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Thursday, October 22, 2026

Neu im Kino – «Frank & Louis»: Schweizer Blick in ein amerikanisches Gefängnis

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Petra Volpe ist bekannt für Filme wie «Die göttliche Ordnung» und «Heldin», in denen starke Frauenfiguren im Zentrum stehen. Nun erzählt die Schweizer Regisseurin eine Geschichte über zwei Männer – und zwar in einem amerikanischen Gefängnis. «Ich habe es interessant gefunden, einen feministischen Film über Männer zu machen. Einmal Männer auf eine andere Art zu zeigen», sagt Volpe.

«Frank & Louis» erzählt von Frank, einem verurteilten Mörder, der auf Bewährung hofft. Um seine Chancen darauf zu verbessern, übernimmt er die Pflege eines älteren Mitinsassen. Louis war einst ein gefürchteter Gangster, ist inzwischen aber an Alzheimer erkrankt und zunehmend auf Hilfe angewiesen. Aus einer zunächst zweckmässigen Verbindung entwickelt sich eine Freundschaft.

Die Idee zu «Frank & Louis» entstand bei Petra Volpe durch das «Gold Coats»-Programm in einem kalifornischen Gefängnis. Jüngere Gefangene werden darin ausgebildet, ältere Mitinsassen mit Demenz zu betreuen. Volpe besuchte das Gefängnis zweimal und sprach mit den «Gold Coats». Die Begegnungen beeindruckten sie so sehr, dass sie über Jahre an der Geschichte weiterarbeitete.

Zärtlichkeit statt Gewalt

Das Gefängnis ist im Kino häufig ein Ort der Gewalt, der Machtkämpfe und der toxischen Männlichkeit. Petra Volpe interessiert sich für eine andere Seite dieser Welt. «Man wollte sich auf die Zärtlichkeit und die Sensibilität konzentrieren und sich von den Klischees, der Gewalt und der Wut fernhalten, die man in solchen Filmen sonst immer sieht», sagt Kingsley Ben-Adir, der den Verurteilten Frank spielt.

Zwei Menschen in blauen Jacken, eine davon in einem Rollstuhl, mit einem Maschendrahtzaun im Hintergrund.
Legende: Der Verurteilte Frank (gespielt von Kingsley Ben-Adir, links) übernimmt die Pflege seines Mitinsassen Louis (Rob Morgan), der an Alzheimer erkrankt ist. Filmcoopi

Auch Rob Morgan, der Louis verkörpert, bereitete sich intensiv auf seine Rolle vor. Für die Darstellung des an Alzheimer erkrankten Gefangenen suchte er den Austausch mit Betroffenen und der Alzheimer's Association. Für Morgan sei die Rolle auch deshalb wichtig gewesen, da Alzheimer jeden Menschen treffen könne.

Volpe geht es dabei um mehr als die Freundschaft zweier Gefangener. Der Film thematisiert auch das Älterwerden hinter Gittern. Die Gefängnispopulation werde immer älter, sagt die Regisseurin, gleichzeitig fehlten passende Lösungen für den Umgang mit pflegebedürftigen und demenzkranken Insassen. Gefangene sollten nicht als Nummern betrachtet werden, sondern als Menschen.

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  • Bild 1 von 4. Europapremiere von «Frank & Louis» am 10. August auf der Piazza Grande im Rahmen des 79. Locarno Film Festivals. Bildquelle: Locarno Film Festival / Edoardo Nerboni.

  • Bild 2 von 4. Zu Gast in Locarno: die Hollywoodstars Kingsley Ben-Adir (links) und Rob Morgan. Bildquelle: Locarno Film Festival / Edoardo Nerboni.

  • Bild 3 von 4. Die Schweizer Regisseurin Petra Volpe führte bei «Frank & Louis» die Regie und schrieb zudem gemeinsam mit Esther Bernstorff das Drehbuch. Bildquelle: Locarno Film Festival / Edoardo Nerboni.

  • Bild 4 von 4. Auf dem roten Teppich: Kingsley Ben-Adir und Rob Morgan. Bildquelle: Locarno Film Festival / Edoardo Nerboni.

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Stars für eine Schweizer Produktion

Für die beiden Hauptrollen konnte Petra Volpe zwei international bekannte Schauspieler gewinnen. Kingsley Ben-Adir war zuletzt unter anderem als Bob Marley in «Bob Marley: One Love» und als einer der Kens in «Barbie» zu sehen. Rob Morgan kennt man als Officer Powell aus der Erfolgsserie «Stranger Things».

Dass sich beide trotz kleinerer Gage für das Projekt entschieden haben, hat laut Volpe vor allem mit dem Stoff zu tun. Sie hätten ein Projekt gesucht, das sie künstlerisch und inhaltlich überzeugt. «Es braucht Schauspieler, die nicht nur wegen des Geldes motiviert sind, sondern Lust haben, wichtige Geschichten zu erzählen», sagt die Regisseurin.

Ben-Adir war vom Drehbuch sofort angetan. Der Film habe ihm die Möglichkeit gegeben, eine Welt zu erkunden, die er so noch nie in einem Film gesehen habe.

Obwohl «Frank & Louis» in den USA spielt, wurde der Film nicht dort gedreht. Volpe entschied sich für ein stillgelegtes Gefängnis im englischen Shrewsbury, das heute als Museum dient und regelmässig als Filmkulisse genutzt wird.

Der ungewöhnliche Drehort sorgte für einige kuriose Momente. Während der Pausen liefen immer wieder Schulklassen durch das ehemalige Gefängnis. Die Schauspieler trugen dabei weiterhin ihre Gefängniskleidung. «Wenn Kinder vorbeikamen und uns anstarrten, haben wir sie manchmal erschreckt», erzählt Rob Morgan.

Andere Sicht auf Gefangene

Mit «Frank & Louis» schlägt Petra Volpe ungewohnte Töne an. Statt die bekannten Gefängnisklischees zu bedienen, konzentriert sich der Film auf Freundschaft, Krankheit und menschliche Nähe.

Aus der Geschichte zweier Gefangener wird eine grundsätzliche Frage: Wie gehen wir mit Menschen um, die im Gefängnis alt, krank oder hilfsbedürftig werden? Für Volpe ist klar: Auch hinter Gittern bleibt die Würde des Menschen bestehen. «Frank & Louis» versteht sich damit nicht zuletzt als Plädoyer dafür, Gefangene nicht auf ihre Taten oder ihre Haftstrafe zu reduzieren.

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