Wegen zweier Stecker: Leser soll 500 Fr. für Inspektion zahlen

- Zwei Stecker einstecken – und trotzdem 500 Franken für eine Elektroprüfung zahlen: So erging es einem News-Scout nach seiner Batterieerweiterung.
- Der Netzbetreiber bestand, gestützt auf die ESTI-Weisung 220, auf einer vollständigen Abnahmekontrolle durch eine akkreditierte Inspektionsstelle.
- Nationalrat Jürg Grossen (GLP/BE) nennt die Regelung überholt; Swissolar fordert eine Überprüfung der Praxis.
Newsscout P. ist hässig. Er hat vor einigen Jahren auf sein Haus eine Solaranlage gebaut, samt einer kleinen Speicherbatterie im Keller. Dieses Jahr hat er beschlossen, den Speicher zu vergrössern. Grund sei zum einen, dass er immer weniger für den ins Netz verkauften Strom bekomme, und zum anderen, dass die Kosten für Batterien stark gesunken seien.
Doch P. hat die Rechnung ohne seinen Netzbetreiber gemacht. Dieser beschied ihm, gestützt auf eine Regel des Eidgenössischen Starkstrominspektorats (ESTI), dass er eine «Abnahmekontrolle» durch eine «akkreditierte Inspektionsstelle» machen lassen müsse. Kosten: rund 500 Franken.

Die Hausbatterie eines deutschen Herstellers sei extra modular und für einen extrem einfachen Aufbau konstruiert worden, sagt der News-Scout. Sie besteht aus einzelnen Batterieblöcken und einem zuoberst liegenden kleinen Computer. Pro Batterieturm können mindestens zwei und maximal sechs Blöcke verbaut werden. P. kann maximal zwei Türme mit je sechs Blöcken an einen seiner Wechselrichter anschliessen.
News-Scout findet: «Prüfung macht keinen Sinn»
P. hatte bisher einen Batterieturm mit drei Batterieblöcken, nun hat er auf zwei Türme mit je sechs Batterieblöcken aufgerüstet. Die Installation sei extrem einfach gewesen, sagt P. Er habe bloss zwei Stromstecker und ein LAN-Kabel einstecken müssen, sein Solarteur habe ein Erdungskabel montiert und gemeinsam hätten sie die Software aktualisiert. Das sei nicht viel schwieriger gewesen, als einen Toaster einzustecken, sagt P.
Er versteht darum die verlangte Prüfung nicht, wie er sagt. Seine Solaranlage und die damals noch kleinere Batterie seien selbstverständlich ordnungsgemäss geprüft worden, so P. «Das noch mal zu prüfen, macht keinen Sinn», findet der Betroffene.
Kontrolle notwendig oder nicht?
20 Minuten wollte vom ESTI wissen, warum die Kontrolle notwendig ist. Die Kontrollbehörde teilt überraschend mit: «Wenn an der Zuleitung und der Absicherung der Zuleitung keine Veränderung vorgenommen wurde […] wäre auch die geforderte Abnahmekontrolle nicht notwendig.»
Aber: Weil der News-Scout vorher eben nur einen Batterieturm hatte und jetzt einen zweiten angeschlossen hat, ändert sich das.
Aus einem Mailverkehr zwischen dem Inspektorat und dem Solarteur des News-Scouts vor einigen Monaten geht nämlich hervor, dass sich das ESTI und das Elektrizitätswerk des Betroffenen auf die «ESTI-Weisung 220 unter Punkt 7» beziehen.
«Es sind die Einhaltung der Herstellerangaben, Fluchtwege, je nach Speicher Brandabschnitte, Leiterquerschnitt, automatische Abschaltung im Fehlerfall und so weiter zu prüfen und zu dokumentieren», teilte die Behörde mit.
Politik verspricht Hilfe
Jürg Grossen ist Berner Nationalrat und Präsident von Swissolar. Er sagt: «Die heutigen Sicherheitsbestimmungen und deren Auslegung in der Praxis sind überholt.» Sie führten zu hohen Kosten ohne entsprechenden Nutzen für die Sicherheit. Elektroinstallateure würden bei der Inbetriebnahme die fest angeschlossenen Geräte messen: «Damit ist die Sicherheit gewährleistet. Eine zusätzliche unabhängige Kontrolle bringt keine zusätzliche Sicherheit.»

Und der Branchenverband Swissolar ergänzt, dass die zusätzliche Prüfung «stossend» sei. «Swissolar setzt sich deshalb gemeinsam mit weiteren Branchenverbänden dafür ein, dass das ESTI diese Praxis fachlich und rechtlich nochmals überprüft und eine verhältnismässige Lösung findet.» Sollte dies nicht gelingen, notfalls auch mit Vorstössen im Parlament.
Was hältst du von der vorgeschriebenen Elektroprüfung bei kleinen Erweiterungen einer Solaranlage?
News-Scout P. bleibt kurzfristig nichts anderes übrig, als in den teuren, sauren Apfel zu beissen und die 500 Franken für die Prüfung zu bezahlen. Trotzdem bleibt er hoffnungsvoll: «Vielleicht bewirkt ja mein Gang an die Medien, dass sich etwas bessert und ein kleines bisschen Bürokratie-Irrsinn wegfällt», sagt er.
Stefan Lanz arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Er ist Bundeshausjournalist mit langjähriger Erfahrung.
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