Das Vertrauen von Regierung, Forschungs- und Entwicklungspartnern sei über Jahrzehnte erarbeitet worden. Wegen der momentanen geopolitischen Situation dürfe man das nicht aufgeben, warnt Utzinger. «Das Vertrauen kann man in kürzester Zeit zunichte machen.» Um es wieder aufzubauen, wäre ein teurer Effort nötig. Das Schweizer Tropeninstitut hofft daher, dass der Entscheid nochmals geprüft wird.
Auch Terre des Hommes ist seit Jahrzehnten in Tansania aktiv, wie das Hilfswerk auf Anfrage schreibt. Man würde es «sehr bedauern», wenn sich die Deza von dort zurückziehen würde.
Hilfswerk verunsichert
Sorgen macht sich auch Mission 21, wie die Leiterin für internationale Beziehungen, Katharina Gfeller, sagt. Sie seien verunsichert, weil unklar sei, wie es weitergehe. Das reformierte Hilfswerk ist dort seit über 100 Jahren aktiv.
Auch wenn Tansania nicht mehr zu den ärmsten Ländern gehört, bleibt laut Gfeller Unterstützung nötig. Viele Menschen hätten keinen Zugang zu sauberem Wasser, guter Bildung und Gesundheitsversorgung.
Bundesrat will Fokussierung
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Bis im Jahr 2030 soll die Direktion für Entwickung und Zusammenarbeit Deza 330 Millionen Franken mehr für humanitäre Notfälle ausgeben können. Für Entwicklungszusammenarbeit der Deza sind hingegen 296 Millionen weniger vorgesehen.
Das hat der Bundesrat Ende Juni im Zuge einer Neuausrichtung und Fokussierung der internationalen Zusammenarbeit entschieden. Deren finanzieller Rahmen bleibe mit insgesamt rund 2.4 Milliarden Franken pro Jahr «praktisch unverändert».
Die Deza erklärt den Strategiewechsel auf Anfrage damit, dass die humanitäre Soforthilfe in den kommenden Jahren noch wichtiger werden könnte. Als Beispiel nennt sie die Sturzflut in Nepal, die unlängst mehrere tausend Menschen getötet hat.
Jürg Utzinger vom Schweizer Tropeninstitut äussert zwar Verständnis für mehr Soforthilfe. Er mahnt aber, dass vor Ort gute Strukturen nötig seien. So sei in einer Krise etwa ein funktionierendes Gesundheitswesen wichtig.
TPH-Chef: Hilfe rentiert wirtschaftlich
Die Schweiz solle diese Zusammenarbeit als Ressource betrachten, auch weil sie ökonomisch sinnvoll sei: Für jeden in Tansania investierten Franken kämen zwischen zehn und zwölf Franken zurück in die Schweiz, zitiert Jürg Utzinger eine Studie.
Zwei Swiss-TPH-Projekte betroffen
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Das Schweizer Tropeninstitut Swiss TPH sieht sich laut Direktor Jürg Utzinger bei zwei Projekten in Tansania vom angekündigten Deza-Rückzug tangiert: Ein langjähriges, grossangelegtes Malaria-Kontrollprogramm, welches das TPH mit lokalen Partnern umsetzt, werde heute von der Deza unterstützt. Zudem leistet die Deza einen Beitrag an die für das ganze Land sehr wichtige Forschungsinstitution Ifakara Health Institute. Vor 70 Jahren durch das TPH gegründet, sei dieses heute eine unabhängige Institution. Dank ihres Beitrags habe die Schweiz als Partnerin dort Einfluss.
Zum Beispiel könnten Schweizer Unternehmen von Forschungsfortschritten bei Krankheiten wie Malaria profitieren. Das aktuell wichtigste Medikament dagegen, das viele Leben rette, stellt Novartis her. Entwicklungsländer können es zum Selbstkostenpreis kaufen.
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